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SWR4 Abendgedanken

Im Himmel: Wer gehört da zu wem? Diese Frage beschäftigt die zwölfjährige Paula. Vor vier Jahren ist ihre Mutter an Krebs gestorben. Im letzten Jahr hat ihr Vater eine Frau kennengelernt. Lange hat Paula ihren Vater traurig erlebt, aber jetzt lacht er wieder. Und er möchte heiraten. Paula und ihre Geschwister freuen sich für ihren Vater. Aber gleich­zeitig reagieren sie empfindlich. Sie begegnen der anderen Frau mit Vorbehalt. Soll sie ihre Mutter ersetzen? Ist ihre Mutter im Himmel traurig, wenn sie sieht, dass ihre Familie auch ohne sie wieder froh ist?
Und noch eine andere Frage beschäftigt Paula: „Was ist, wenn wir alle einmal gestorben sind? Wie wird es dann im Himmel sein? Wer ist im Himmel die Frau von unserem Papa? Unsere Mutter oder die neue Frau? Oder hat Papa dann zwei Frauen?"
Wer gehört wem im Himmel? Mit derselben Frage waren Menschen zu Jesus gekommen, so erzählt die Bibel. Sie konnten nicht an die Auferstehung der Toten glauben. Wer tot ist, ist tot, haben sie gesagt. Von Jesus wussten sie, dass er an ein Weiterleben nach dem Tod glaubte. „Jesus, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, wer gehört im Himmel dann zu wem?"
„Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden", hat Jesus geantwortet. Ich verstehe das so: Die Toten sind nicht ewig tot. Sie leben im Himmel weiter. Sie sind, wie Jesus sich ausdrückte: „den Engeln gleich." Engel sterben nicht, sie hungern und dürsten nicht. Engel kennen keinen Mangel. „So ist es auch mit den Toten", hat Jesus gesagt, „im Himmel gibt es eine neue Art zu leben. Da gibt es keinen Neid aufeinander, auch keine Eifersucht. Denn alle leben mit Gott. Darum wird auch niemand allein sein."
Ich finde die Antwort von Jesus tröstlich. Ob Paula diese Antwort kennt? Und mit ihr etwas anfangen kann? Ich wünsche es ihr und allen, die sich um ihre Verstorbenen sorgen.

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„Es wird immer schwieriger miteinander auszukommen. Kennen Sie nicht ein Rezept, nach dem man sich richten könnte?" hat mich jemand gefragt. Seine Ehe war anscheinend total zerrüttet.
Was sollte ich da antworten? Eine Zauberformel, die schlagartig Verhältnisse ändert - die habe ich auch nicht. Dabei wäre sie manchmal dringend nötig. Nicht nur für Eheleute. Manche haben sich so festgerannt, dass sie nicht mehr herausfinden aus den Vorwürfen und Verurteilungen.
Nein, eine Zauberformel habe ich nicht. Aber vielleicht geht es auch mit den folgenden vier Wörtern. Sie können wie ein Schlüssel sein. Sie heißen: „Es tut mir leid!"
Ich weiß, diese vier Worte auszusprechen ist nicht leicht. Manchmal braucht es einen langen Weg, ehe man das kann: Es tut mir leid. Ich möchte gerne, dass wir wieder besser miteinander leben und gut miteinander auskommen.
Es tut mir leid. Wer diese vier Wörter aus ehrlichem Herzen sprechen kann, der ist bereit , sich zu ändern. Und der andere sollte herauslesen: „Schau her, ich leide darunter, dass da etwas zwischen uns ist. Ich möchte die Kluft überbrücken. Ich bin bereit, die Schuld teilweise oder ganz auf mich zu nehmen. Ich hoffe, dass du diese Geste nicht zurückweist."
Und der andere? Kann man jemandem so einfach vergeben? Ich denke, auch da braucht es manchmal einen langen Weg. Ihn zu gehen, dazu hat Jesus die Menschen ermuntert. Auf die Frage „Wie oft muss ich einem Menschen vergeben?" hat er geantwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal." Und er hat an Gott erinnert, der immer bereit ist, einem Menschen zu vergeben, der ihn darum bittet.
„Darum", hat Jesus gesagt, „gib deinem Herzen einen Ruck und schlag ein in die ausgestreckte Hand. Fangt miteinander neu an."
So aufeinander zugehen zu können, das wünsche ich nicht nur Eheleuten, die es schwer miteinander haben. Ich wünsche es uns allen.

