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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Beten bringt nichts. Was soll auch dabei herauskommen, wenn man mit jemand spricht, der keine Antwort gibt! Beten ist in der Tat eine einseitige Angelegenheit. Ob es deshalb aber nichts bringt, ist eine ganz andere Frage. Die Religionslehrerin eines Gymnasiums hat vor einiger Zeit dieses Thema mit Schülerinnen und Schülern einer sechsten Klasse behandelt. Auf ein großes Blatt schrieb sie den Satz: „Gott spricht, aber er antwortet nicht." Die Kinder bekamen den Auftrag, diesen Satz zu erklären. Dazu sollten sie ihre Gedanken auf das große Papier schreiben. Die Lehrerin war ziemlich gespannt, ob die Kinder mit dem Satz überhaupt etwas anfangen konnten. Aber ihre Skepsis war unbegründet. Die Kinder schrieben munter drauf los. Nach zehn Minuten lasen sich die Schülerinnen und Schüler ihre Kommentare gegenseitig vor. Schnell wurde deutlich, dass es für die Kinder kein Problem war, dass Gott nicht wie ein Mensch antworten kann. „Ist ja klar. Denn er ist ja keine richtige Person." schrieb beispielsweise die zwölfjährige Pia. Fast alle Kinder machten aber deutlich, dass Gott auf irgendeine Art und Weise in den Menschen spricht. Pia sagte es so: „Er ist halt ein Teil von mir. Und ja, er spricht durch mich mit mir." Denise formulierte es anders, aber im Prinzip ähnlich: „Er gibt uns eine Antwort. Die er aber nicht ausspricht. Denn die Antwort von Gott, die wir meist suchen, ist in unserem Herzen. Wir müssen sie nur finden." Gott spricht also im Menschen, auch wenn er nicht wie ein Mensch antwortet - das schien für die Kinder die Lösung zu sein. Wer also betet, seine Sorgen und Freuden Gott anvertraut, in dem verändert sich etwas - ob nun in Gedanken oder in Gefühlen. Vielleicht deshalb, weil er das Gefühl hat, dass ihm jemand zuhört. Für die elfjährige Verena ist das jedenfalls das Entscheidende: „Gott spricht mit uns beim Beten, indem er zuhört. Antworten kann er nicht. Aber wir wissen, dass er zuhört, und das ist auch eine Antwort."

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