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SWR4 Abendgedanken

Manchmal ist es gut, über die Dörfer zu gehen, nicht den direkten Weg zu nehmen, bewusst Umwege zu laufen. Denn so kann man Neuem und Unbekanntem begegnen. „Über die Dörfer" so heißt auch ein Text von Peter Handke, der für den heutigen Tag in meinem Adventskalender* steht. Mein Adventskalender endet nämlich nicht an Weihnachten, sondern erst am Dreikönigstag, also am kommenden Sonntag. In seinem Text macht Handke konkrete Vorschläge, was das heißen kann „über die Dörfer zu gehen". Da steht zum Beispiel:  „Bück Dich nach Nebensachen", „sei absichtslos" oder „entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig." Für mich sind das Vorsätze für's neue Jahr. Normalerweise mache ich das nicht, mir irgendetwas vornehmen, was ich im neuen Jahr besser machen möchte. Einfach weil ich mir keinen Stress machen will. Aber diese Sätze von Handke sind mir als Vorsätze für 2013 sehr sympathisch. Sie laden mich ein, mit Gelassenheit den Dingen zu begegnen, die mir das Leben bietet. Sie sagen mir: Ich darf mich ruhig mal verlaufen, nicht nur beim Wandern sondern auch in meinen Gedanken. Mehr noch: Es ist gut, wenn nicht alles, was ich tue, Ziel gerichtet ist. Das Leben ist mehr als das Abhaken vorher geplanter Termine. Ganz besonders gut gefällt mir der Vorsatz: „Hab Zeit und nimm Umwege. Lass Dich ablenken." Dazu fällt mir vieles ein: Mich ablenken lassen von einem alten Bekannten, der mir zufällig über den Weg läuft, von einem unangemeldeten Gast, von spielenden Kindern, von einem Lied im Radio, vom Sonnenuntergang und auch vom Sternenhimmel. Von allem was mir scheinbar zufällig begegnet. Es ist eine bunte und vielfältige Welt, die Gott für uns Menschen bereithält. Um sie wahrzunehmen und zu genießen muss ich mich ablenken lassen, muss über die Dörfer gehen. 

 * Der andere Advent 2012/13. Verlag: Andere Zeiten e.V. Hamburg.

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 „Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand, wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr, Caspar, Melchior und Balthasar." Mit diesem Lied auf den Lippen, sind sie in diesen Tagen wieder unterwegs: die Sternsinger. Kinder ziehen verkleidet als die Heiligen Dreikönige von Haus zu Haus, singen Lieder und sagen Segenssprüche auf: „Der Herr segne dieses Haus und alle die da gehen ein und aus."  Dafür gibt's dann in der Regel etwas Süßes und auch Geld für in die Spendendose. Rund eine halbe Million Kinder und Jugendliche beteiligen sich an dieser Aktion in Deutschland. Im letzten Jahr sind so über 40 Millionen Euro zusammengekommen. Das ist dann für Kinder, denen es nicht so gut geht, weltweit.

In mehrfacher Hinsicht eine gute Aktion: Zum einen wird an eine alte Geschichte der Bibel erinnert. Menschen, Sterndeuter werden sie in der Bibel genannt, verlassen ihre Heimat, weil sie einem Stern folgen. Es ist eine Pilgergeschichte, eine mit Happy End, denn sie finden was sie suchen. Sie finden den neu geborenen König in einem Stall. Und das verändert ihr Leben.

Zum andern kommt bei dieser Aktion ein ganz schöner Betrag zusammen für die Kinder, die überall auf der Welt in Ställen oder Wellblechhütten oder gar auf der Straße leben müssen. Denn auch sie sind es wert, dass man ihnen Geschenke bringt, so wie die Sterndeuter dem Jesusknaben.

Und was das schöne ist, unsere Kinder, die da von Haus zu Haus ziehen, lernen: Gutes tun kann auch richtig Spaß machen. Denn wenn es auch für die kleinen Sternsinger oft anstrengend ist und sie je nach Witterungslage auch mal ganz schön frieren, in der Regel macht es ihnen Spaß von Haus zu Haus zu ziehen. Noch mehr Spaß haben die Kinder natürlich, wenn sie in den Häusern auch freudig empfangen werden. Also, wenn in den nächsten Tagen die Sternsinger bei ihnen klingeln, sind Sie freundlich zu ihnen, denn es sind kleine Könige und sie werden geführt von Gottes Hand.

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„Ora et labora" - bete und arbeite. Nach dieser Regel leben Nonnen und Mönche auf der ganzen Welt seit Jahrtausenden. Die Regel „ora et labora" geht zurück auf den Heiligen Benedikt von Nursia, er lebte im fünften und sechsten Jahrhundert. Aber natürlich hat es schon vor dem Heiligen Benedikt Klöster gegeben. Und auch die Anweisung „bete und arbeite" kannte man schon vor ihm. Bereits Basilius der Große, ein Mann aus dem 4. Jahrhundert dessen Gedenktag wir heute begehen, hat sie propagiert. Er lebte in Kappadozien in der heutigen Türkei, war Mönch, Bischof und ein großer Theologe. Aber egal wer als erster diese Regel aufgestellt hat, sie ist von großer Wichtigkeit für das Leben im Kloster. Sie strukturiert den Tag und hütet vor Einseitigkeiten. Zum einen vor der Einseitigkeit nur zu beten und damit vor lauter reden mit Gott das normale Leben zu vergessen. Und zum andern vor der Einseitigkeit nur zu arbeiten und darüber Gott aus dem Auge zu verlieren.

Ein gesunder Wechsel zwischen Arbeit und Gebet ist aber nicht nur für Klosterleute eine gute Sache. Auch für Menschen, die zunächst einmal von sich behaupten, mit Gott nicht viel am Hut zu haben, kann „ora et labora" hilfreich sein. Denn es tut jedem Menschen gut, das tägliche Arbeiten, regelmäßig zu unterbrechen. Und in dieser Unterbrechung sich Zeit zu nehmen, auf sich selbst und die Welt zu schauen. Gütig oder auch kritisch sein eigenes Leben in den  Blick zu nehmen. Je nach dem kann man dabei klagen aber auch loben. Man kann fragen und schimpfen, fluchen und sich freuen. All das kann Gebet sein. Ist es auch bei vielen Menschen. Denn viele wenden sich in ihrem inneren Dialog an ein unbekanntes Es. Hoffen, dass da einer zuhört, von dem man leider nicht genau weiß, ob es ihn gibt. Gerade die Abendstunden sind eine gute Zeit für eine solche Unterbrechung; eine gute Zeit, sich selbst, sein Leben, die Welt und  den heutigen Tag in den Blick zu nehmen.

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