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„Gott braucht dich nicht." So heißt der Titel eines Buches, das mich beeindruckt hat. Auf den ersten Blick dachte ich, hier soll dem Leser der Glaube an Gott ausgeredet werden. Aber weit gefehlt.
Die junge Autorin nimmt die Leser hinein in ihre persönliche Lebensgeschichte. Und die ist geprägt von Schicksalsschlägen. Als junges Mädchen hat sie erleben müssen, wie ihr Vater an Krebs stirbt, obwohl sie und ihre beiden Geschwister immer abends auf dem Dachboden des Elternhauses zusammenkommen, um für den Vater zu beten. „Vielleicht ist Gott ein Sadist", schreibt sie in ihrem Buch, „ein großes Kind, das schlecht erzogen wurde und sich nicht kümmert. Wenn Gott, wie die Christen behaupten, Liebe ist, dann versteh ich diese Liebe nicht." Sie entschließt sich, nicht mehr mit Gott zu reden. „Ich glaube, dass es ihn gibt", schreibt sie, „aber ich sprech' nicht mit ihm."
Vier Jahre später sitzt sie am Krankenbett ihrer Oma, wie jeden Abend. Sie streckt ihre Hand durch das kleine Gitter, das die Familie abends hochzieht, damit die Oma nicht aus dem Bett fällt. Wie jeden Abend singt sie der Oma das Lied vor „Weißt du wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt." Dieses Mal aber ist es anders. Als sie zu der Stelle kommt, wo es heißt "...kennt auch dich und hat dich lieb..." wird ihr plötzlich ganz heiß. Sie begreift: Ja, das ist wahr. Das gilt auch für mich. Ihr verlorengegangener Glaube kehrt zu ihr zurück. Seitdem erfährt sie in ihrem Leben, wie der Glaube Kraft und Hoffnung gibt, auch als der nächste Schicksalsschlag kommt: der Tod ihres geliebten Bruders.
Mich hat die junge Frau beeindruckt. Offen und ehrlich erzählt sie davon, wie schwer es ist an Gott zu glauben, weil er zulässt, dass Menschen leiden. Aber sie hat auch erfahren, dass es im Leben nichts Größeres gibt als Gott, der uns Menschen kennt und liebt. Er hilft ihr auszuhalten, dass es auf die ganz großen Fragen des Lebens nicht immer eine Antwort gibt.
Das finde ich eine ermutigende Erfahrung. Die wünsche ich allen, die sich mit dem Glauben an Gott schwer tun.

Buch: „Gott braucht dich nicht - Eine Bekehrung", Esther Maria Magnis, Rowohlt Verlag
ISBN 978 3 498 06406 8

