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SWR2 Wort zum Tag

Kinder kriegen ist teuer. Ich meine dabei nicht das Geld, das Kinder kosten, wenn sie mal auf der Welt sind, sondern die Kosten, die schon vorher entstehen. Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, Geburt und einige Tage im Krankenhaus - selbst ohne besondere Komplikationen kommen da leicht mehrere tausend Euro zusammen. Eine ganze Menge Geld. Gut, dass wir als Eltern da die Solidargemeinschaft der Krankenversicherung in Anspruch nehmen konnten.

Dass das so funktioniert, ist allerdings nicht mehr selbstverständlich. „Gesunde Verhältnisse" ist deshalb dieser Tage das Motto der ökumenischen „Woche für das Leben". Es geht darum, wie ein gerechtes Gesundheitssystem aussehen kann. Die Probleme sind offensichtlich: Die medizinischen Möglichkeiten werden besser und dadurch oft teurer, die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt. Das treibt das System an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.

„Einer trage des anderen Last", heißt es in der Bibel. Wenn es um die Kosten für Krankheit und Pflege geht, wird das sehr konkret. Und nicht alle Beitragszahler sind noch damit einverstanden, dass die hohen finanziellen Belastungen einfach solidarisch verteilt werden.

Natürlich gibt es auch gute Gründe, kritische Fragen zu stellen. Warum soll einer, der sich keine Reise leisten kann, mit seinen Krankenkassenbeiträgen für die Verletzungen der Skiurlauber aufkommen? Wenn Sie sich mit regelmäßigen Nordic-Walking-Runden fit halten, haben Sie sich vielleicht auch schon gefragt, warum Sie die Krankheitskosten derjenigen tragen sollen, die jeden Appell zu gesundheitsbewusstem Verhalten ignorieren. Und warum soll ich es finanziell mittragen, dass manche Leute wegen jeder Erkältung zum Arzt laufen?

 In der Tat, unser Gesundheitssystem ist darauf angewiesen, dass jeder mit seiner Gesundheit und den zur Verfügung stehenden Ressourcen verantwortlich umgeht. An manchen Stellen könnten da vielleicht veränderte Rahmenbedingungen mithelfen. Allerdings: Alle wird man so nicht zur Vernunft bringen. Ein solidarisches System lebt davon, dass ich bereit bin, auch diejenigen zu unterstützen, die es gemessen an ihren Beiträgen oder ihrem Verhalten eigentlich nicht „verdient" hätte.

Und das ist, finde ich, auch in richtig so. Die Würde des Menschen nämlich, das ist eine zentrale Einsicht des christlichen Glaubens, ist nicht abhängig von seinem materiellen Verdienst, aber auch nicht von seinen ideellen Verdiensten, seinem guten oder schlechten Verhalten. Die Würde ist ein Geschenk Gottes an alle Menschen. Deshalb soll allen Menschen unabhängig von ihren Verdiensten ein menschenwürdiges Leben möglich sein. Und ich meine: ein angemessener Zugang zu medizinischer Versorgung gehört zu einem Leben in Würde entscheidend dazu.

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