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SWR2 Wort zum Tag

 Wenn ich an Kirche denke, dann fallen mir Gebäude ein. Die eher schlichte Kirche meiner Pfarrgemeinde, aber auch die vielen großartigen Kirchen, die bei uns und aus Europa nicht wegzudenken sind.
Ein unermesslicher Schatz, den uns frühere Generationen hinterlassen haben -   Stein gewordene Geschichte, die immer noch gegenwärtig ist.
Wenn ich an Kirche denke, fallen mir viele Menschen ein, die mir durch ihre Art zu leben einen Zugang zum Glauben eröffnet haben und mit denen ich mich im Glauben verbunden fühle. Ohne diese Erfahrung hätten für mich Kirchenräume alleine letztlich keine Seele.
Eine Kirche ist ein Raum für die Begegnung mit Gott, ein Ort, um seinem Geheimnis näher zu kommen. Unzählige Menschen haben das schon erfahren. Aber eine Kirche ist nicht einfach ein „Gotteshaus". Als der legendäre König David seinem Gott den ersten prächtigen Tempel bauen will, da bekommt er von Gott zur Antwort: „Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?" Gott lässt sich nicht in Mauern einsperren - und seien sie noch so prächtig. Das Zeichen seiner Gegenwart, das Gott selbst seinem Volk gegeben hat, ist das Zelt mit der „Bundeslade" - und darin die 10 Gebote, die Gott seinem Volk am Sinai gegeben hat. Dieses Zelt begleitete die Israeliten auf ihrem Weg in das verheißene Land. Gottes Gegenwart ist nicht auf heilige Orte begrenzt. Er wird erfahrbar, wenn Menschen sich auf sein Wort einlassen, auf seine Zusage, dass er ein „Gott-für-uns" sein will. Die Kirche - da denken viele an die Institution, an den Papst und die Bischöfe, an unabänderliche Dogmen und festgelegte Rituale. Kirche aber ist mehr: sie ist die Gemeinschaft der Gläubigen durch alle Zeiten - und so ein sichtbares Zeichen dafür, dass Gott sich auf die Menschen eingelassen hat. Und sie ist mehr als das, was Christen je zu glauben, zu hoffen und zu lieben vermögen: denn ihr Grundstein ist Jesus Christus selbst. Er hat für uns eine Verbindung zu Gott gestiftet, die selbst durch Skandale und die schrecklichen Entgleisungen in der Kirchengeschichte nicht zu zerstören ist.
Die Krise, in der sich die Kirche gegenwärtig befindet, ist daher auch eine Chance zu lernen: Auch die Kirche und ihre Amtsträger können versagen und schuldig werden wie jeder Mensch. Sie haben Gott nicht gepachtet. Und doch darf die Kirche auch hoffen, dass Gottes Liebe in ihr bleibt und erfahren werden kann.

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