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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wie ist das eigentlich - nach dem Tod?
Ich erinnere mich noch gut: ein paar Wochen vor seinem Tod sprach mein Vater  oft vom Sterben. Das Thema beschäftigte ihn sehr, aber wie das so ist: keiner hat das so ganz ernst genommen. Schließlich war er erst 73, wirkte fit und lebte gerne. Und wir wünschten uns alle, dass er noch lange leben möge. Vom Tod wollten wir nichts wissen.
Aber er hatte wohl eine Todesahnung und er wollte sich vorbereiten.
Jedenfalls, einmal sagte er etwas, das habe ich noch nie so gehört. Er sagte:
„Ich bin gespannt darauf, wie das wohl sein wird." Und es klang wirklich interessiert und voller Erwartungen.

Eigentlich hatte er ja Recht: Wenn man an ein Leben nach dem Tod glaubt, könnte man doch auch gespannt darauf sein, was einen da erwartet.

Aber irgendwie ist das Thema unangenehm. Im Diesseits wissen wir wenigstens, was wir haben. Aber das Jenseits, das geht einfach über unsere Vorstellungs-kraft. Und außerdem: wenn man bedenkt, was man so alles falsch gemacht hat im Leben, wer weiß, was einem da blüht...?

Mir macht das auch manchmal Sorgen. Zwar weiß ich, dass ich bei Gott gut aufgehoben bin. Und ich erlebe das auch immer wieder hier in diesem Leben. Aber wie ist es dann? Wenn ich einmal nach dem Tod vor Gott stehe, genüge ich dann wirklich? Habe ich wirklich genug geglaubt, genug getan, genug geliebt?
Und doch, im tiefsten Inneren weiß ich: Den Himmel kann sich keiner verdienen. Der Himmel ist geschenkt.

Ein Arzt erzählte mir von einer sterbenden Frau, die hatte keine Angst; die wollte in den Himmel. Sie vertraute ihm auch an, dass sie gelegentlich mit ihren verstorbenen Verwandten spreche. Und dass die schon auf sie warten würden.

Jeden Morgen, bei der Visite, sagte sie zu dem Arzt:
"Die Tür ist noch nicht offen."
Aber an ihrem letzten Morgen war es anders; da sagte sie:
"Jetzt geht die Tür langsam auf."
In der Nacht starb sie. Und sie muss wohl heiter durch die Tür gegangen sein, denn lag da, erwartungsvoll und feierlich.

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