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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Bei uns hat der Blitz eingeschlagen. Der hat im Kirchturm die Läutemaschine außer Gefecht gesetzt. Weshalb bei uns zur Zeit nur noch zwei statt drei Glocken läuten. Zuerst dachte ich: das wird auch schon gehen, schließlich sind unsere Glocken noch nicht einmal zehn Jahre alt und die ganze Zeit davor wurde ganz ohne Geläut Gottesdienst gefeiert.
Aber jetzt, nach dem ersten Gottesdienst ohne Glocke Nummer zwei, muss ich zugeben. Sie fehlt mir. Das hätte ich nicht gedacht. Und vielen anderen geht es genau so. Sie vermissen den Klang der Glocke.
Unsere Glocke Nummer zwei trägt den Namen Kantate. Und Kantate hat uns immer gut durch unser Leben begleitet. Mit ihren Nachbarinnen im Turm ist Kantate dabei, wenn Kinder getauft werden, wenn wir Konfirmation oder Hochzeit feiern oder uns von einem Menschen verabschieden müssen. Sie läutet zur Ehre Gottes und für die Menschen.
Wenn wir in der Kirche unten nach Worten für das Wunder eines neuen Lebens suchen, dann lässt Kantate von oben ihr zwei gestrichenes D ertönen.
Wenn wir versuchen, Konfirmanden etwas von unseren Erfahrungen mit dem Glauben an Jesus Christus auf den Weg geben, dann gibt sie den festen Rhythmus dazu.
Wir sind selig vor Glück, wenn zwei Menschen sich trauen und heiraten und Kantate lässt dazu einen fröhlichen Grundton erklingen.
Und wenn wir einen Menschen verloren haben, erinnert sie uns von oben daran, bei wem wir Trost finden können.
Dabei ist sie alles andere als monoton, denn außer dem Schlag- oder Nominalton schwingen noch ganz viele Ober- und Untertöne mit. Nicht umsonst sprechen die Fachleute von Glockenmusik. Glocken erinnern uns mit ihrem Klang: wir kennen die vielen Zwischentöne des Lebens und bringen sie zum Klingen, wie Gott das bei euch auch tut.
Kurzum: Kantate gehört einfach dazu und ihre Botschaft ist einfach: Ihr feiert, ihr seid fröhlich oder traurig, ihr seid nachdenklich - und Gott ist bei euch, er lässt euch nicht im Stich. Gott ist wie die Grundmelodie in eurem Leben, ein ständiger Begleiter in allen Hochs und Tiefs.
Das ist uns so richtig klar geworden, als bei uns der Blitz eingeschlagen hat. Auf diese Erkenntnis wollen wir nicht verzichten. Gleich morgen früh rufen wir den Glockenmonteur an, damit er sich um unsere Kantate kümmert.

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