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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„(Immer neue) Unzufriedenheit gehört untrennbar zum modernen Kapitalismus. (Denn) satte Bürger sind schlechte Konsumenten." Mit dieser Kritik trifft  der Philosoph Richard D. Precht ins Schwarze. Auch wenn es ansonsten am Kapitalismus nichts zu kritisieren gäbe,  es bliebe immer noch die durch Angebot und Werbung stets geschürte Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit fördert den Konsum und hält die Wirtschaft am Laufen. Heute verspricht die Werbung mit einer Zahnpasta brillant-weiße Zähne und strahlendes Lächeln. Doch schon morgen preist sie eine andere Marke und noch weißere Zähne an. Was mich heute noch zufrieden macht, ist morgen schon unbefriedigend und ich muss es ersetzen.
Klar, wir könnten dieser Unzufriedenheit entfliehen, z.B. durch Bescheidenheit und Verzicht. Wer wie ein Asket lebt und sich auf das Allerwesentlichste beschränkt, an dem perlen Werbung und geschürte Unzufriedenheit ab wie Tropfen an einem Regenmantel. Freilich ist eine solche Lebensweise allenfalls für Mönche und Gurus einladend, aber nicht für die Mehrheit der Menschen.
Die Bibel geht einen anderen Weg. Sie setzt nicht auf Verzicht, sie verspricht die Fülle, den Überfluss. Sie betont immer wieder: Leben, Glück und Erfüllung sind in überreichem Maß allen Menschen zugedacht - und reichen für alle. Deshalb beginnt Jesus  sein Wirken im Johannesevangelium mit einem Wunder: Er verwandelt eine übergroße Menge Wasser in köstlichen Wein. Der reicht für alle, niemand kommt zu kurz. Es gibt hier keinen  Grund zur Unzufriedenheit  - und auch keine Notwendigkeit zu verzichten.
Freilich verspricht Jesus nicht die endgültige Zahnpasta oder die ultimative Faltencreme. Er verspricht die Erfüllung der Sehnsucht, die hinter diesen Produkten steht: Die Sehnsucht nach erfülltem Leben. Wenn aber meine eigentliche Sehnsucht erfüllt wird, dann kann mich die bunte Warenwelt des Konsums nicht dauerhaft unzufrieden machen. Ich muss nicht vorläufigen Angeboten nachjagen, wenn mir das endgültige Angebot gemacht wird.
Natürlich brauche ich auch weiterhin eine ordentliche Zahnpasta. Aber von deren Qualität hängt nicht mein Leben ab, nicht einmal meine Zufriedenheit. Denn eine Zahnpasta ist für mich nur eine Zahnpasta und nicht das Angebot von unwiderstehlichem Lächeln oder gar glücklichem Leben. Da verlasse ich mich lieber auf das Angebot, das die Bibel macht.

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