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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Warum?“ fragt mich eine Frau, die von ihrem Mann verlassen wurde. „Warum ich?“
Verlassen werde ist schlimm, da fragt jeder: „Warum?“, und stellt damit das Leben zur Rede. Man will verstehen, wie es so weit kommen konnte.
Nur - gibt es wirklich eine zufrieden stellende Antwort auf die Frage nach dem Warum?
Die meisten Antworten, die ich kenne, sind alles andere als hilfreich:
„Weil ich nicht mehr so jung und attraktiv bin.“ „Weil ich zu abhängig war“. „Weil ich ihm nicht gegeben habe, was er brauchte.“ Und am schlimmsten dann die Schlussfolgerung: „Weil ich nicht mehr liebenswert bin.“
Wer da ankommt und stehen bleibt, gefährdet sich selbst. Denn was bleibt einem dann noch?
Deshalb: Mit der Warum-Frage kommen wir nicht weiter.
Sie ist rückwärts gerichtet und will das Geschehene ungeschehen machen. Und vielleicht ist das ihr eigentlicher Sinn: Dass wir erkennen: Nichts auf der Welt lässt sich rückgängig machen.
Es gibt unzählige Gründe, warum sich die Dinge so entwickelt haben, wie sie nun sind. Für manches bin ich mitverantwortlich, für anderes nicht und dann kommt immer noch eine Portion Schicksal hinzu.
Was immer auch war, Gott will, dass wir leben. Vor Gott sind wir immer liebenswert, denn wahre Liebe stellt keine Bedingungen und hört auch nicht auf. Deshalb bleibt Gott bei uns, auch wenn wir nicht wissen, wohin es gehen soll,
Schritt für Schritt, auf der Suche nach einer Antwort. Nach einer richtigen Antwort.
Dabei hilft es sehr, den Blickwinkel zu wechseln, und zwar von der Frage „Warum“ zu der Frage „Wozu“.
Auf die Frage: „Warum gerade ich“ gibt das Leben keine Antwort. Wohl aber auf die Frage: „Wozu?“. - „Wozu ist mir das passiert? Was soll ich begreifen oder lernen? Welchen Sinn soll ich in dieser Situation erkennen oder erfüllen?“
Und ich bin ganz sicher: keiner von uns ist allein, wenn wir uns auf den Weg machen, um herauszufinden: „Wozu ist mir das passiert?“
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