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SWR4 Abendgedanken

„Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun. Die Welt gehört in Kinderhände. Dem Trübsinn ein Ende. Wir werden in Grund und Boden gelacht, Kinder an die Macht", so singt Herbert Grönemeyer. Ich mag dieses moderne Lied. Es erinnert mich sogar an eine Geschichte in der Bibel. Eltern bringen ihre kleinen Kinder zu Jesus. Er soll sie berühren, sie segnen.  Als seine Freunde die Kinder zurückweisen wollten, sagte er: „Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran!  Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes." Die Botschaft, die ich höre: Kinder gehören dazu. Kindern dürfen wir etwas zutrauen. Sie haben ein eigenständiges Lebens - und Entfaltungsrecht. Es ist an uns Erwachsenen, ihnen zu ihren Rechten zu verhelfen. Sie anzunehmen, sie aufzunehmen in unsere Gesellschaft. Diese moderne Gesellschaft ist anders als zur biblischen Zeit. Damals waren die Kinder Arbeitssklaven und  Objekte, dem Willen der Erwachsenen ausgesetzt. Oft ohne Chance am Leben wirklich teilzuhaben. Doch auch heute gibt es Kinder auf der ganzen Erde, die nicht genügend Lebensperspektiven haben. Auch in unserem Land. Kinder, die nicht genügend Liebe und Fürsorge erfahren. Kinder, die nicht teilhaben an gesundheitlicher Vorsorge und Bildung. Vergessene Kinder. Die Alternative „Gebt den Kindern das Kommando" ist wohl keine Lösung. Aber wenn wir unsere Kinder und Enkelkinder in die Mitte unserer Aufmerksamkeit holen. Wenn wir sie als kleine Personen ernst nehmen, dann nehmen wir als Erwachsene unsere Verantwortung wahr. Es ist die Verantwortung für eine gerechte Welt für die Kinder. Gemeinsam mit den Kindern die Zukunft zu gestalten, ist eine besondere Freude und manch Erwachsener wird dabei das Kind in sich neu entdecken.


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In Bingen und Rüdesheim hat sie im 12. Jahrhundert die Klöster Rupertsberg und Eibingen gegründet: die Hl. Hildegard von Bingen. Sie gilt bis heute als starke Frau und Visionärin, als Heilkundlerin, Dichterin und Prophetin. Eine Frau des Mittelalters, einer völlig anderen Gesellschaft und Denkweise, und doch unserer Zeit so nahe. Hildegard hatte einen besonderen Zugang zur Schöpfung Gottes, zu den Pflanzen und Tieren. Ihre Heilkunde ist noch heute vielen Menschen eine Hilfe. Menschen ernähren sich ganz bewusst nach den Ratschlägen dieser besonderen Frau. Doch nicht nur das. Hildegard verstand sich auch als Prophetin. Als solche weissagte sie nicht etwa die Zukunft. Sie lebte ähnlich den biblischen Prophetinnen und Propheten ganz konzentriert in der Gegenwart. Sie konfrontierte die Machthaber ihrer Zeit schonungslos und angstfrei mit dem Wort Gottes. Unbequeme Botschaften hörten die mächtigen Herren auch damals nicht gerne. Schon gar nicht aus dem Mund einer Frau. Und doch waren ihre Ratschläge bei den Mächtigen gefragt. Hildegard rüttelt auf und mahnt, fordert heraus und weist neue Wege. Sie korrigiert in zahlreichen Briefen das Handeln wichtiger Persönlichkeiten der damaligen Gesellschaft und Kirche. Geleitet von ihrem Gewissen und ihrer inneren Überzeugung ist sie eine starke Frau, die stets für Gerechtigkeit einsteht. Für Menschlichkeit und für Barmherzigkeit. Sie tut dies in einer klaren Sprache und mit einer deutlichen Botschaft. Ich bewundere diese geerdete Spiritualität. Ihren unverstellten Blick zum Himmel und ihren genauso unverstellten Blick auf die Erde. Hildegard von Bingen ging es zeitlebens um Liebe, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Barmherzigkeit. So kann sie auch heute unser Vorbild sein für eine aufrechte und gewissenhafte Lebensgestaltung.

