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SWR4 Abendgedanken

"Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr. Caspar, Melchior und Baltasar." Es ist schon eine tolle Geschichte. Die Geschichte der Heiligen Drei Könige, von Caspar, Melchior und Baltasar. Sie laufen einem Stern hinterher, um den neugeborenen König der Juden zu suchen. Und was sie finden ist das Jesuskind in Bethlehem.
In der Bibel ist von Königen gar nicht die Rede, dort heißen sie nur die Sterndeuter. Auch Namen sind keine überliefert, selbst die Zahl drei kommt in der Bibel nicht vor. Das alles kam erst später hinzu, in der Zeit der allgemeinen Legendenbildung und Ausschmückung biblischer Geschichten. Also, ist das mit den Drei Königen nur Legende, nur ein schönes Märchen? Mit den nachträglichen Ausschmückungen haben die Menschen die Geschichte ausgelegt. Könige, das sind die Großen, die Mächtigen in der Welt, und die knien sich vor einem Kind. Dabei steht die Zahl drei für "von überall her". Denn damals kannte man erst drei Kontinente - Asien, Europa und Afrika. Jeder der drei Könige repräsentiert einen Kontinent. Die Botschaft: Die Mächtigen aus aller Welt machen sich auf den Weg nach Bethlehem, um vor Jesus in die Knie zu gehen. Die ganze Welt erweist dem göttlichen Kind die Ehre und vergisst darüber alle Feindseligkeiten und Kriege und es herrscht Friede und Gerechtigkeit. 
Ein uralter Traum der Menschheit. Aber gerade wenn ich heute nach Bethlehem, nach Israel und Palästina sehe, wird mir aufs deutlichste klar gemacht, dass es nur ein Traum ist. Von Friede und Gerechtigkeit, von Einheit der Mächtigen an der Krippe des göttlichen Kindes ist dort nichts zu spüren. Sondern Israelis und Palistinenser stehen sich feindlich gegenüber und oft kommt es zu offener Gewalt. Sie verbeugen sich nicht gemeinsam vor dem göttlichen Kind. Trotzdem ist dieser Traum nicht überflüssig. Er ist eine Vision, eine große Hoffnung. Und je schlimmer die Situation, desto mehr brauchen wir Visionen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine gute Nacht. Und wenn die Sternsinger an ihrer Tür klingen, denken sie an die große Vision. Und danken sie den Kindern für ihren Einsatz.

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"Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr. Caspar, Melchior und Baltasar." So oder mit einem ähnlichen Satz auf den Lippen, sind sie zur Zeit wieder unterwegs. Die Sternsinger. Sie erinnern an drei gelehrte Männer. Die folgten einem Stern, der sie zu dem neugeborenen Jesuskind brachte. Die Bibel nennt sie deshalb auch Sterndeuter. Im Laufe der Geschichte wurden daraus Könige, die Heiligen Drei Könige. Ihr Fest feiern wir Morgen, am 6. Januar. Das Sternsingen oder auch Dreikönigssingen ist ein uralter Brauch. Seit dem Mittelalter wird der Weg der Drei gerne nachgespielt. Kinder ziehen dabei von Haus zu Haus und sammeln Geld und Gaben für die eigene Tasche. 1959 nahm das Päpstliche Missionswerk der Kinder in Deutschland diesen Brauch auf und es entstand daraus die bekannte Sternsingeraktion. Jetzt gehen nur noch die Süßigkeiten in die eigene Tasche, das gesammelte Geld kommt  Kinderhilfsprojekten in aller Welt zu Gute.  Nach dem Motto: "Kinder sammeln für Kinder". Rund 30 Millionen Euro werden so jedes Jahr von den Kindern in ganz Deutschland gesammelt. Das ist ein stolzer Betrag und viele Projekte für Kinder auf der ganzen Welt werden damit finanziert.
Aber bei der Sternsingeraktion geht es nicht nur um das Geld: Unsere Kinder sollen auch lernen: Es gibt noch etwas anderes als "die eigene Tasche". Es gibt Not und Hunger auf der Welt und es ist ungerecht, dass die einen zu viel und die andern zu wenig zum Leben haben. Und es hat etwas mit diesem Stern von Bethlehem, mit diesem Jesus in der Krippe zu tun, wenn wir uns nicht mit der Ungerechtigkeit in der Welt abfinden, wenn wir teilen. Denn Teilen heißt das Programm des Jesus von Nazareth, der in Bethlehem in einem Stall geboren wurde.
"Es gibt nicht nur die eigene Tasche" das machen rund fünfhunderttausend Kinder in diesen Tagen wieder deutlich. Für diese Botschaft stapfen sie bei Wind und Wetter von Tür zu Tür, holen sich kalte Füße und rote Nasen. Und singen - manchmal mit fester, manchmal mit piepsiger Stimme: "Weil wir neues Leben suchen, darum folgen wir dem Stern, sammeln Gaben, singen Lieder für die Menschen, für den Herrn."  
Mit einem Dank an die Sternsinger wünsche ich Ihnen einen schönen Abend und eine gute Nacht!

