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SWR3 Gedanken

Nein, lieber Kollege beim WDR – der Trost wäre zu billig.
„Der katholischen Kirche dürfte ein Stein vom Herzen fallen,
dass sie nicht mehr allein am Pranger steht im Missbrauchs-Skandal…“,
sagten sie letzten Montag. Und weiter:
„Jetzt meldete auch ein nicht katholisches Internat sexuellen Missbrauch...“
Nein wirklich: Dass jetzt auch anderswo Missbrauch ans Licht kommt,
und auch andere Misshandlungen – das macht es ja nur schlimmer.
Noch nie und niemandem hat es geholfen, auf andere zu zeigen:
Sind die schlimm – bin ich weniger schlimm.
Dem Opfer ist es egal, wo ihm Gewalt angetan wurde –
es ist verletzt, trägt eine übergroße Last, ein Leben lang…
Gut ist es natürlich trotzdem,
dass die Verbrechen in anderen Institutionen jetzt auch herauskommen.
Gut, weil es den entsetzten Blick noch einmal weitet.
Pädosexuelle Übergriffe sind ein Problem der ganzen Gesellschaft.
Und deswegen muss auch in der Gesellschaft darüber geredet werden.
Das ist ein sehr schmerzlicher Prozess – gerade auch in der Kirche.
Es tut weh, den Opfern zuzuhören, ohne sie noch einmal zu verletzen.
Aber es wird versucht. Bald gibt es eine bundesweite hotline,
die Internet-Seite sollte schon online sein…
Täter werden gefunden und benannt, manche zur Verantwortung gezogen,
selbst wenn ihre Verbrechen inzwischen verjährt sind.
Der runde Tisch wird kommen – mehr als ein interessantes Möbelstück.
Die Kirche wird die Fastenzeit als Bußzeit sicher verlängern müssen,
über Ostern hinaus. In sich gehen, hinschauen;
entdecken, was nicht in Ordnung war oder ist -
im eigenen Leben, im eigenen Laden…
Möglichst alles aufdecken und sich dazu bekennen –
um Entschuldigung bitten und auf Vergebung hoffen.
Das ist nämlich die frohe Botschaft unserer Fastenzeit:
Wer wirklich bereut und sich auf den Weg der Besserung macht,
dem schenkt Gott eine neue Chance.
Und vielleicht schaffen das ja auch die Opfer von damals und heute.
Der Stein, lieber WDRKollege, liegt jedenfalls erst mal noch auf uns…
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7894