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SWR4 Abendgedanken

Wenn ich abends nach Hause komme, müde und ausgelaugt, dann setze ich mich manchmal noch gerne in meine ruhige Ecke: Meine Gebetsecke. Da steht eine Osterkerze, ein Kalender mit Sprüchen und seit neuestem ein schöner großer Engel aus Bronze. Den haben mein Mann und ich zu unserer Hochzeit geschenkt bekommen. Er soll uns immer an diese Hoch-zeit in unserem Leben erinnern und uns begleiten.

Wenn ich den Engel in die Hand nehme, dann fühlt er sich richtig schwer an. Mit einer Hand schaffe ich das nicht. Da brauche ich schon beide Hände dazu. Er fühlt sich gut an, wenn auch etwas kalt. Je länger ich ihn in Händen halte, desto wärmer wird er.

Er schimmert mich golden an, wenn der Schein der Kerze auf ihn fällt.

Der Kopf des Engels ist sanft auf die Seite gebeugt. So als würde er zuhören: Was willst du mir erzählen?

Sein Blick ist nach unten gesenkt. Es scheint, dass er die Augen geschlossen hält.

Die Flügel halten ihn sanft, geborgen, er hüllt sich in seine Flügel ein, wie in eine Hand, die ihn umschließt oder ein Mantel, der ihn wärmt. Ein Flügel streckt sich Richtung Himmel. Er weist meinen Blick nach oben. An seinem Herzen fehlt ein kleines Stückchen. Mein Daumen passt genau in dieses kleine Herz-stück.

Hier kann ich meinen Finger ruhen lassen. Vielleicht will mir der Engel etwas sagen.

Für mich hat dieser geschenkte Engel eine gute Botschaft:

"Streckt euch aus nach oben und bleibt doch fest auf dem Boden.

Seid eingehüllt in eurer Liebe. Schenkt einander Geborgenheit im guten Wort und im Einander Zuhören. Gott ist mit euch auf eurem Weg." 

Auf der Rückseite des Engels habe ich eine Zahl entdeckt. Wahrscheinlich war es der Tag, an dem dieser Engel von dem Künstler gefertigt wurde. Es ist zufällig auch der Zeitpunkt, an dem mein Mann und ich uns einander begegnet sind.

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Das Neue Jahr ist noch ganz frisch. Manche spüren dies auch wortwörtlich, weil es draußen kalt ist und ich mich leicht erkälten kann.  

Hildegard von Bingen, die Kirchenlehrerin aus dem 12. Jahrhundert weiß da Bescheid. Die Benediktinerin hat zwar nie selbst ein Kochbuch geschrieben, doch stehen in ihren Bücher viele Rezepte und Ernährungstipps.

Wer erkältet ist oder an einem grippalen Infekt leidet, also wer Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Fieber, Husten oder Schnupfen hat, - der solle neben dem Arztbesuch vor allem viel Fencheltee trinken, empfiehlt Hildegard.

Als Äbtissin wusste sie, dass der Ausgleich von „Ora" und „Labora", „Arbeit" und „Gebet" oder mit anderen Worten „Arbeit" und „Muße" wichtig ist. Wenn das innere Gleichgewicht gestört ist, hilft die Natur weiter, so Hildegard. So soll man am ersten Tag der Erkältungskrankheit keine feste Nahrung zu sich nehmen und am besten den ganzen Tag im Bett bleiben. Am zweiten Tag rät sie zu einer Dinkelgrießsuppe mit Petersilie, mittags Dinkelnudeln und abends Dinkelzwieback mit gekochten Apfelstücken. Mmh, das klingt lecker.

Am dritten Krankheitstag verschreibt Hildegard eine gute Hühnerbrühe als Krankenkost. Bei Schnupfen empfiehlt sie sogar, Weihrauch zu inhalieren. Zwei bis drei Körner weißer Weihrauch werden auf einer heißen Ofenplatte verräuchert. Die entstehenden Dämpfe soll der Kranke dann vorsichtig durch die Nase einatmen.

