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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

10AUG2010
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Wer Laurenz, Lorenz, Lawrence, Lorah oder Laurentia heißt, hat heute Namenstag. Und dass das so ist, liegt an einem Mann aus dem 3. Jahrhundert: dem Heiligen Laurentius. Laurentius lebte zur Zeit der Christenverfolgung in Rom und ist dort den Märtyrertod gestorben. Der römische Kaiser hat ihn auf sehr brutale Weise umbringen lassen, er wurde bei lebendigem Leibe auf dem Rost verbrannt. In unserer heutigen Zeit hinterlassen Märtyrer in unserer Wahrnehmung eher ungute Gefühle. Wie die Sprengstoffattentäter, die sich in Menschenansammlungen in die Luft jagen, in der Hoffnung, möglichst viele Umstehenden mit in den Tod zu reißen. Viele von Ihnen geben für ihr Verhalten religiöse Motive an. Das ist aber auch das einzige, was sie mit den Märtyrern wie dem Heiligen Laurentius gemeinsam haben. Durch das Wirken des Laurentius sind nicht andere in den Tod gerissen worden, sondern er hat sich im Namen Jesu für das Leben anderer eingesetzt und weil dies den Herrschenden nicht passte, musste er sterben. So weiß man weiß von ihm, dass er auf Geheiß seines Bischofs, der ebenfalls der Christenverfolgung zum Opfer fiel, den Kirchenschatz an die Leidenden und Armen verteilen sollte. Der Kaiser aber hatte auf eben diesen Schatz ein Auge geworfen. Laurentius erbat sich 3 Tage Bedenkzeit, die er dazu nutzte, den Schatz zu veräußern und den Erlös unter den sozial Schwachen zu verteilen. Das hat dem Kaiser natürlich nicht gepasst und das war dann mit ein Grund, ihn zu verurteilen. Wahrhaft edle Motive waren es also, die zum Martyrium des Heiligen Laurentius führten. Und trotzdem bleibt ein Nachgeschmack. Hätte er nicht einfach dem Kaiser den Kirchenschatz übergeben können und damit sein Leben retten können? Er hätte dann weitergelebt und vielleicht noch vieles Gute erreichen können. Oder wäre eine kleine Notlüge oder eine Entschuldigung nicht besser gewesen, statt beharrlich und sicher dem fürchterlichen Tod entgegen zu trotzen? Ich stelle mir vor, was Laurentius auf solche Einwände gesagt hätte. Vielleicht Folgendes: Es gibt Prinzipien, die kann man nicht über Bord werfen. Es gibt Überzeugungen, die wichtiger sind als der Tod. Und es gibt einen, auf den ich ganz fest vertraue, dem ich mein Leben anvertraue, weil ich weiß, dass er mich in einem jenseitigen Leben liebevoll erwartet. Darauf setze ich, daran glaube ich und dafür sterbe ich. Eine Haltung, die uns heute vielleicht befremdet, aber hoffentlich auch ein wenig nachdenklich stimmt.

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