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SWR4 Abendgedanken

Was kann man den Kindern mitgeben für Ihre Zukunft? Die Zeit vergeht. Das Leben verändert sich. Wie kann man die Kinder stark machen für das Leben, das kommt? Gute Bildung und sorgfältige Erziehung, sicher. Das ist wichtig. Aber wie kann ich wissen, was genau sie brauchen für ihr Leben in 20 Jahren, in 30 oder in 50 Jahren?
Vor ein paar Tagen habe ich den Bericht  einer jungen Frau über ihren jüdischen Großvater gelesen. Wie der sie stark gemacht hat für die Zukunft.
Einmal in der Woche hat sie den Großvater besucht, erzählt sie. Dann gab es süßen Tee. Und danach, schreibt sie weiter, „kam das Beste: Ich musste mich vor ihn hinstellen. Dann legte er mir die Hände auf den Scheitel". Und „Dann begann er stets, Gott dafür zu danken, dass es mich gab und dass Er ihn zum Großvater gemacht hatte. Er sprach dann immer irgendwelche Dinge an, mit denen ich mich im Verlauf der Woche herumgeschlagen hatte. Wenn ich während der Woche irgendwas angestellt hatte, dann lobte er meine Ehrlichkeit, darüber die Wahrheit gesagt zu haben. Wenn mir etwas misslungen war, dann brachte er seine Anerkennung dafür zum Ausdruck, wie sehr ich mich bemüht hatte. Wenn ich auch nur kurze Zeit ohne das Licht meiner Nachttischlampe geschlafen hatte, dann pries er meine Tapferkeit, im Dunkeln zu schlafen. Und dann, schreibt die junge Frau, dann gab er mir seinen Segen."
Und das hat bei ihr nachgewirkt, lange sogar. Die Frau schreibt: „In dieser kurzen Zeit beim Großvater fühlte ich mich ganz sicher und zufrieden." Er starb schon früh, der Großvater: „Aber mit der Zeit" schreibt sie, „begann ich zu begreifen, dass ich auf irgendeine geheimnisvolle Weise gelernt hatte, mich durch seine Augen zu sehen. Und dass einmal gesegnet worden zu sein heißt, für immer gesegnet zu sein."
Ein Großvater zeigt seiner Enkelin, wie lieb er sie hat. Wie wichtig sie ist. Und er bittet Gott, sie zu schützen. Das können nicht nur Großväter tun. Das können auch Großmütter, Eltern und Tanten und Onkel. Und ich glaube, sie sollten das auch tun. Denn das ist eine Ausrüstung fürs Leben. Die trägt und macht stark, auch wenn alles anders wird. Denn so eine Ausrüstung für ein Kind: das ist ein Segen.

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Wenn ich viel zu tun habe, schreibe ich To-Do-Listen: Ich schreibe alles auf, was ich machen muss, damit ich nichts vergesse. Und immer wenn ich mit einer Aufgabe fertig bin, streiche ich auf der To-Do-Liste die Position durch. Dann bin ich zufrieden, wenn die Arbeit weniger wird auf der Liste. Und manchmal macht es mich ganz verzagt, wenn ich oben eine Aufgabe ausstreiche und unten gleich wieder zwei oder drei dazu kommen. Aber wie auch immer: Die To-Do-Liste hilft mir, mit meinem Alltag zurechtzukommen.
Jetzt zwischen den Jahren habe ich keinen Stress. Im Gegenteil, ich habe frei. Ich habe Zeit. Die Kinder sind schon wieder abgereist, ich habe nichts vor. Da brauche ich keine To-Do-Liste. Aber Papier und Bleistift habe ich trotzdem schon zurechtgelegt: Ich will nämlich in diesen Tagen eine ganz andere Liste schreiben. Eine besondere Liste. In den nächsten Tagen will ich auflisten, was gewesen ist. Was ich geschafft habe im vergangenen Jahr. Was gelungen ist. Was schön war. Der Spaziergang mit einem alten Bekannten in der Sonne bei Bebenhausen kommt drauf. Der Urlaub in der Toscana. Das Wochenende in Zürich. Die h-moll Messe mit der Tochter. Dass mein Sohn gesund heim gekommen ist von seiner großen Reise. Die Arbeit mit den jungen Leuten, die mir viel Spaß macht.
So eine Liste habe ich mir vorgenommen, weil ich merke, dass ich so leicht zu klagen anfange. Dass ich leichter unzufrieden bin als früher. Vielleicht weil ich älter werde. Ich glaube, da kann so eine Liste einen umstimmen und erinnern: Es gab doch so vieles, was schön war. So vieles, worüber du dich gefreut hast.
Neulich hat mir jemand erzählt, dass er so eine Liste das ganze Jahr über anlegt. Da habe ich gedacht: Das könnte ich auch mal machen, wenn ich Zeit habe. Und jetzt, zwischen den Jahren, da habe ich Zeit.
Die Menschen, deren Gebete in den Psalmen der Bibel aufbewahrt sind, die wussten das wohl auch schon. Da hat zum Beispiel mal einer gesagt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!" Der hat anscheinend gewusst, dass man sich manchmal selbst dazu ermuntern muss, an das Gute zu denken. Eine Liste der Dankbarkeiten kann dabei helfen. Wenn Sie es versuchen: Hoffentlich wird Ihre ordentlich lang.

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