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SWR4 Abendgedanken

„Investieren Sie in bleibende Werte!“ So habe ich es neulich auf dem Plakat in der Bank gelesen. Vermutlich ist es um Gold oder Immobilien gegangen. Aber ich habe vergnügt in mich reingegrinst und gedacht: was für eine geniale Aufforderung, etwas vom Glauben weiterzugeben. Etwas für’s Leben. Zum Beispiel an Kinder und Jugendliche.
„Investieren Sie in bleibende Werte!“
In der Bibel ist das ein bisschen anders ausgedrückt, aber die Sache hat Menschen schon vor langer Zeit beschäftigt. „Wenn Dein Kind dich morgen fragt…“: unter dieser Überschrift steht im 5. Buch Mose eine Art Gesprächsanleitung. Da will einer Mut machen, in bleibende Werte zu investieren.
Wenn dein Kind dich morgen fragt: „welche Werte sind für Euch wichtig? Woran glaubt ihr eigentlich? An welche Gebote haltet ihr euch?“ Dann hör dir die Fragen an und versuche zu antworten. Du darfst es ruhig anstrengend finden, so gefragt und hinterfragt zu werden, aber stell dich diesen Fragen. Überlege, was du der nächsten Generation weitergeben willst. Was deine Generation der nächsten weitergeben will.
In der alten Gesprächsanleitung aus der Bibel steht der Tipp: Wenn Dein Kind dich morgen fragt, dann erzähl‘. Werde nicht sprachlos, wenn es um den Glauben geht. Erzähl, was du glaubst. Und in welcher Situation dir das schon geholfen hat. Wenn du Mühe hast, eigenes zu erzählen: dann stöber mit deinen Kindern in der Kinderbibel. Sie steckt voller Geschichten, die ihr zusammen entdecken könnt.
Erzähl davon, dass Gott diese Welt geschaffen hat und jedes Leben achtet. Und dann überlege mit deinem Kind, was das heute bedeutet, Mitmenschen zu achten und behutsam mit der Natur umzugehen. Erzähl davon und lebe es vor.
Erzähl davon, wie Menschen gebetet haben, und bete mit deinem Kind. Damit es spürt, wie gut das tut.
Ich finde es nicht immer einfach, so den Glauben weiterzugeben. Weil es so eine persönliche Sache ist. Aber es ist gerade deshalb spannend, weil es so eine persönliche Sache ist. Also möchte ich mich ermuntern lassen, zu erzählen und vorzuleben. So investiere ich in bleibende Werte.

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Nächstenliebe – das ist so ein großes Wort.
Wie soll man denn diese vielen Nächsten lieben oder auch nur im Blick haben? Wie soll ich das schaffen? So viel Zeit habe ich nicht. Und so viel Kraft auch nicht.
Nächstenliebe – wie kann das gehen?
Wie das mit der Nächstenliebe gehen kann, hat Jesus in einer Geschichte erzählt:
Ein Mann wird in einer einsamen Gegend überfallen. Schwerletzt bleibt er hilflos liegen. Dann kommen nacheinander drei Männer vorbei. Drei Menschen, die helfen könnten.
Zuerst sehen zwei hoch angesehene Männer den Schwerverletzten. Haben sie Angst oder ist er ihnen egal? Haben sie zu viel anderes um die Ohren? Jedenfalls lassen sie ihn links liegen und gehen schnell weiter. Später kommt ein Ausländer zu dem Schwerverletzten. Ausgerechnet er bleibt stehen und hilft.
So weit die Geschichte, die Jesus erzählt hat. Am Ende hat er einen der Zuhörer gefragt: „Was meinst Du: wer von diesen dreien ist der Nächste gewesen für den, der überfallen worden ist?“ Der Zuhörer sagte: ‚Der, der sich um ihn gekümmert hat!’ Da sagte Jesus zu ihm: ‚Dann geh– und mach es ebenso!!“
Das finde ich eindrücklich!
Nur: hab ich dann nicht doch die Last der ganzen Welt am Hals?
Andererseits macht Jesus oft deutlich, dass nur EINER die Last der ganzen Welt am Hals hat. Und das ist Gott selbst. Er nimmt die Last derer auf sich, die Hilfe brauchen, und die Schwierigkeiten von denen, die helfen. Auch die Last derer, die nicht helfen.
Die Last der ganzen Welt, die ist Chefsache. Sache Gottes. Der eine Mensch, der geholfen hat, der hat nicht die ganze Welt saniert. Musste er auch nicht.
Aber für diesen einen Menschen in Not, über den er regelrecht drübergestolpert ist, für den hat er getan, was er konnte. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr! Dann hat er ihn gut versorgt bei anderen Leuten gelassen und ist weitergegangen.
Wenn er später wieder bei einem vorbeigekommen ist, der Hilfe gebraucht hat, dann hat er für den wieder die Hände frei gehabt. Wenn viele sich so um einen anderen kümmern würden – dann wäre die Welt für viele besser.
„Dann geh“, hat Jesus deshalb gesagt, „– und mach es ebenso.“