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"Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen Euch ein fröhliches Jahr. Caspar, Melchior und Baltasar." Caspar, Melchior und Baltasar, die Heiligen Drei Könige. Am Anfang eines jeden Jahres sind sie als Sternsinger unterwegs. Sie ziehen von Haus zu Haus, singen ein Lied, sagen ihren Spruch und schreiben die Buchstaben C * M * B mit Kreide auf den Türsturz. Das sind zwar auch die Initialen der Namen der Heiligen Drei Könige, aber die Buchstaben bedeuten etwas anderes: "C" steht für Christus, "M"  für mansionem und "B" für benedicat. Zu Deutsch: Christus segne dieses Haus. Warum tun die Sternsinger das? Zunächst einmal bedeutet Segnen, jemandem etwas Gutes sagen. Mit dem Satz: "Christus segne dieses Haus", drücken die Heiligen Drei Könige den Wunsch aus, dass die Wohnung unversehrt bleibt. Und dass die Menschen, die dort wohnen, im kommenden Jahr Glück haben. Mit dem Segen bringen die Sternsinger also ihre guten Wünsche. Und wie das mit Wünschen so ist, manche gehen in Erfüllung und manche nicht. Ein Segen ist keine Erfüllungsgarantie. 
Und trotzdem ist ein Segen mehr als ein guter Wunsch. Denn ein Segen bringt Gott mit ins Spiel. Wenn ich segne, stelle ich eine Beziehung her zwischen dem, was ich segne, und Gott. Segne ich ein Brot, so ist es für mich nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern eine von Gott geschenkte Gabe. Segne ich ein Tier, so sehe ich darin einen Teil der guten Schöpfung Gottes. Und segne ich ein Kind, sage ich ihm, du bist ein von Gott geliebter Mensch. Segnen heiligt den Alltag und versucht Gott in diesen Alltag hineinzuziehen. Ein Segen lässt mich das, was mich umgibt mit Respekt und Ehrfurcht betrachten.
Die Buchstaben C*M*B, die mir die Sternsinger über meine Haustür malen, heiligen sozusagen meine Wohnung. Sie sagen mir: Es ist nicht selbstverständlich, dass ich eine Wohnung habe, in der ich mich auch noch wohl fühle. Ich will verantwortungsvoll damit umgehen. Und für diesen Ort danken. Und ganz besonders für die Menschen, die hier ein und ausgehen. „Christus mansionem benedicat", er möge auch Ihr Haus, ihre Wohnung, ihren Ort, an dem sie leben, segnen.