Und wer richtig erkältet ist, der soll sich einen richtigen Erkältungstee zubereiten. Sechs Teelöffel Fenchelsamen und drei Teelöffel Brunnenkresse miteinander mischen. Die Kräuter in ein viertel Liter kaltes Wasser geben und sechs Stunden ziehen lassen. Dann den Tee leicht erwärmt über den Tag verteilt trinken.

Schön, wie sich eine geistliche Frau im Mittelalter bis heute um unser körperlich gesundheitliches Wohl kümmert.

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Montagabend um acht habe ich Chor. Und für mich ist das eine wunderbare Zeit - eine Auszeit. Ich freue mich immer schon so darauf, nicht nur, weil ich gerne singe. Mir tut Singen gut. Aber es ist noch mehr: Es ist die Gemeinschaft mit den Menschen, die mit mir gemeinsam singen. Es klingt einfach schön, wenn viele zusammen singen. Es fühlt sich gut an, meine Seele kann dabei rasten und zur Ruhe kommen. Ich kann wunderbar entspannen, wenn ich anderen beim Singen zuhöre. Musik ist für mich heilsam, sie beruhigt mich, sie ordnet meine Gedanken, sie versöhnt mich mit dem Tag, der nun hinter mir liegt. Musik versöhnt mich mit dem, was mich innerlich aufwühlt oder sogar belastet. Dafür bin ich jedes Mal dankbar.   
Musik ist eine Sprache, die mehr kann, als nur Worte alleine. Musik, die mir gefällt, bringt mich in Stimmung, in gute Stimmung. Musik verrät auch viel von meiner eigenen Stimmung und  Stimmungslage. Manchmal kann ich gar nicht singen, weil vieles in mir unstimmig ist.
Wie schön ist es dann, wenn ich wieder den richtigen Ton treffe und mich mit meiner Stimme in den Chor einbringe.
Was auch wichtig ist beim Singen, aufeinander hören und einander zuhören. Erst so finde ich meine eigene Stimme und halte mich manchmal auch an den Stimmen anderer fest, wenn ich selbst unsicher bin. Dieses Jahr singen wir das Oratorium "Paulus" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein geistliches Werk und ein wunderschönes Stück, das von dem Apostel Paulus erzählt, der sich als Mensch wandelt, ja verwandelt durch die Liebe Gottes und von da an jedem von Gott erzählt. Für mich ist es eine Musik, die mich nach oben hebt und mir ein Stückchen den Himmel öffnet. Für mich ist das Musik, die tröstet und mir gut tut. Das Schlussstück aus dem Programm mag ich am liebsten, denn da heißt es: „Seht welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, dass wir sollen Gottes Kinder heißen. Lobe den Herrn meine Seele und alles, was in mir ist. Seinen heiligen Namen, lobe den Herrn."

