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SWR4 Abendgedanken RP

Das Kloster von Taizé in Frankreich. Für viele Jugendliche war das ein Ort, an dem sie mit anderen Jugendlichen über ihren Glauben reden und ihn feiern konnten. Der Tod des Leiters, der Tod von Frère Roger, war für viele ein Einschnitt.

Wir sind sehr dankbar über die Kontinuität, und wie es weitergeht nach dem Tod von Frère Roger und das ist ein Geschenk.

Frère Alois, der Nachfolger von Frère Roger freut sich über die vielen Jugendlichen, die sich auch gerade jetzt in den Ferien wieder in das Kloster von Taizé aufgemacht haben.

 

Teil I
Gerade jetzt in den Sommerferien haben sich viele Jugendliche - auch aus unserem Sendegebiet - wieder in das kleine Dörfchen Taizé in Burgund aufgemacht, um dort zur Ruhe zu kommen, mit anderen über ihren Glauben nachzudenken und vielleicht für den eigenen Lebensweg Weichen zu stellen. Auch Lukas, 20 Jahre alt, nutzt die Zeit zwischen Schulabschluss und Studienbeginn, um noch einmal dort aufzutanken. Für ihn ist Taizé ein ganz besonderer Ort. Er kennt Taizé seit seiner frühen Kindheit.

Ich war mit 5 Jahren das erste Mal in Taize und dort gab es immer ein großes Programm für Kinder. Dort war ich dann auch in der Kindergruppe, hab dort gespielt, viele Leute kennengelernt, z.b. jemanden aus Südafrika. Und bei den Gottesdiensten konnte man dann immer bei Frère Roger sitzen, einfach bei ihm sein und dort die Gottesdienste miterleben, als ein kleines Kind. Das war natürlich etwas ganz Besonderes, wo man heute immer noch dran denkt.

Die Nähe zu Frère Roger, dem Gründer und charismatischen Leiter der Gemeinschaft der Brüder von Taizé hat viele Jugendliche in Taizé immer wieder neu fasziniert. Aber nicht nur das, meint Lukas:

In Taizé kommen halt viele Leute hin, die einfach glauben, und das ist heute nicht mehr so ganz selbstvertändlich. Und es macht einfach Spaß, mit Leuten zusammenzusein, die vielleicht gleiche Ansichten haben, mit denen man reden kann über Glauben, Gott und so weiter.

Ähnlich sieht es auch Sandra, 30 Jahre und Erzieherin. Auch sie war schon oft in Taizé und ist begeistert davon, ...

... dass jeder so angenommen wird, wie er ist; dass es ganz verschiedene Menschen gibt und die sich alle irgendwie verstehen können.

Aber da gibt es noch etwas für sie, was für sie zum Wesen und zur Mitte von Taizé gehört. Und das sind die Gottesdienste:

Also von mir aus hätte der Gottesdienst den ganzen Tag gehen können. Nicht nur morgens, mittags und abends. Das war wirklich so zur Ruhe kommen und sich 'was Gutes tun.

2005 wurde Frère Roger im Abendgottesdienst von einer geistig verwirrten Frau ermordet. Viele machten sich Sorgen, wie es weitergehen würde mit der Bewegung von Taizé.

Teil II
Fünf Jahre ist es nun her, seit Frère Roger, der Prior und Gründer des Klosters von Taizé in Burgund. Im Abendgottesdienst ermordet wurde. Viele haben sich damals Sorgen gemacht, wie es weitergehen würde, gerade auch die vielen Jugendlichen, die Jahr für Jahr dorthin gehen, um über ihren Glauben nachzudenken. Aber auch die vielen Erwachsenen, die dort vor vielen Jahren als Jugendliche einmal waren und nun in den Kirchengemeinden hier engagiert sind. Wie sehr der Tod von Frère Roger die Brüder dort immer noch bewegt, erzählt Frère Alois. Mit ihm habe ich Mitte der 70er Jahre dort Jugendliche empfangen, nun ist er selbst der Nachfolger von Frère Roger.

Zunächst muss ich sagen, dass Frère Roger uns fehlt, er fehlt uns immer noch, denn durch seine Art, als er noch da war, selbst als er alt war, einfach seine Gegenwart, seine Präsenz hat unser Zusammenleben geprägt. Und für mich ist es natürlich eine große Veränderung gewesen, als ich dann nach ihm diese Verantwortung des Priors übernommen habe. Aber andererseits bin ich auch sehr dankbar, weil alle Brüder das mittragen. Ich sehe es nicht so sehr, dass ich der Nachfolger von Frere Roger bin, sondern wir alle, wir Brüder.

