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SWR2 Wort zum Tag

Es braucht keinen Gott, um die Entstehung des Universums zu erklären. Neue physikalische Theorien zeigen eindeutig: Unser Universum kann durchaus spontan und aus sich selbst heraus entstanden sein.
Das Buch, in dem das behauptet wird, heißt „Der große Entwurf". Es ist das neueste Buch von Stephen Hawking, dem genialen Kosmologen aus England. Mit einer riesigen Fangemeinde in der ganzen Welt ist er fast schon so etwas wie der „Popstar" der Astrophysik.
Der Anspruch seines Buches ist nicht gerade bescheiden: „Wir werden versuchen, die letzten Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest zu beantworten", verkündet Hawking. Damit wäre „Der große Entwurf" dann wohl das „Buch der Bücher" - diesen Ehrentitel trägt bislang nur die Bibel.
Teile des Buches sind in der Londoner „Times" erschienen. Danach schrieb die Weltpresse reißerisch: „Hawking hält Schöpfergott für überflüssig". Hawking hatte für seine Veröffentlichung einen günstigen Zeitpunkt gewählt: Unmittelbar vor dem Besuch von Papst Benedikt in England waren religiöse Fragen ein angesagtes und heftig diskutiertes Gesprächsthema auf der Insel.
Die Provokation hat prompt Wirkung gezeigt: Übereinstimmend erklärten ein jüdischer Oberrabbiner, ein katholischer und ein anglikanischer Erzbischof: Der Gottesglaube will doch nicht Wissenslücken über das Universum schließen! Die Bibel interessiert gar nicht, wie das Universum entstanden ist. Wo die Bibel von der Schöpfung Gottes spricht, geht es um den Sinn des Ganzen - eine andere Art von Wahrheit, eine andere Art von Wirklichkeit also.
Es ist erstaunlich: Viele Theologen haben sich in den letzten Jahrzehnten bemüht, das Verhältnis zwischen Glaube und Naturwissenschaften zu klären - damit man sich nicht nur gegenseitig leben lässt, sondern auch vernünftig miteinander reden kann.
In letzter Zeit ist von diesem konstruktiven Nebeneinander aber immer weniger zu spüren. Nicht nur Hawking fordert Kirchen und Theologie heraus. Auch Hirnforscher oder Soziobiologen beanspruchen selbstbewusst die letzten Fragen des Lebens naturwissenschaftlich klären zu können.
Sich beleidigt Rückzug in die Nische zurückzuziehen, ist da kein Ausweg. Als Christ kann und muss ich meinen Glauben mit guten Argumenten verständlich machen. Und ich sollte dabei auch immer wieder - vernünftig - für das biblische Verständnis von Gott und der Welt werben.
Dabei hilft es sicher, wenn ich auch ganz praktisch zeige, was es heißt, an Gottes Schöpfung zu glauben. Indem ich mich für den Schutz unserer Umwelt und für eine gerechte Verteilung ihrer Güter einsetze.

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