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SWR4 Abendgedanken

"Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden deine Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter."

 Das ist ein starkes Programm. Wenn das nur so einfach wäre! Ich verstehe diesen Spruch so: Kümmere dich um dein Inneres, dein Herz, denn damit kannst du andere Menschen glücklich machen. "Herzensbildung" - das ist für mich der Schlüsselbegriff in diesem Text. Wie ich von anderen Menschen denke, formt und prägt mich und meinen Charakter. Denke ich nur Schlechtes von anderen, misstraue ich bald jedem Menschen um mich herum. Traue ich dem anderen aber Gutes zu, dann zeigt sich dieser Mensch auch von seiner guten Seite. Genauso sieht es auch bei mir aus: Dann traue ich mir mehr zu, spüre ich mehr Gelassenheit in mir und strahle eine innere Ruhe aus. Und irgendwann zeigt sich das auch in meinem Verhalten gegenüber anderen Menschen: Wie ich mit anderen Menschen rede, wie ich mich mit ihnen mitfreue, wie ich mich ihnen zuwende. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Familiengeschichten prägen. Gedanken, Worte und Haltungen prägen Menschen. Und dann ist da die Liebe. Sie zeigt mir, was richtig und was falsch ist. Sie lässt mich spüren, wenn etwas gelungen ist oder noch Zeit braucht. Wer liebt, sprich, wer gut von anderen denkt, wer sich engagiert und für andere einsetzt ohne Bedingungen, der hat den richtigen Kompass für sein Leben gefunden. Schon bei der Erziehung von Kindern gilt, wie wichtig die Vorbildwirkung ist. Kinder ahmen Eltern nach, Partner formen sich gegenseitig, Menschen reagieren auf Menschen. Was ich von anderen erwarte, das kann ich vorzeigen und vorleben. Was dabei wichtig ist: Dem anderen stets einen Vertrauens-vorschuss schenken!  Das klingt nach einem anspruchsvollen Programm. Für mich heißt das, einander Vorbilder der Liebe zu sein in der Familie, unter Kollegen, in Lebensgemeinschaften, in der Nachbarschaft oder unter Freunden. Jeder Tag bietet mir eine neue Chance dazu. Und ich stelle fest: Ein guter Charakter ist nicht das Ergebnis guter Gene, sondern einer guten Lebensweise.

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"Seid glücklich in eurer Ehe, ganz glücklich. Beginnt jeden Tag mit diesen Gedanken: Wir werden uns gern haben, so wie wir sind, mit unseren Fehlern und Schwächen. Wir wollen versuchen mit Humor Dornen in Rosen zu verwandeln. Wir schenken uns jeden Tag mit kleinen alltäglichen Dingen ein Stückchen Himmel auf Erden."
Dieser Text von dem Schriftsteller Phil Bosmans ist für mich wie ein Leitfaden für eine gute Ehe, denn mein Freund und ich haben geheiratet. Diesen Text hat mein Bruder und Trauzeuge während unserer Trauung vorgelesen.
Für mich formuliert er genau das, was wir uns während der kirchlichen Hochzeitsfeier versprochen haben. "Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens, in guten und schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit."
Für mich bedeutet das: Wer liebt, nimmt den anderen so an, wie ihn Gott gemeint hat. Wir schenken einander die Freiheit, die der andere zum Atmen braucht. Wer zu einem Menschen Ja sagt, freut sich an seinen Stärken und achtet seine Schwächen. Ich glaube, dass Liebe Dornen in Rosen verwandeln kann. Liebe macht es möglich, füreinander jeden Tag ein Stück Himmel auf die Erde zu holen. In kleinen alltäglichen Dingen zeigt sich oft, wie gerne wir einander haben. Wir haben am Tag unserer Hochzeit laut und deutlich Ja zueinander gesagt. Und uns dabei tief in die Augen geschaut. Und das war schön. Es war ein Ja, ohne Wenn und Aber. Wir wollen miteinander durch Dick und Dünn gehen. Alle, die dabei waren, haben es gehört. "Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen", während der Pfarrer uns das zugesprochen hat, hat er mit der Stola einen festen Knoten um unsere Hände gemacht. Dieser Knoten ist Symbol für den Bund, den Gott mit uns an diesem Tag geschlossen hat. Es war schön zu spüren, dass wir vor Gott zu einem  unzertrennlichen Band geworden sind. Diese große Freude haben wir auch bei unseren Gästen gespürt. Wir haben uns umarmt, herzlich gedrückt und gemeinsam geweint. Es gab liebevolle Überraschungen, schöne Worte und freudige Blicke. Ich wünsche mir, dass dieses gemeinsame Ja auch andere ansteckt und vielen Menschen Mut macht, aufzubrechen, sich zu entscheiden und gemeinsame Wege einzuschlagen. Und wer es nicht schafft, einen gemeinsamen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, dem wünsche ich, dass er einen neuen Weg beginnen kann. Es ist schön, gemeinsam los zu starten. Denn ich weiß, es gehen so viele Menschen diesen Weg mit und begleiten uns an allen Tagen unseres Lebens. 

