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SWR2 Wort zum Tag

Die Kirchen denken heute an den heiligen Josef, den Vater oder Pflegevater Jesu. Wie bei anderen frühen Heiligen in der Kirchengeschichte, wissen wir auch von Josef aus Nazaret herzlich wenig, nur dass er Zimmermann war. Und bei der Verehrung, die seine Frau Maria in der Kirche erfährt, gerät er schnell in den Hintergrund.
In der Bibel gibt es beides: Da spricht Jesus von Gott als Vater. Andererseits wird für Jesus ein Stammbaum angeführt, der von König David bis hin zu Josef, seinem Vater geht. Und die Leute nennen Jesus auch oft den Sohn des Zimmermanns. Für mich ist Josef neben Maria ein Garant für die Menschlichkeit Jesu.
Da Jesus erst mit ungefähr dreißig Jahren öffentlich aufgetreten ist und seine Botschaft verkündet hat, nehme ich mal an, dass er nicht immer schon wusste, welchen Weg er zu gehen hat. Ich stelle mir vor, dass er als ganz gewöhnliches Kind in Galiläa aufgewachsen ist und als junger Mann einen Beruf, vielleicht den seines Vaters, gelernt und auch eine Weile darin gearbeitet hat. Dann hat er offensichtlich erkannt, dass er einen anderen Weg gehen muss und hat den Menschen von Gottes Liebe erzählt. Wie genau das alles passiert ist, das fände ich sehr spannend, aber das weiß ich leider nicht. Die späteren Texte der Bibel wie das Johannesevangelium schildern Jesus als jemanden, der immer schon alles weiß. Die Autoren haben sich das bei der göttlichen Abstammung Jesu wohl nicht anders vorstellen können. In anderen Texten allerdings erlebt man Jesus als Menschen, der seinen Weg finden muss. Da ist immer wieder die Rede davon, dass er in die Stille oder in die Wüste geht. Am Ende betet er sogar darum, dass der Kelch an ihm vorübergeht, dass er nicht leiden muss. Der Jesus, der mir da geschildert wird, das ist für mich ein wirklich Mensch gewordener Gott. In ihm kann ich mich wieder erkennen.
Und an dieser Stelle kommt für mich wieder Josef ins Spiel. Gemeinsam mit Maria und der ganzen Familie war er für Jesus ein Rückhalt, hier hat Jesus gelernt zu lieben. An Josef wird er erfahren haben, wie ein guter Vater ist. Und alles andere, was Menschen so lernen, bekommt Jesus auch aus seiner Familie mit.
Und für noch etwas möchte ich Josef gerne verantwortlich machen: dafür dass Jesus in seine jüdische Religion hineingewachsen ist, dass er die heiligen Schriften seines Volkes kennengelernt hat, auf ihnen aufbauen konnte. Jesus hat seinen Glauben als befreiend und stärkend erlebt, nur so konnte er Gott später als liebenden Vater verkünden Josef hat daran sicher seinen Anteil gehabt, und dafür bin ich ihm dankbar.

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