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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Meine Omi wird morgen 90 Jahre alt. 2052 wird es bei mir auch soweit sein - wenn ich dann noch lebe. Dann wird es außer mir noch rund 10 Millionen weitere über 80-Jährige geben - sagt das Statistische Bundesamt. Heute sind es noch 4 Millionen. Das heißt, wenn die statistische Prognose Recht behält, dann rollt eine gewaltige Alterswelle auf uns zu. Und ich werde mittendrin mitrollen.
Die Frage ist, wie wollen wir mit den immer mehr werdenden alten Menschen umgehen?
Zum einen betrifft das natürlich die Frage der Pflege. Ich weiß, dass viele Familien versuchen, das so weit wie möglich selber zu tun. Ich weiß auch aus Erfahrung in unserer eigenen Familie, wie schwierig das dann werden kann. Wenn alte Leute mürrisch werden oder vergesslich. „Du warst auch schon lange nicht mehr da", heißt es dann, obwohl man sie letzte Woche erst besucht hat.
Irgendwann werden mobile soziale Dienste in Anspruch genommen. Und wenn es gar nicht mehr zu Hause geht, kommt eine stationäre Pflege in Frage. Wozu hat man schließlich die Pflegeversicherung?
Den Umgang mit den alten Menschen betrifft zum anderen aber auch unsere Haltung. Wie wir ihnen begegnen. Sind sie uns eine schier unerträgliche Last? Oder sind sie uns eine Mühe, die wir gern auf uns nehmen? Wohl wissend, das wir selber einmal alt werden und womöglich auf Hilfe von anderen angewiesen sind.
Das 4. Gebot fordert uns auf Vater und Mutter zu ehren. Wohlgemerkt: zu „ehren", nicht zu „lieben". Ehren ist eine Haltung der Hochachtung vor der Weisheit und Lebenserfahrung der Alten. Die Verheißung, die uns das 4. Gebot dafür mitgibt, lautet „Wenn du das tust, wirst du lange leben, und es wird dir gutgehen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt."
Das heißt, wenn ich heute meine alt werdenden Eltern ehre, dann wir es mir selber gut gehen. Denn so wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Wenn ich zu ihnen freundlich bin, werden sie es - hoffentlich - auch zu mir sein. Wenn sie vergesslich werden und ich ihnen helfe, wird mir - hoffentlich - auch geholfen. Wenn ich sie so gut wie möglich ins Leben einbeziehe, werden das - hoffentlich - auch meine Kinder mit mir tun. Und - hoffentlich - nicht erst dann , wenn ich 90 bin.

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