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Heute schreibe ich dir, Neues Jahr, ganz persönlich. Denn ich will bewusst mit dir anfangen. Und dieses Mal meine ich es ernst.
Ich wünsche mir so viel von dir und weiß doch, dass ich nicht zu viel erwarten soll. Aber ein paar Wünsche an dich habe ich schon.
Gutes Neues Jahr - ich wünsche mir, einen guten neuen Anfang mit dir. Ich möchte gerne bei allem, was ich anfange - gut anfangen. Für mich heißt das, gelassen und geduldig etwas beginnen. Egal, was ich anpacke. Ich möchte, dass es gelingt.
Ich wünsche mir in diesem neuen Jahr - viele neue Anfänge. Es sollen gute Anfänge sein. Anfänge, an denen ich erkenne, dass sie mich begeistern. Anfänge, bei denen ich spüre, ich bin nicht allein, andere gehen mit. Gute Neuanfänge versprechen doch etwas Gutes.
Ich wünsche mir Anfänge mir guter Gesundheit für alle, die mir lieb sind. Ich wünsche mir Anfänge mit guten Worten, die Frieden und Versöhnung bringen allen, die miteinander im Streit liegen. Ich wünsche mir Neu-Anfänge für die, die vor einem Scherbenhaufen sitzen. Vielleicht ist das alles ein bisschen viel verlangt. Aber hoffen, dass meine Wünsche wahr werden, das tue ich es schon. Ach liebes Neues Jahr, ich merke, dass ich viele Wünsche habe.
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: Er wünscht sich, dass er immer mehr Wünsche habe, als Erinnerungen. Das wünsche ich mir auch. Mehr Wünsche als Erinnerungen. Diese Worte wollen mir sagen, dass ich mich nach vorne ausstrecke, nach dem, was vor mir liegt. Dass ich mich offen halte für Neuanfänge, dass ich mich öffne für neue Wege, neue Gedanken und neue Menschen. Das heißt nicht, Altes abbrechen oder einfach so aufgeben. Außer, wenn es dringend nötig ist. Schön, wenn es gelingt, Vergangenes weiterzutragen und Neues zuzulassen. Es heißt vielleicht auch, dass ich nicht stecken bleibe, in dem, was war. Dass ich nicht dem nachtrauere, was an Schönem nun vorbei und verloren ist. Das heißt auch, dass ich mich nicht mitreißen lasse von meiner Trauer, sondern mich freue, auf das, was kommt.
Ich will Ausschau halten, nach dem, was neu in mir wachsen will. Dazu brauche ich Wünsche, Hoffnungen und Visionen. Und einen starken Glauben.
Ich wünsche mir eine große Portion Zuversicht und Gottvertrauen für dich und mich, und Mut für das, was kommen wird.

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Sie haben sich schon so darauf gefreut. Auf die Geburt ihres Kindes.
Die ganze Familie hat sich vorbereitet. Der Onkel freut sich, dass er Onkel wird. Die Oma, dass sie nun endlich Oma wird.
Das Zimmer ist schön hergerichtet. Die Baby-Ausstattung ist vollständig. Alle Nachbarn wissen Bescheid. Es steht ein großes Ereignis bevor. Die Eltern sind überglücklich. 
Und dann, sechs Wochen vor der Geburt, erfährt die Mutter das Unsagbare: Ihr Kind ist unheilbar krank. Es wird nicht lange am Leben sein, wohl nur ein paar Tage nach der Geburt. Ein Schmerz zieht durch ihr Herz. Mein Kind soll leben, um bald zu sterben? Keiner weiß eine Antwort.
Das Leid, die Tränen, alle trauern gemeinsam und rücken so enger zusammen. Und dann entsteht ein leises „Trotzdem". Hoffnung und Zuversicht breiten sich aus. Und der gemeinsame Wunsch: Wir wollen diesem, unserem Kind eine würdevolle Ankunft und einen würdevollen Abschied bereiten. Auch wenn es schwer fällt. Die Taufe wird vorbereitet und die Beerdigung geplant.
Und dann ist er da, der Kleine. Die Freude ist groß - bei allen. Ja, fast überschwänglich wird das Kind von allen geherzt und geliebt. So, als müsste diese Liebe es tragen können bis in den Himmel. Jeder will  es in den Arm nehmen und fest umarmen. So fest wie es geht. So fest, um ihm zu zeigen: Wir lieben dich. Wir sind bei dir. 
Für den nächsten Tag ist die Taufe angesetzt. Der Onkel des kleinen Jungen ist Priester. Ein schöner Zufall. Er stammelt und sucht nach tröstenden Worten: „Uns ist ein Kind geboren." Wir freuen uns alle miteinander, auch wenn wir wissen, dass wir es bald wieder loslassen müssen. Gott hat uns versprochen - so wie es uns der Prophet Josua (1,5) sagt: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." Er ist gut aufgehoben bei Gott. Und dann fragt der Priester die Eltern nach dem Namen des Kindes. "Wir wollen ihn taufen auf den Namen: Joachim. Denn das bedeutet übersetzt: Gott richtet auf."  

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