Text von Phil Bosmans: Wie die Ehe glücklich wird. In: Georg Schwikart (Hg.): Weil du mir wertvoll bist. Texte und Geschichten zur Vorbereitung der Hochzeit. Herder Verlag, S. 135f.

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"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." 
Für mich ist das eine Lebensweisheit, die mir in meinem Leben immer wieder Mut macht. Vor allem dann, wenn ich innerlich vor einem Scherbenhaufen stehe. Meist hagelt es dann Vorwürfe gegen mich selbst: "Hätte ich doch. Warum habe ich nicht. Es wäre doch anders viel besser gewesen." Ein Karussell in meinem Kopf, das ich nicht stoppen kann. Kein Wunder, dass ich dann nicht mehr auf die schönen Dinge schaue, die mir geschenkt wurden. Vieles scheint misslungen und steht im Schatten des Schönen. Eigentlich wäre es leicht zu sagen, so wie es war, war es gut und richtig. Aus einer jammernden Haltung herauszukommen, ist für mich nicht immer einfach.
"Lass es gut sein", sagen die, die es gut mit mir meinen. Diese allzu gelassene Haltung kann mich aber auch zu einer passiven Einstellung verführen. Gerne stehle ich mich dann aus der Verantwortung, mutig das zu ändern, was ich selber an einer Sache ändern könnte. Ein Beispiel: Ich habe jemanden ungerechterweise vor anderen schlecht gemacht, abgewertet, über ihn etwas Böses erzählt. Ich weiß, dass sich der andere verletzt fühlt, mir aus dem Weg geht und innerlich verbittert ist. Und was mache ich? Ich gebe dem anderen die Schuld, anstatt schleunigst etwas zu ändern und dem anderen eine Chance einzuräumen. Es liegt an mir, den ersten Schritt zu gehen. Die Hand zur Versöhnung auszustrecken, allen Mut zusammen zu nehmen und "Entschuldigung" zu sagen, "es tut mir leid - ehrlich". Und das jeden Tag aufs Neue. Dazu braucht es Liebe. Und die Überzeugung, dass das Gute in Menschen stärker ist als alles andere. So möchte ich die anfangs genannte Lebensweisheit nochmals neu formulieren: "Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann. Gott gebe mir die Liebe, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gott gebe mir die Hoffnung, dass ich das eine vom anderen immer wieder neu unterscheiden kann."

