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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Expertin für Sonntagsbraten sucht Zuhörer", „Experte für Lebensfreude sucht Rollstuhlschieber" und „Expertin für Liebeskummer sucht Ausgehhilfe", das sind die Titel von drei Plakaten einer Kampagne. Die Kampagne heißt: „Experten fürs Leben" und wird getragen vom Deutschen Caritasverband. Abgebildet auf den Plakaten sind alte Menschen mit faltigen Gesichtern und grauen Haaren. Man sieht ihnen ihr Alter an. Aber sie schauen voller Lebensfreude in die Kamera. Sie sind Experten fürs Leben. Sie haben viel erlebt und durchlebt und haben daher einiges zu erzählen. Vom Krieg, den Aufbaujahren und dem Leben unter ganz anderen Umständen als heute. Aber nicht nur Erfahrungen, sondern auch konkretes Wissen können sie weitergeben. Von alten Kochrezepten bis hin zu der Kunst eine Trockenmauer zu errichten. Das Gute an dieser Aktion ist, dass sie ehrlich ist: Die Alten dürfen alt sein. Graue  Haare und faltige Gesichter sind erlaubt. Es geht darum, selbstbewusst alt zu sein und nicht als alter Mensch einem Jugendlichkeitsideal hinterher zu jagen. Und die Plakate zeigen deutlich, dass ein Gesicht mit vielen Falten sehr wohl schön sein kann. Schöner - und auf alle Fälle interessanter - als eine vom Chirurgen glatt gespritzte Maske. Und zu dieser Ehrlichkeit gehört es auch, dass neben dem Expertentum der Alten auch ihre Hilfsbedürftigkeit angesprochen wird: „Experte für Lebensfreude sucht Rollstuhlschieber", „Expertin für Sonntagsbraten sucht Zuhörer". Die Kampagne zielt auf das Miteinander der Generationen. Die Jungen können von der Lebenserfahrung der Alten profitieren, aber umgekehrt sind die Alten auch auf die Hilfestellungen der Jungen angewiesen. Das Geben und Nehmen unter den Generationen ist nicht immer einfach. Dabei ist das Annehmen-können oft schwerer als das Geben-wollen. Das gilt sowohl für die Alten als auch für die Jungen. Aber wer gerne schenkt, muss sich auch beschenken lassen, sonst klappt es nicht mit dem Miteinander.

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