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SWR3 Worte

Es geschah beim Besuch einer Frau, die im Sterben lag.
Ihre Augen waren geschlossen, ihre Hände kreisten unruhig über die Bettdecke...
Ich legte meine rechte Hand auf ihre drauf. Vielleicht wollte ich mich nur bemerkbar machen, vielleicht wollte ich sie auch trösten. Was dann folgte, hat mich überrascht.
Sie zog ihre Hand unter der Meinen heraus und legte sie auf meine oben drauf. Durch diese unscheinbare Bewegung haben wir die Rollen vertauscht....
Sie war die Tröstende. Aber keiner von uns brauchte Trost in dieser Stunde. Darum drehte ich meine Hand um und formte mit meiner nach oben gerichteten Handfläche eine Kuhle.
Hier lag nun ihre rechte Hand, ruhig und leicht.

Was diese Frau brauchte, war kein Trost, der von oben kommt...
Sie wollte sich in dieser Stunde fallen lassen und dabei gehalten werden. Vielleicht sogar geborgen fühlen. Mehr nicht. Um dann in die Hände Gottes zu fallen.

Raimar Kremer

Aus:
Tröstet, Tröstet, Seelsorge in der Verkündigung, Verkündigung in der Seelsorge,  Hrsg. Doris Joachim- Storch, Raimar Kremer, Materialheft des Zentrums Verkündigung der EKHN, Frankfurt 2010, S.123

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