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SWR4 Abendgedanken

19APR2021
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Ich habe Ostern selten so gebraucht wie in diesem Jahr. Jetzt ist es schon zwei Wochen her. Aber ich bin immer noch dankbar für dieses Fest. Und wissen Sie, warum? Ostern, das war in diesem Jahr für mich „Hoffnung pur“.

An Ostern siegt das Leben über den Tod. Das Licht über die Dunkelheit. Die Hoffnung über die Verzweiflung. Das hat so gut getan nach diesem furchtbar langen Pandemie-Winter.

In der Bibel wird erzählt, dass Jesus kurz vor seinem qualvollen Tod am Kreuz fragt: „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Dass ein Mensch, der diese Folter durchstehen muss, diese Frage stellt, überrascht mich nicht. Wie kann Gott solches Leid zulassen? Einer, der sich so auf Gott verlassen hat, der Gott Vater nennt, muss so furchtbar leiden. Warum?

Viele haben in diesem Pandemie-Winter furchtbar gelitten: Sei es, weil sie erkrankt sind. Sei es, weil sie Angst um Familie und Freunde hatten. Sei es, weil die Enge, die Einsamkeit sie schier wahnsinnig gemacht hat. Warum?

Wir wissen es nicht. Ich glaube, es gibt darauf keine Antwort. Hinter dem Leid der Pandemie sehe ich keinen Sinn, der mich trösten könnte. Sie ist sinnlos. Und gerade das macht all das Leid noch mal unerträglicher.

War Jesu Leiden auch sinnlos? – Ich glaube: Nein. Jesus leidet, so wie jeder Mensch Leid erfahren kann. Jesus leidet mit. Er zeigt uns, dass Gott kein ferner Gott im Himmel ist, weit weg, dem die Menschen egal sind. Nein: Als Jesus leidet, leidet Gott mit. Er kennt Schmerz, Leid und Verzweiflung.  Gott hat Mitleid. Und kann uns so in unserem Leid nahe sein. Das zeigt uns Jesus Leid am Kreuz. Darin hat es seinen Sinn.

Und: Jesus Weg endet nicht am Kreuz. Er wird wieder lebendig. Das Leiden hat in der Welt nicht das letzte Wort. Gott kann den Tod überwinden. An Ostern siegt das Leben über den Tod. Das Licht über die Dunkelheit. Die Hoffnung über die Verzweiflung.

Ich habe diese Botschaft dieses Jahr gebraucht. Mehr als sonst. Osterhoffnung. Dafür bin ich dankbar.

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