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"I have a dream" - "Ich habe einen Traum". Der berühmte Satz von Martin Luther King ist zu einem geflügelten Wort geworden.
Vor vielen Jahren hat er laut und öffentlich vor vielen Menschen von seinem Traum erzählt. Martin Luther King hat sich nicht nur für die Menschenrechte eingesetzt, sondern auch von einer guten Zukunft für alle geträumt. Er wollte von Amerika aus den Frieden für alle Menschen auf der Welt.
Heute vor 11 Jahren hat dieser Friedenswunsch eine neue Dimension erfahren. Der grausame Terroranschlag in Amerika hat  viele unschuldige Menschen das Leben gekostet, die Herzen der Angehörigen gebrochen und sie ohne Antwort zurückgelassen. Türme und Häuser sind eingestürzt, Trauer und Wut sind geblieben. Aber es hört nicht auf: Menschen morden Menschen - ich denke in diesen Tagen besonders an Syrien. Wie unmenschlich! "I have a dream", "dass eines Tages Frieden herrsche auf der Welt, Blumen blühen und die Liebe das letzte Wort hat." Martin Luther King hat als Mensch von einer blühenden Zukunft für alle Menschen geträumt. Er war sich sicher, wenn Menschen nicht über den Jetzt-Zustand hinaus denken, sich nicht trauen, weiter zu träumen, dann bleiben sie gefangen in Wut und Trauer. Träumen alleine genügt nicht, sagen die Realisten. Es braucht Taten, Strukturen und Gesetze. "Träum weiter" sagen die, die Träume für romantische Vorstellungen halten. Aber ohne einen Traum, ohne Hoffnung und ohne gute Wünsche für eine gelingende Zukunft machen Menschen keinen Schritt über den jetzigen Horizont hinaus. Jeder Mensch wünscht sich Perspektiven für seine Zukunft gesegnet mit Arbeit, Partnerschaft, Familie und Erfolg. Eine lebendige Beziehung lebt von Träumen, von gemeinsamen Plänen. Wenn Menschen zusammenleben, entwickeln sie gemeinsame Pläne, wollen einander Gutes und öffnen sich für andere. Miteinander leben heißt, miteinander teilen, einander Gutes gönnen und miteinander in Liebe für den Frieden eintreten. Wohin soll die Reise der Menschen gehen, wenn das fehlt, was Menschen notwendig zum Leben brauchen? Ich wünsche mir, dass Sie Mut haben, laut zu träumen für eine gute Zukunft. Träumen Sie bitte weiter!

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Meine letzte Beichte war: In einem Beichtstuhl. Ich war 16 Jahre alt. Zwischen mir und dem Priester ein Gitter. Der Vorteil: Es war anonym.
Kurz vor meiner Hochzeit wollte ich es wieder tun: Beichten gehen. Aber dieses Mal in einem sogenannten "Aussprechzimmer" bei den Kapuzinerpatres in der Nähe meines Heimatdorfes.
Ich war sehr nervös. "Wie beichte ich denn überhaupt richtig? Was sage ich? Was schleppe ich an Ungeklärtem schon lange mit mir herum? Was will ich vor Gott hintragen?" Mein "Beichtzettel", den ich zu Hause vorbereitet hatte, hat mir geholfen, meine Gedanken zu ordnen. In einem ruhigen Winkel in der Kirche habe ich mir genügend Zeit genommen für das Beichtgespräch. Gebete aus dem Gesangbuch haben mir geholfen, mich einzustimmen auf mein "Schuldbekenntnis". 
"Wo habe ich andere verletzt, bei wem möchte ich mich entschuldigen, was tut mir von Herzen leid? Habe ich zu wenig geliebt, gehofft und an das Gute geglaubt?"
Und dann leuchtete das Schild "Beichtgelegenheit" grün auf . Im sogenannten "Aussprechzimmer" empfing mich ein liebenswürdiger älterer Pater, streckte mir die Hand entgegen und bat mich neben dem Tisch, auf dem eine Kerze stand, Platz zu nehmen. Und da saß ich nun. Der Pater schaute mir in die Augen, ich holte tief Luft und legte los. Zuerst habe ich langsam und zögerlich gesprochen, mit der Zeit wurde ich mutiger und erzählte alles, was mich am Herzen drückte. Es war schön, ja, es war befreiend erzählen zu können und das Gefühl zu haben, da hört jemand zu, nimmt mich und meine Sorgen ernst. Innerlich habe ich "aufgeatmet" und auch "aufgeräumt". Mit dem kurzen Gebet "Herr Jesus, erbarme dich meiner" habe ich mein etwas längeres Bekenntnis abgeschlossen. Der Pater hat mich angelächelt und das tat gut. Und dann hat er das eine oder andere, was ich gesagt habe, nochmals angesprochen. Er hat mich getröstet und mir Mut gemacht zu mehr Gottvertrauen. Das habe ich nicht erwartet, die Beichte als freundliches, persönliches Gespräch unter vier Augen und Gott hört mit. Es war schön, mein Herz auszuschütten, das loszulassen, was mich belastet und zu wissen, alles ist gut aufgehoben bei diesem netten Pater und seiner Zusage, dass Gott immer vergibt und mich neu anfangen lässt. 

Madeleine Spendier, Katholische Kirche, Tübingen

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