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SWR4 Abendgedanken

Jetzt gibt es schon 10 Gebote der Schuhpflege. Hab ich beim Schuhkauf bekommen, nützliche Hinweise, kurz zusammengefasst. 

Wenn man etwas noch aus dem Religionsunterricht behalten hat, dann die Zehn Gebote. Zumindest die Überschrift.  

Beim Inhalt wird's dann schon ein bisschen schwieriger. Kurz gefasst heißt es da: 

Gott spricht: Ich bin der Herr, dein Gott.

Erstens:
Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Das meint: Denk nach, an wen du dein Herz hängst. Lass Dich nie von Nebensächlichkeiten und Dingen so bestimmen, dass sie dich beherrschen. Wie man sich bettet, so liegt man.

 Zweitens:
Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren. Das meint: Sprich nicht so schnell von Gott, wie von etwas Banalem. Sei sparsam und überleg genau, wenn du seinen Namen nennst. 

Drittens:
Gedenke, dass du den Sabbat heiligst. Das meint: Gott hat nicht einfach so einen Ruhetag eingeplant. Halte ihn, gönn dir Atempausen und vergiss nicht, wer dich geschaffen hat.

 Viertens:

Du sollst Vater und Mutter ehren. Gut, wer seine Eltern aus ganzem Herzen lieben kann,
Respekt, wer bei schwierigen Beziehungen es schafft sie zumindest zu achten. 

Fünftens:
Du sollst nicht töten.
Gott ist Herr über Leben und Tod.
Niemand sonst.
Und Rache steht keinem Menschen zu. 

Sechstens:
Du sollst nicht ehebrechen. Kämpf um deine Liebe. Auch im Herbst, auch im Winter. 

Siebtens:
Du sollst nicht stehlen.
Das meint nicht nur die Obergauner und die Taschendiebe.
Das meint auch das Verschweigen, das Retuschieren und den Ideenklau.

 Achtens:
Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten
Mobbing ist keine neue Erfindung. Nichts kann so verletzend sein wie vergiftete Worte. 

Neuntens:
Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Frau.
Oder in der Fassung für Frauen: Deiner Nächsten Mann. 

Und zehntens:
Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Hab und Gut.
meint: Neid ist oft der Anfang. Man sieht immer nur das, was nicht ist,
und vergisst, was man hat.

Das sind sie.
Die zehn Gebote.
Uralte Worte,
noch immer aktuell.

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Schafgarbe, Thymian, Johanniskraut, und viele andere Kräuter. Manchmal zur Krönung eine Lilie dazu. Solche Sträuße wurden heute in den Gottesdiensten gesegnet.

Heute am Maria Himmelfahrtstag. Das Fest erinnert an den Tod und die Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel. 

Aber was sollen diese Blumen, die später getrocknet und zuhause aufbewahrt werden? Dieser Strauß am Marienfest erzählt davon, dass Maria nach alter Tradition selbst als Blume verehrt wurde. Ein Bild für ihre innere Schönheit, die sie trotz allem, was ihr als Frau zugemutet wurde, behielt.  

Die Geburt ihres Sohnes Jesus unter schwierigsten Umständen. Die Ratlosigkeit über dieses altkluge Kind, das so völlig aus dem Rahmen fiel. Mehr als nur einmal war sie wohl verwundert über Jesu Art, die Klischees seiner Zeit zu brechen. Schmerz hat sie gespürt, als er alle möglichen Leute wichtiger nahm als seine eigene Familie. Ihre Ohnmacht, zusehen zu müssen, als sich alles gegen den Sohn kehrt. Ihn machtlos verlieren zu müssen. Ohne ihm helfen zu können. 

Ihr Gottvertrauen stand dauernd auf dem Prüfstand. Und sie hielt stand. Maria, die Einzigartige, die Auserwählte, Mutter des Herrn, erste Christin, Urbild der Kirche. Die Glaubende schlechthin.  

Als man das Grab Marias noch einmal öffnete, so eine Legende, sei wohlriechender Kräuterduft aufgestiegen.

Eine andere weiß davon, dass das Grab voller Blumen gewesen sei. Aus der Legende entwickelte sich vielleicht der Brauch des Kräuterstraußes.  

Maria blieb nicht im Tod, eine Botschaft des Lebens für alle, daran wollte und will man erinnern. Auch ganz praktisch. Denn seit jeher werden die gesegneten Kräuter benutzt. Als Heilkräuter.

Als Geschenk und Gabe Gottes. Gott will das Heil des Menschen. Jetzt und vor allem endgültig. Über den Tod hinaus. Es gibt definitiv mehr, als ich jetzt erfahren kann.

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Ein Plakat: Die Erdkugel ist  hervorragend fotografiert. Man erkennt die Kontinente. Ein bunter Ball im Weltall. Darüber ein kurzer Satz. Prägnant und oft gehört: „Ausländer raus".  

Für die Erde sind wir alle Ausländer. Diese Provokation braucht man eigentlich nicht mehr zu kommentieren, das Plakat spricht für sich. 

Der Schrei der Erde: „Ausländer raus". Wahrscheinlich hat sie uns bald satt. Mit unserem kleinlichen nationalen Gehabe. Wir sind ein fremdenfreundliches Land, sagen die Politiker verschiedenster Couleur und meinen das je eigene.

Manchmal aus Überzeugung, manchmal je nach Auskunft der Marktforschung. Aber eine Prise Ausländerkritik ist doch höchst opportun, um Wahlen zu gewinnen. „Wehret den Anfängen" sagte mir eine Achtzigjährige immer wieder. Sie wusste genau warum. Mathilde Baez hieß sie und war nicht irgendjemand sondern die Schwester von Willi Graf. Er gehörte zur Weißen Rose, ist mit den Geschwistern Scholl von den Nazis hingerichtet worden. Vor genau 70 Jahren.  

