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SWR2 Wort zum Tag

Eine Kirche von großer Weite und Überzeugungskraft.. In den vergangenen Jahren hatte ich wiederholt Gelegenheit, sie zu erleben - eine Kirche, die aus Gottvertrauen lebt und Vertrauen ausstrahlt: In den Townships Südafrikas etwa, wo Ordensleute selbstlos für ein menschenwürdiges Leben von AIDS-Kranken sorgen. Oder in Indien. Hier gehören kirchliche Schulen zu den besten des Landes . Sie unterstützen junge Menschen aller Religionen darin, den Teufelskreis von Bildungsarmut und Elend zu durchbrechen. Ordensfrauen und Priester kämpfen dort in den Riesenslums an der Seite der Ärmsten für soziale Gerechtigkeit.Diese Beispiele stehen für ungezählte andere in der Weltkirche. Sie sind für mich ermutigend. Denn andererseits erlebe ich leider oft auch eine Kirche, die sich in menschliche Enge und doktrinäre Erstarrung zurückzuziehen droht. Das ist schmerzlich. Denn ich habe noch in lebendiger Erinnerung, wie Papst Johannes XXIII. die Fenster einer in sich verschlossenen Kirche weit zur heutigen Welt hin geöffnet hat. Wie das Konzil ein neues Verständnis einer geschwisterlichen Kirche verkündet und sich ausdrücklich zur Ökumene und zum Dialog mit den nichtchristlichen Religionen bekannt hat. Wie es die Solidarität der Kirche mit Freude und Hoffnung, Trauer und Schmerz aller Menschen betont und sich ausdrücklich auf die Seite der Armen gestellt hat. All dies kann ich auch heute noch vielfältig erfahren, Aber leider auch das Gegenteil. Viele engagierte Christen sind enttäuscht, und eine erschreckend große Zahl kehrt der Kirche den Rücken. Was kann der Kirche Weite geben? Eine Gemeinde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich für die kommenden Jahre das Leitwort gegeben: "Der Tiefe trauen - Weite wagen". Das bedeutet für mich: sich einem Gott anzuvertrauen, der sich in Jesus Christus als Barmherzigkeit und als Freiheit gezeigt hat und von dessen Liebe uns nichts und niemand trennen kann. Und es bedeutet auch: diese Liebe dem Nächsten weiter zu schenken. Dem nahen und dem fernen Nächsten. Das genügt, sagt Jesus, um das ewige Leben, die Fülle des Lebens zu gewinnen. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist schwer genug, allerdings auch befreiend. Es kann davon befreien, alle möglichen Nebenthemen zum Maßstab des rechten Glaubens zu erklären. Es kann mir Vertrauen in das eigene Leben und einen tiefen Respekt vor der Vielfalt der Lebens- und Glaubenswege anderer Menschen schenken.

Ich wünsche mir, dass ein biblisches Gebet für die Kirche immer wieder zum Leitbild wird: "Du, Gott, führst mich hinaus ins Weite. Du schenkst meinen Schritten weiten Raum."

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