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Niemand redet gern von seinen Niederlagen, besonders wir Männer nicht, sagt man. Wir leben in einer erfolgsorientierten Gesellschaft. Wir spornen uns gegenseitig zu Leistungen an. Bereits den Kindern vermitteln wir diesen Lebensstil. Besonders den Jungs. Aber dann kommt im Leben eine Niederlage. Und jetzt?
Jetzt gilt oft der Satz aus dem Sport: „Als der Zweite ins Ziel kam und enttäuscht zusammenbrach, standen die Trainer ratlos da. Sie hatten alles trainiert, nur nicht die Niederlage." Genau diese Art Training fiel aus. Wozu auch, wenn man immer nur den Erfolg im Blick hat?
Wie schafft man es, mit Niederlagen gut umzugehen, so dass sie nicht umschlagen in Enttäuschung: „Ich bin ein Versager!"?
Mit Niederlagen umgehen müssen auch die Menschen in der Bibel. Petrus zum Beispiel. Er war einer der Jünger von Jesus. Selbstbewusst hatte er getönt: „Was auch immer mit Jesus geschieht, ich weiche nicht von seiner Seite! Auf mich kann er sich hundertprozentig verlassen!" Als Jesus später dann gefangen genommen wurde, hat Petrus auf die Frage der Gegner „Gehörst du nicht auch zu den Freunden von Jesus?", geantwortet: „Nein, ich kenne diesen Jesus nicht!" Als es darauf angekommen wäre, hat Petrus versagt. Was für eine peinliche Niederlage!
Aber ausgerechnet ihm hat Jesus später die Aufgabe übertragen, die Gruppe der Jünger zu führen. Vielleicht, weil Jesus wusste: wer Niederlagen erlebt und sie bewältigt, der verändert sich. Er lernt dazu. Er lernt zum Beispiel, wie verwundbar der Mensch ist. Und das kann helfen, mit den Fehlern und Versäumnissen anderer nachsichtiger umzugehen.
Ich finde deshalb, wir sollten viel öfter über Niederlagen reden und was wir daraus gelernt haben. Besonders wir Männer. Leicht ist das nicht. Aber lohnend.

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„Gesundheit ist doch das Wichtigste!" Dieser Satz begegnet mir immer wieder. Auch neulich beim Besuch bei einem 70 Jährigen. Die Stube war voller Gratulanten. Reihum überbrachten sie dem Jubilar ihre guten Wünsche. Er bedankte sich und sprach diesen Satz: „Gesundheit ist doch das Wichtigste!"
Ich verstehe das. Den Wert der Gesundheit kann man nicht hoch genug einschätzen. Heutzutage, wo alles darauf ankommt, fit zu sein und mithalten zu können. Da mag es sich natürlich niemand vorstellen, krank und unbrauchbar zu werden. Mithalten beim Konkurrenzkampf der Leistungsfähigen und bloß keinem zur Last fallen: Das geht ja nur, wenn einer gesund ist.
Aber wenn man alles, was wir einander wünschen, zusammenfasst in diesem Satz: „Gesundheit ist das Wichtigste" - da fehlt mir irgendwo etwas.
Denn was ist mit Kranken, für die solch ein Wunsch wie ein Schlag ins Gesicht sein muss? Bei meinem Besuch saß unter den Geburtstagsgratulanten einer, der seit Jahren krank war. Wie klang dieser Satz „Gesundheit ist das Wichtigste!" in seinen Ohren? War das Wichtigste damit aus seinem Leben verschwunden? Waren er und sein Leben also weniger wert?
Ich kannte diesen Kranken schon länger und wusste: Er hadert nicht mit seinem Schicksal. Irgendwie hat er daraus gelernt. „Man weiß mehr über sich", hatte er mir einmal erzählt, „und lernt über den Menschen dazu. Über mich habe ich gelernt, wie mich Kleinigkeiten freuen können: der Anruf des Freundes oder der Blick aus dem Fenster auf meinen kleinen Garten."
Jemand anders hat einmal gesagt: Krankheiten sind Schlüssel, die uns gewisse Tore öffnen können, Tore zu bestimmten Wahrheiten. Zum Beispiel wie kostbar der Augenblick ist. Und wie wertvoll Freundschaften sind. Und auch wie der Glaube an Gott Kraft geben kann zu tragen, was man nicht ändern kann.
Genau das scheint mir das Wichtigste zu sein: dass der Mensch weiß: Mein Leben, wie immer es im Augenblick aussieht, ist in Gottes Händen gut aufgehoben.

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