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SWR1 3vor8

17OKT2021
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Wenn ich mir die Hobbys mancher Menschen ansehe dann denke ich manchmal: Halten die sich eigentlich für unverwundbar? Marathon-Laufen, Free-Climbing in senkrechten Felswänden oder mit dem Fahrrad die steilsten Strecken meistern - ohne E-Bike, versteht sich. Ich kann das schon verstehen:  Wenn der Körper gesund ist dann kann es total befriedigend sein bis an die Grenzen zu gehen und darüber hinaus. Nicht nur in der Freizeit oder im Extremsport, sondern auch im Alltag. Eine 60 Stunden Woche – kein Problem. Die kranke Mutter pflegen trotz Halbtagsjob und kleinen Kindern – machbar. Aber es ist trügerisch sich unverwundbar zu fühlen.

Darum geht es heute in vielen evangelischen Gottesdiensten. Ein Prediger aus alttestamentarischer Zeit erinnert die Menschen daran, dass das Leben endlich und verletzlich ist. (Prediger 12, 1-7) Er sagt: solange die Menschen jung sind fühlen sie sich oft so, als ob sie ewig leben würden. Aber unweigerlich kommen Zeiten, in denen die Kraft nachlässt. Manche spüren das Alter, andere werden in jungen Jahren krank und müssen sich deshalb schon früher damit auseinandersetzen. Aber für alle Menschen gilt: Niemand lebt ewig und eines Tages müssen wir sterben. Das ist kein angenehmer Gedanke. Und viele schieben ihn bei Seite: Warum daran denken, wenn man sich gerade unverwundbar fühlt? Der Prediger erinnert daran: es ist auch eine große Chance, über die eigene Verletzlichkeit nachzudenken. Für ihn gilt deshalb: wichtig im Leben ist vor allem Gott nicht zu vergessen. Denk an Gott, sagt er. Denk daran, dass Du geschaffen wurdest. Denk daran, dass Dein Leben einen Anfangspunkt hat und einen Endpunkt – und beides, Anfang und Ende bei Gott liegen. Wer sich das bewusst macht, der kann sich davor schützen seine Kraft achtlos zu verschwenden: Denke an deine Grenzen. Was hast Du davon, wenn du dich völlig auspowerst und am Abend keine Kraft mehr für deine Freunde hast? Was ist wirklich wichtig und wann sollte ich es auch einmal ruhiger angehen lassen? Vielleicht hilft es auch dabei widerständiger zu werden. Ist es z.B. wirklich nötig dauerhaft 60 Stunden in der Woche zu arbeiten. Vielleicht versteht die Chefin ja doch, dass gesunde und ausgeruhte Mitarbeiter langfristig viel leistungsfähiger sind? Und die Dreifachbelastung, die viele Familien stemmen, wenn sie sich um Kinder, Eltern und Job kümmern.

Vielleicht hilft ein deutliches: Das geht so nicht! dabei Lösungen zu finden, wie die Last auf mehreren Schultern verteilt werden kann. Natürlich -  es gibt Situationen im Leben, bei denen man an seine Grenzen gehen muss. Aber gerade dann, wenn ich mich unverwundbar fühle, tut es gut sich zu erinnern: Mein Leben hat einen Anfang und ein Ende. Und es ist meine Aufgabe die Zeit dazwischen achtsam zu leben. Darum: Denk an Gott. Und nutze Deine Kraft klug.

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