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SWR3 Worte

Wir durchkämmten jede Hütte, jeden Weiler, jedes Dorf auf unserem Weg nach Essbarem und nach Wasser. Die Bewohner, meist selbst ausgehungerte Habenichtse, flohen wehklagend vor uns, ohne Gegenwehr zu leisten – wie auch: Sie besaßen nichts außer ihren Hütten, einem Kochgeschirr und den paar halbverhungerten Ziegen, die wir ihnen wegnahmen. Etliche Familien dürften wir damit in den sicheren Tod geschickt haben, denn wenn erst die Tiere weg waren, gab es für sie keine Hoffnung mehr: keine Milch für die Kinder, kein Fleisch für die Eltern.
(Das bisschen, das die Menschen angebaut hatten, stand fast völlig verdorrt auf den Feldern, nachdem die Regenfälle im Frühsommer wieder so gut wie ausgefallen waren. Sie konnten nur noch auf Hilfskonvois internationaler Organisationen hoffen, doch die verirrten sich nur selten in diese abgelegene Gegend, wo es Banden gab wie uns, Minen und Banditen, die nichts zu verlieren hatten als ihren beißenden Hunger.)


Quelle: Senait G. Mehari, « Feuerherz », München, 2005, S.168 https://www.kirche-im-swr.de/?m=911