Auf die Frage: Was würde Ihr Bruder heute tun, antwortet sie ohne viel nachzudenken. „Vor der Ausländerpanikmache warnen , sich gegen die Fremdenfeindlichkeit wehren." Ausländerunfreundlichkeit fängt nicht an mit den brutalen Schlägen deutscher Hooligans. Sie fängt an in den Köpfen und mit leichtfertigen Sprüchen. Mit dem Nicht-Einmischen Und mit dem Wegschauen. Mit der Feigheit. Als Christ habe ich Identität als Inhaber eines Passes und einer Geschichte.

Das ist unbestreitbar. Ich bin gerne Deutscher. Aber als Christ bin ich vor allem eines: Ein Geschöpf Gottes.  

Vor dem es nur ein einziges Volk gibt. Nämlich seines.

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Eine Geschichte, nicht erfunden: Ich hatte, sorry, mal wieder verschlafen.Kein Kaffee, schlecht rasiert renne ich zum Bahnhof. Gott sei Dank habe ich schon ein Ticket. Vielleicht schaffe ich es noch. Es ist kurz vor sieben Uhr morgens. In drei Minuten geht mein Zug. Rote Ampeln sehe ich nicht, das heißt ich übersehe sie. Zum Glück sind keine Kinder da. Ich hetze auf den Bahnsteig, sehe den Zug dastehen, höre den Pfiff des Zugleiters, missachte ihn und greife nach einer Tür. Sie geht nicht auf, der Zugchef schnauzt mich an: „Zurückbleiben". Ich bleibe zurück. Der Zug fährt an. Dann das Wunder. Der Lokführer hat mich gesehen, wahrscheinlich auch meine Wut und ich trau meinen Augen nicht: Er hält noch mal an.
Ich fahre oft mit dem Zug.  Aber das ist mir noch nicht passiert. Bevor ich mir die Augen reiben kann, bin ich eingestiegen, lasse mich in den Sitz eines Abteils fallen und japse wie ein schlechttrainierter Hund. Geschafft. Es gibt doch noch Menschen. Her mit dem Bundesverdienstkreuz für diesen Lokführer. Außer Puste aber hochzufrieden lehne ich mich zurück. Glück pur. Es dauert 4 Minuten.
Dann ein Blick aus dem Fenster. Erst zögernd, dann mit" bitte nicht", schließlich mit unübersehbarer Gewissheit. Der Zug fährt in die Gegenrichtung. Falscher Zug, netter Lokführer, katastrophales Ergebnis. Ich entreiße meinem Helden in Gedanken den Verdienstorden und brülle ihn an. Gott sei Dank hört er es nicht.
„Wärst du doch weiter gefahren. Warum musst du Trottel denn anhalten. Machst du doch sonst nicht."  

Dass ich der Trottel war hab ich mir erst später zugegeben. Jetzt brauchte ich erst einmal einen Sündenbock und nahm den unschuldigsten den ich hatte. Den, der nun wirklich mit bester Absicht gehandelt hatte. 

Später hat mich das mehr erschreckt als meine eigene Schusseligkeit. Fehler gibt man halt nicht gerne zu. Auch nicht sich selbst gegenüber. Wie war das noch mit dem Balken im eigenen Auge und den Splittern, die man bei anderen sucht?

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Wenn kaum noch was geht, eins funktioniert fast immer: Das Vater unser. Auch wenn man nur noch selten zur Kirche geht: gelernt ist gelernt, und das Langzeitgedächtnis bringt manchmal erstaunliche Resultate zustande. 

Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, bei solchen Anlässen findet man sich dann doch mal in einer Kirche wieder. Man ist eingeladen, man weiß gerade noch so, wie man sich verhält in der Kirche. 

Bei den Katholiken kniet man sich, wenn man die Kirche betritt, bei den Evangelischen geht es etwas salopper.  

Das ist aber dann fast schon alles. Den Kirchenliedern hört man zu, mitsingen wäre doch etwas überfordernd, außerdem .... eigentlich hat man damit ja gar nichts mehr am Hut.

Eigentlich. Man sitzt da und schaut sich das Ganze an. Es hat was Folkloristisches, wenn es gut gemacht ist, etwas Unterhaltsames und manchmal, ja manchmal sogar etwas Nachdenkliches. Wenn der Pfarrer seine Chance nutzt, normal spricht oder Texte auswählt, die nicht zu dick Christentum auftragen, das ist doch auch mal nicht schlecht.

 Gut gemacht halt, wie im Theater. Bis zur Stelle, an der das Vater unser kommt. Alle werden aufgefordert mitzubeten, und: man macht es. Fast ein bisschen wie automatisch, geht das alte Gebet über die Lippen. Als wäre ein Kontakt ausgelöst, ein Schalter gedrückt. Manche beten es wirklich laut, manche bewegen unmerklich die Lippen, andere sprechen es in Gedanken. 

Es ist noch da auf der Festplatte. Gespeichert. Bei solchen Gelegenheiten, meldet es sich wieder. 

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name.. 

Worte, die uns unsere Mütter und Väter lehrten, unsere Lehrer. 

Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern... 

Noch melden diese Worte sich aus der Erinnerung an die Kinderzeit,
in der es leichter fiel, zu glauben. Gut so. Kann so bleiben. Kann noch mehr werden.

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