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SWR2 Wort zum Tag

Das ist nicht konsequent! Dieser Vorwurf wiegt schwer. Konsequenz nämlich, so hört man immer wieder, ist der Schlüssel - zu gelingender Kindererziehung ebenso wie zu nachhaltiger Politik. Was man angekündigt hat, muss man auch umsetzen, andernfalls wird man unglaubwürdig, schafft keine Verlässlichkeit und kein Vertrauen.

Das ist nicht konsequent! Einer, der von inkonsequentem Verhalten enttäuscht worden ist, war auch der Prophet Jona. Sie kennen ihn vielleicht als denjenigen, der nach der Überlieferung der Bibel - und übrigens auch des Koran - im Bauch eines Fisches vor dem Ertrinken bewahrt wurde.

Es lohnt sich, die ganze abenteuerliche Geschichte des Propheten mal nachzulesen. Das Buch Jona ist nur schmales Bändchen in der Bibliothek der Bibel. Und mein Literaturtipp heute zum Welttag des Buches.

Aber zurück zur Geschichte. In diese missliche Lage im Bauch des Fisches war Jona geraten, weil er sich geweigert hatte, dem Auftrag Gottes zu folgen und den bösen Bewohnern der Stadt Ninive ihren Untergang anzukündigen. Der Fisch aber, so erzählt die Bibel, bringt ihn wieder an Land, und nun stellt sich Jona seiner Aufgabe. „Es sind noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen," richtet er Gottes Botschaft an die Stadt aus. Die Bewohner von Ninive aber kommen zur Besinnung. Sie bereuen und ändern ihr Verhalten. Und Gott bereut seine Ankündigung. Er zerstört die Stadt nicht.
Ende gut, alles gut, könnte man meinen. Nur Jona ist beleidigt und frustriert. Das wusste ich doch, Gott, betet er, dass du letztlich nichts tun wirst. Deshalb wollte ich ja von Anfang an nicht gehen! Du bist eben nicht konsequent!

In der Tat: Gott hatte den Untergang angekündigt, ohne wenn und aber. Und selbst wenn - bei schweren Vergehen kann Reue die Strafe mildern, aber erlassen werden kann sie deshalb nicht.

Der biblische Gott ist nicht konsequent. Er kündigt den Untergang an und überlegt es sich dann anders. Oder, noch schlimmer: Er zerstört die Erde und bereut es nachher, wie bei der Sintflut. Das kann das Gottesbild ins Wanken bringen. Kann man so einem Gott Glauben schenken, vertrauen?

Es kann aber auch zum Nachdenken anregen. Über die Bedeutung von Konsequenz - und vor allem über ihre Grenzen. Jona versteht das übrigens am Ende des Buches. Und akzeptiert, dass manchmal Gnade vor Recht ergehen kann.

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