Und das heißt: er besucht junge Christen in der ganzen Welt, die unter schwierigsten Bedingungen ihren Glauben leben. Dafür ging er schon bis nach China, Kenia und in viele andere Länder. Eine ganz wichtige Aufgabe und ein Herzensanliegen bleibt es ihm aber, Menschen in Taizé zu empfangen und sie ein Stück auf ihrem Glaubensweg zu begleiten.

Es ist sicher wichtig, dass in Taizé die Jugendlichen weiterhin spüren, wir haben hier den ersten Platz. Aber das bedeutet überhaupt nicht, dass Erwachsene hier nicht willkommen sind. Im Gegenteil. Es ist ganz wichtig, dass Jugendliche hier auch auch in den Gesprächen, auch in der Kirche deutlich sehen, dass wir nicht einfach nur eine Jugendkirche machen. Wenn wir das Gespür für Gemeinschaft, für Kirche wecken wollen, dann gehört auch dazu Gemeinschaft über die Generationen hinweg.

Und solch eine Gemeinschaft wird in vielen Kirchengemeinden hier vor Ort gelebt. Erwachsene hier, die vielleicht als Jugendliche in Taizé waren haben verstanden, was den Brüdern von Taize von Anfang an eines der wichtigsten Anliegen war und bleibt. Frère Alois beschreibt es so:

Es stimmt schon, Mitte der 70er Jahre hat Frère Roger und haben wir diesen Weg ganz deutlich eingeschlagen, den Jugendlichen zu sagen, geht in eure Ortskirchengemeinde. Der Bezugspunkt im Glauben kann nicht in Burgund in Taizé sein, sondern muss vor Ort sein, sucht dort nach Gemeinschaft.

Teil III
Allein zwölf Melodien im Evangelischen Kirchengesangbuch zeugen davon, wie stark die berühmten Gesänge aus dem Kloster von Taizé in die Gottesdienste unserer Kirchengemeinden hineinwirken. Und es sind nicht nur die Gesänge. Gerade auch das Moment der Stille, das Ausruhen wird in der Liturgie immer wichtiger. Viele Kirchengemeinden bieten mittlerweile ein Gebet nach der Liturgie von Taizé an.
In der Gemeinde, in der ich Pfarrer bin, in Winzenheim bei Bad Kreuznach, treffen sich  seit 20 Jahren Menschen aller Generationen jeden Mittwoch zum Taize-Gebet. Günther Maltzan, Hauptkommissar bei der Polizei, ist wenn es geht, immer dabei.

Ja, das Taizegebet hier Mittwoch abend ist für mich der Ruhepol der Woche. Da kann ich abschalten, kann Gott nahe sein, meinen Gedanken nachhängen und gute Gedanken kommen auf.

Günther Maltzan kommt immer mit seiner Familie. Auch für seine Tochter Sandra, die 30 jährige Erzieherin, ist dieser Mittwochabend ein ganz wichtiges Datum in der Woche.

Es ist genau die Mitte der Woche, es ist Zeit zum Kraft schöpfen. Man hat Mut für den Rest der Woche für alles, was vor einem liegt und es kommt immer der Wunsch hoch, mal wieder nach Taize zu fahren.

Diesen Wunsch hatte lange auch Marga Feld. Sie war noch nie in Taizé. Nun ist sie 85 Jahre alt, und weiß, dass sie wohl nicht mehr dorthin fahren wird. Sie kennt Taizé aber aus aus vielen Büchern, aus vielen Erzählungen und sie hat es einfach im Herzen. Auch sie findet für ihren Glauben etwas ganz Besonderes in diesen Gebeten.

Taizegebet am Mittwochabend ist für mich Oase der Woche. Ich komme hierhin ziemlich beladen, und gehe weg und habe viel, viel losgelassen und bin wieder befreit und freue mich, dass es diese Abende gibt. Ich freue mich, das ich hier singen kann und zwar die Lieder, die ich von Herzen, im wahrsten Sinnne des Wortes von Herzen singe und die Worte, die mich wieder auch im Herzen berühren und zur Freude bringen.

Und vielleicht ist es ja genau dass, was die Brüder von Taizé von Anfang an wollten. Menschen die Freude des Glaubens, die Freude, die Gott an ihnen hat, nahebringen.
Ich selbst bin seit über 40 Jahren immer wieder in Taizé gewesen. Und ich weiß, dass man Taizé in unseren Kirchengemeinden nicht einfach kopieren kann und darf. Aber die eigenen Erinnerungen und die Lieder wie Marga Feld im Herzen tragen, das darf ich schon.

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