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Ich habe diesen Satz schon oft gehört. Manchmal habe ich ihn auch selbst gesagt – und dann vorsichtshalber selbst nachgeschaut, ob wirklich alles in Ordnung ist. Ich denke, hinter diesem Spruch steckt die Erfahrung: Vertrauen kann enttäuscht werden. Insofern ist Vertrauen riskant.
Wenn ich zum Beispiel jemandem im Vertrauen etwas erzähle, bitte ich ihn vielleicht: „Das muss unter uns bleiben. Behalte es für dich!“ Ob der andere dann wirklich den Mund hält, habe ich nicht in der Hand. Ich kann nur vorher überlegen, ob ich zu diesem Menschen Vertrauen haben kann oder nicht.
Und wenn einer das Vertrauen enttäuscht, dass ich ihm geschenkt habe: Dann verletzt mich das.
In der deutschen Sprache hat das Wort „Vertrauen“ einen sprachlichen Verwandten: nämlich das Wort „Treue“. Ich glaube, das ist kein Zufall. Vertrauen und Treue gehören zusammen. Nicht nur in der Sprache, auch sonst im Leben. Vertrauen kann ich dem, der treu ist.
Mein Vertrauen kann wachsen und stark werden, wenn jemand verlässlich ist. Wenn ich erlebe: der steht zu seinem Wort. Und der steht zu mir, auch wenn es schwierig wird. Mein Vertrauen wächst auch, wenn andere mir von ihren guten Erfahrungen mit diesem Menschen erzählen.
Ich finde: Mit Gott ist das ähnlich. Ich vertraue ihm, weil ich darauf baue, dass er treu ist. Dass er zu mir hält, egal was geschieht. Auf diese Idee bin ich gekommen, weil Menschen vor mir mit ihm Erfahrungen gesammelt haben, schon in alter biblischer Zeit. Sie haben ihre Erfahrung weitergegeben: „Er ist treu. Er steht zu seinem Wort. Probier‘ es aus. Du kannst ihm vertrauen.“ Das ermutigt mich, ihm zu vertrauen.
Ich fällt aber manche Situation ein, in der ich das ziemlich schwierig gefunden habe. Wie soll ich Gott vertrauen, wenn es in meinem Leben gerade drunter und drüber geht? Ein alter Liedvers aus dem Gesangbuch hat mir geholfen. Der Gott, „der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ Das Lied ist locker 350 Jahre alt. Aber es ermuntert mich, meine ganz eigenen Erfahrungen mit Gott zu machen und ihm zu vertrauen.
Auch heute.