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Ein gnadenreiches Jahr 2012 wünsche ich Ihnen. Ein Neujahrswunsch, der ein wenig aus der Mode gekommen ist. Denn was heißt schon Gnade?
Eine biblische Geschichte hilft diesem altmodischen Begriff auf die Spur zu kommen. Jakob, einer der wichtigsten Männer in der Geschichte Israels hat als junger Mann seinem Bruder Esau ganz böse mitgespielt. Er hat ihn um sein Erbe betrogen. Nach langen Jahren der Trennung begegnen sich die beiden Brüder. Jakob hat große Angst vor dieser Begegnung, denn Esau hatte allen Grund sich zu rächen. Aber Esau läuft ihm entgegen, umarmt ihn und fällt ihm um den Hals. Jakob - so drückt es die Bibel aus - findet Gnade in den Augen seines Bruders. Gnade ist das unverdiente Wohlwollen des Mitmenschen, das Ansehen, das er mir schenkt. Deshalb der Ausdruck "Gnade in seinen Augen finden." Ich tue mich oft schwer mit der Gnade. Ich will nichts geschenkt haben, ich will mir alle ehrlich verdienen. Aber es gibt keinen Anspruch auf das Wohlwollen des andern. Hab ich es mir verdient, dann ist es kein Wohlwollen mehr, sondern die Begleichung einer offenen Rechnung. Mit der Gnade Gottes verhält es sich ebenso. Auch sie kann ich mir nicht verdienen, sondern muss sie mir schenken lassen. Vielleicht so wie Jakob. Er sagte zu seinem Bruder Esau, nachdem er in dessen Augen Gnade gefunden hatte: "Ich habe dein Angesicht gesehen wie man das Angesicht Gottes sieht, und du bist mir wohlwollend begegnet." (Gen 33,10). Angesehen sein vom Mitmenschen und von Gott, das heißt Gnade. Wenn ich genug Ansehen geschenkt bekomme, brauche ich nicht darum zu kämpfen. Deshalb wünsche ich Ihnen ein gnadenreiches Jahr 2012. Mögen sie in diesem Jahr viel Ansehen, viel Gnade von ihren Mitmenschen geschenkt bekommen. Und mögen sie die Kraft haben, selbst viel Ansehen an andere zu verschenken.

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Guten Abend und heute am zweiten Tag des neuen Jahres noch ein kräftiges: „Prosit Neujahr!" Alles Gute für 2012." Am Anfang eines neuen Jahres frage ich mich immer, wie es wohl werden wird, das neue Jahr? Von Erich Kästner stammen die Sätze: "<Wird's besser? Wird's schlimmer?> fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich." Das gilt auch für 2012. Wird's besser: Bekommen die Politiker und Banker die Eurokrise endlich mal in den Griff? Kommt man in der Bekämpfung des Hungers in der Welt einen Schritt weiter? Wird man den Klimawandel endlich stoppen können? Oder wird's schlimmer: Wird die arme Bevölkerung in den EU-Staaten durch die Sparmaßnahmen noch ärmer werden? Wird in den arabischen Ländern nach dem hoffnungsvollen Aufbruch nun die Gewalt siegen? Wird die rechte Gewalt bei uns immer mehr zunehmen? Die Fragen nach besser oder schlimmer gelten auch für meine kleine Welt des privaten Lebens! Gesundheit, finanzielle Sicherheit, familiäres Glück, Veränderungen in beide Richtungen sind immer möglich, es gibt keine Sicherheitsgarantien, "Leben ist immer lebensgefährlich". Prosit Neujahr, heißt übersetzt: Es möge nützen das neue Jahr 2012, es möge ein gutes Jahr werden. Es handelt sich um den Konjunktiv, die Wunschform. Sie bringt zum Ausdruck, dass die Zukunft für uns Menschen prinzipiell unverfügbar ist. Ein gutes, glückliches neues Jahr können wir uns nur wünschen, nicht machen. Was ich ihnen am heutigen Abend wünsche, möchte ich mit einigen Zeilen des Theologen und Schriftstellers Jörg Zink ausdrücken:  

Ich wünsche dir nicht
ein Leben ohne Entbehrung,
ein Leben ohne Schmerz,
ein Leben ohne Störung. 

Was solltest du tun
mit einem solchen Leben ?
Ich wünsche dir aber,
dass du bewahrt sein mögest
an Leib und Seele,

dass dich einer trägt und schützt
und dich durch alles, was dir geschieht,
einem Ziel entgegenführt.
 

Ich wünsche dir nicht ein Leben
ohne Mühe und ohne Herausforderung.
Aber ich wünsche dir,
dass deine Arbeit nicht ins Leere geht.
Ich wünsche dir die Kraft der Hände
und des Herzens. 

Ich wünsche dir -
mit einem alten Wort wünsche ich es -
dem Wort "Segen".

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