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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

11AUG2010
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„Herr, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast" sollen die letzten Worte der heiligen Klara gewesen sein. Heute ist ihr Gedenktag. Anders als bei Edith Stein und Laurentius, deren Gedenktage gestern und vorgestern waren, ist Klara ein Beispiel dafür, dass Frauen und Männer auch heilig gesprochen werden können, ohne ihr Leben als Märtyrer beendet zu haben. Klara zeichnet sich vor allem durch Mut, Beharrlichkeit und ein vitales Glaubensleben aus.
„Herr, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast" mit diesen ihren letzten Worten auf dem Sterbebett nimmt sie Bezug auf den „Sonnengesang", diesem wunderschönen Text des Mittelalters, der dem heiligen Franziskus zugeschrieben wird. Klara kennt Franz und eifert ihm nach.
Es ist die Geschichte einer Powerfrau, die sich von nichts und niemand einschüchtern lässt und beständig und beharrlich ihren Idealen folgt. Mit 18 flieht sie aus dem adeligen Elternhaus, lässt sich von Franziskus feierlich die Haare abschneiden, legt ebenso feierlich ihr Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam ab und lässt sich selbst durch Gewaltandrohungen einiger ihrer Familienmitglieder nicht mehr von ihrem Weg abbringen. Ihr Benehmen ist ein Skandal und eine Provokation ohnegleichen. Klara will diese Konfrontation nicht. Aber sie hat erkannt, dass es für ihr Leben nur einen Weg gibt, den mit Gott und das in einer ganz bestimmten Weise. Sie gründet einen Orden und schafft es, als erste Frau überhaupt, dafür vom Papst eine Regel zu erhalten. Obwohl immer kränklich und schon mit 30 Jahren ganz ans Bett gefesselt, arbeitet sie unermüdlich für den Aufbau ihres Klarissenordens. Tiefe Frömmigkeit und Geduld in den schweren Leiden zeichnen sie aus, sie gilt als verständnisvoll und feinsinnig. Aber sie kann auch anders: Als 1241 die Sarazenen schon die Mauern ihres Klosters ersteigen, lässt sich die Schwerkranke vor die Pforte tragen, hält die Monstranz mit der Hostie, dem Leib Christi, in innigem Gebet empor und bringt die Angreifer dazu, zu fliehen. Die heilige Klara ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Menschen sich von Gott in Besitz nehmen lassen können. Ohne frömmlerisch oder duckmäuserisch zu sein. Das gibt es bis heute, Gott sei Dank, auch wenn nicht jeder oder jede dafür heilig gesprochen wird.

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