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Mit Kindern über den Tod reden – das ist heikel, oder?
„Tod und Auferstehung“ steht für meine 4. Klasse auf dem Lehrplan. Und das mit quirligen zehnjährigen Kindern. Das kann ja was werden, hab‘ ich gedacht.
Also habe ich die Kinder erstmal gefragt: „Was interessiert Euch? Was wollt ihr wissen, wenn wir über den Tod reden?“ Kurze Bedenkzeit, dann hat es Fragen gehagelt. Ein Kind hat alle Fragen mitgeschrieben. Am Ende war eine ganze Heftseite voll.
Unruhig ist es bei der Frage geworden: „Wieso dürfen Kinder meistens nicht mit zur Beerdigung?“ Das hat die Kinder sehr beschäftigt. Manche haben sich beschwert, dass sie zu einer Beerdigung nicht mit durften: sie hatten sich ausgeschlossen gefühlt. Andere haben gesagt: „Da will ich gar nicht hin!“
Die Kinder wollten wissen, wie ich dazu stehe. Ich habe gesagt: „Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ein Kind mit zur Beerdigung gekommen ist. Ich glaube, dass ein Schulkind gut abschätzen kann, ob es dabei sein möchte oder nicht. Also würde ich ihm erzählen, wie die Beerdigung abläuft. Wenn ein Kind dann dabei sein möchte, würde ich es auf jeden Fall mitnehmen.“
So weit, so gut.
Katharina allerdings hat die ganze Schulstunde ein bisschen besorgt dreingeschaut. Ihr ist das Thema nicht geheuer gewesen. Als wir am Schluss im Kreis um die große Osterkerze herum gesessen haben, hat sich ihr Gesicht aufgehellt. Die Osterkerze haben wir seit Ostern immer in der Mitte stehen. „Gott hat doch gewonnen, oder?“ hat sie gefragt und auf das Licht der Kerze geschaut.
Ich finde, damit hat sie etwas ganz wichtiges auf den Punkt gebracht. „Ja, Gott hat gewonnen“, habe ich gesagt. „Gott hat gewonnen und der Tod hat verloren.“ Die Kinder haben vergnügt gegrinst.
Nach dieser Stunde denke ich: es geht gut, mit Kindern über den Tod zu reden. Das interessiert sie. Sie wollen aber auch wissen: „Was glaubst du: Gibt es jemand, der gegen den Tod antreten kann und gewinnt?“ Ja, denke ich, und schaue auf das Osterkreuz, das neben meinem Schreibtisch an der Wand hängt. Gott hat gewonnen. Darauf vertraue ich. Das hilft mir, mit Kindern über den Tod zu reden.

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„Ich will was bewegen!“
Mit leuchtenden Augen hat die junge Frau diesen Satz ins Mikrophon gesagt. Der Reporter hatte sie gefragt, warum sie sich in der Bürger-Initiative engagiert. Ihre Antwort: „Ich will was bewegen!“
Ich finde es einen starken Satz. Und ich kann ihn gut nachvollziehen. Ja, ich will auch was bewegen mit meinem Leben. Ich will was bewegen dadurch, dass ich mich einsetze und wofür ich mich einsetze.
Genau genommen werde ich ja selbst auch bewegt: von einem Freund, der anruft und erzählt, dass seine Tochter in Schwierigkeiten steckt. Oder von Nachrichten und Bildern aus Ländern, die im Chaos versinken. Auch die leuchtenden Augen jener jungen Frau bewegen mich: sie will sich in der Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder engagieren. Was sie tut, gibt mir selbst wieder Impulse.
Ich will was bewegen.
Das mag menschlich sein, aber ich vermute, letztlich haben wir das von unserem Schöpfer.
Die gesamte Bibel dreht sich im Grunde darum, dass Gott nicht unbeweglich in fernen Sphären schwebt. Er ruft eine Welt ins Leben. Er lässt sich bewegen von dem, was auf dieser Welt geschieht. Es lässt ihn nicht kalt, was seine Menschenkinder umtreibt. Mit seinem Sohn kommt er mitfühlend und liebevoll kreativ in diese Welt hinein. Er will was bewegen.
Weil sie an diesen Gott glauben, der einen bewegt, deshalb bewegen sich Menschen auf andere zu und setzen sich ein. Liebevoll und kreativ – ganz auf der Linie unseres Schöpfers.
Und hin und wieder wird mir klar: jetzt will er wohl gerade mich bewegen.
Da verpasst er mir eine heilsame Unruhe, wenn ich mich zufrieden oder enttäuscht in meinem Schneckenhaus eingerichtet habe.
Oder er mahnt mich, in einer festgefahrenen Situation gefälligst den ersten Schritt zu tun, die Hand zu reichen.
Manchmal macht er mich schlicht darauf aufmerksam, dass da noch Menschen rechts und links von mir sind. Wer weiß, was ich mit denen zusammen bewegen könnte…

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