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Heute ist Vollmond. Am Mond hat sich der Mensch schon sehr früh orientiert. „Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten" heißt es in den Psalmen der Bibel. (vgl. Ps 104,19). Als das „kleinere Licht", das über die Nacht herrscht, bezeichnet es die Schöpfungsgeschichte. (vgl. Gen 1,16) Und wir Christen feiern am  Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond das Osterfest. Der Mond hat kein eigenes Licht wie die Sonne, sondern reflektiert nur das Licht. Er wechselt seine Gestalt, nimmt zu und nimmt ab. So wurde er, gerade auch als Halbmond, zum Symbol der Vergänglichkeit, des Schwindens und zugleich der Wiederkehr. Der Mond, zweitrangiges Licht nach der Sonne, hat es auch sprachlich nicht leicht. Der ist „hinter dem Mond" sagen Menschen oder bezeichnen jemanden als „Mondgesicht". Und wenn ein Mensch als „mondsüchtig" hingestellt wird, dann sind damit nicht nur geheimnisvolle Einflüsse gemeint, die ihn beherrschen. So ein Mensch gilt als unbeständig und launenhaft wie der Mond. Heute ist Vollmond. Ich finde es immer wieder faszinierend diesen Vollmond in einer klaren Nacht zu erleben. Ein Naturschauspiel besonderer Art. Der Vollmond erinnert mich daran: in jedem Menschen gibt es nicht nur die Sonnenseiten,  das strahlende Licht. Jeder Mensch, und das erlebe ich täglich, hat auch seine Mondseiten, so wie das Leben selber nicht nur Sonnenseiten kennt. Ich weiß um meine Schwächen und Grenzen, ich weiß um meine Unbeständigkeit und Unruhe. Ich kenne aber auch meine Stärken und Fähigkeiten, meine Begabungen. Das Wechselspiel von Sonne und Mond ist wie ein Bild meines Lebens. In einem irischen Segenslied singen die Menschen: „Führe die Straße, die du gehst immer nur zu deinem Ziel bergab; hab wenn es kühl wird, warme Gedanken, und den vollen Mond in dunkler Nacht."

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„Herr, ich bin nicht würdig." So beten Christinnen und Christen regelmäßig im katholischen Gottesdienst. „Herr, ich bin nicht würdig." Viele tun sich schwer mit diesem alten Gebet. Aber wir haben uns diese Worte nicht ausgedacht. Sie sind uns gegeben. In der Bibel begegnet uns ein heidnischer Hauptmann, dessen Diener schwer erkrankt ist. Er wendet sich mit großem Vertrauen an Jesus und bittet um die Heilung seines Dieners. Jesus ist tief beeindruckt vom Glauben dieses Menschen. Die Begegnung findet ihren Höhepunkt in der Heilung des Dieners. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dieser Satz des heidnischen Hauptmanns: „Herr, ich bin nicht würdig. dass du eingehst unter mein Dach, sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden." In einer weiteren Übersetzung heißt es: „Ich bin ja nicht genug, dass du unter mein Dach kommst." Diese Übersetzung hilft mir, das Gebet annehmen zu können, es zu meinem Gebet werden zu lassen. Ich bin nicht genug. Ich bin mir selber nicht genug. Ich weiß um meine Unvollkommenheit. Ich bin nicht genug, so kann ich gut beten. Ich bin nicht genug, aber wenn du, Herr, das, was mir zum Menschsein noch fehlt, auffüllst, dann erfahre ich Heilung. „Herr, ich bin nicht würdig." Dieses kurze Gebet macht mir immer wieder neu bewusst, wer ich bin und wer Gott ist. Es ist ein Gebet des Vertrauens in Gottes heilendes Wirken - hinein in mein unvollkommenes und unvollendetes Leben. Dieses Leben ist mir geschenkt, um es zu gestalten. Aber, sei es noch so schön, es bleibt eine Lücke, etwas Unvollendetes und Unheiles in meinem Leben. Und in diesem Gebet bitte ich Gott, diese Lücke aufzufüllen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund."

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Für die Schulkinder in Rheinland-Pfalz war heute der erste Schultag nach den großen Ferien. In anderen Bundesländern dauern die Ferien noch an. Solche Auszeiten tun Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gut. Die einen sind von ihren Urlaubszielen hoffentlich gut erholt und gesund zurück gekehrt. Andere sind noch unterwegs und genießen ihre freie Zeit. Und auch diejenigen, die zuhause geblieben sind, werden in unserer wunderbaren Region im Südwesten Ruhe und Entspannung gefunden haben. Das eigentliche Urlaubsziel ist für mich allerdings nicht ein geographischer Ort. Eugen Roth sagt: „Der Urlaub ist erholsam meist nicht nur für den, der in ihn reist. Auch den, der da bleibt freut die Schonung, die er genießt in stiller Wohnung. So zählen zu den schönsten Sachen, oft Reisen, die die anderen machen." Egal wo ich bin, wenn ich mir eine Auszeit nehmen kann, dann ist diese Zeit  ein großes Geschenk.  Als Schüler waren für mich die Pausen auf dem Schulhof immer das Beste am Vormittag, besonders die große Pause. Da lohnte es sich, das ein oder andere Spiel anzufangen, sich ein Stück zu verausgaben. Da wurden das Pausenbrot eingenommen und Neuigkeiten ausgetauscht. Eine Auszeit, eine Ferienzeit, ist wie eine große Pause, in der ich zu mir selber finden kann, aber auch zu meinen Mitmenschen. Ich habe dann Zeit für ausgiebige Gespräche und kreative Spiele. Ich habe auch Zeit neue Menschen oder mir schon bekannte Menschen neu kennenzulernen. Nach der großen Pause gehe ich konzentrierter und aufgelockerter in die nächste Unterrichtsstunde. Nach einer Auszeit in den Ferien kann ich mit neuem Elan an die Aufgaben herangehen, die ich zu bewältigen habe. Wenn ich in den Ferien zu mir selber gefunden habe, wenn ich meine Mitmenschen neu wahrnehmen konnte, dann habe ich doch ein wunderbares Urlaubsziel erreicht. Und dann ist sogar das Wetter egal.

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