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SWR1 3vor8

18APR2021
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Ins Mark meines Glaubens trifft einer der Texte, der heute in den Katholischen Kirchen zu hören ist. Er ist aus dem 1. Johannesbrief, einem der ältesten schriftlichen Zeugnisse des Christentums. Und sein Thema ist zeitlos aktuell, für mich leider auch schmerzlich aktuell. Es geht um die Falschheit von Christen. Darum, dass sie, obwohl sie doch wissen oder wissen müssten, wie sie gottgefällig leben können, sich trotzdem falsch verhalten, sündigen. Dabei geht es natürlich auch um das Verhältnis von Reden und Handeln. Und genau dazu fällt folgender Satz: „Wer sagt, er habe Gott erkannt, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner und in dem ist die Wahrheit nicht. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.“ Harte, scharfe Worte, wie „Lügner“ oder dass „in einem die Wahrheit nicht ist“, also dass Menschen, die sich Christen nennen und unchristlich handeln, innerlich falsch sind.
Genau das trifft mich ins Mark, weil das eine schmerzliche Erfahrung ist, die ich mit meiner Kirche immer wieder gemacht habe. Ich bin in einem katholischen Internat aufgewachsen. Dort wurden Klassenkameraden von mir in der Sakristei vom Priester verprügelt, im Messgewand, kurz bevor er mit gefalteten Händen in die Hauskapelle ging, Gottesdienst feierte und eine brillante Predigt hielt. Meine erste Erfahrung von zutiefst unglaubwürdigem Glauben. Noch viel schlimmer all die schrecklichen Berichte über den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche. Der größtenteils in den Jahren passierte, in dem sie sich mit ihrer Sexualmoral in das Intimleben ihrer Gläubigen gedrängt hat. Und bis heute kann sie es nicht lassen, sich gerade in Fragen der Sexualität widersprüchlich zu verhalten und zu äußern. Wie jüngst mit der Ansage aus dem Vatikan, homosexuellen Partnerschaften den Segen verweigern zu wollen. Das steht im Widerspruch genau zu dem, was im Johannesbrief mit Geboten Gottes gemeint ist. Und was sind die Gebote Gottes? Schlicht und ergreifend zwei, Jesus hat sie benannt: Das erste, „du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken“. Das zweite: „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Wer das beherzigt, im Wortsinn be-herz-igt, der schließt keine liebenden Menschen aus, der übt keinerlei Missbrauch aus und handelt auch nicht im Widerspruch zu seinen Worten. Oder wie es der Verfasser des Johannesbriefs sagt: „In dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.“ 

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