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SWR3 Gedanken

Insassen des KZ Auschwitz haben in ihrer Gefangenschaft heimlich und unter Lebensgefahr Märchen geschrieben. Für ihre Kinder in der Freiheit. Obwohl sie annehmen mussten, dass sie nie gelesen werden. Jetzt sind die Märchen ans Tageslicht gekommen und in dem Buch „Märchen aus Auschwitz“ veröffentlicht worden.
Das Märchen von Henryk Czulda für seinen Sohn Zbys beginnt so: „Ich weiß nicht, ob ich lebendig aus dem Todeslager rauskomme. Ich weiß nicht, ob Gott mir erlaubt, dich noch zu sehen und deine Mami. Ich weiß nicht, ob dieses Märchen jemals in deine kleinen Händchen kommt. Aber trotzdem habe ich beschlossen, für dich, mein allerliebster blonder Zbys, diese Bildchen zu malen.“
In Auschwitz ist ein Band mit sechs Märchen entstanden, liebevoll mit Bildern illustriert. Sie handeln von hartherzigen Riesen, paradiesischen Gärten oder von Küken, die die Welt erkunden wollen.
Die Märchen sind unter riskanten Bedingungen entstanden. Henryk Czulda und seine Mithäftlinge bekamen Zugang zu Farbe und Pauspapier, weil sie für das Vernichtungslager Erweiterungspläne zeichnen mussten. Henryk durchlitt mit dem Märchenband in der Tasche noch eine Odyssee durch andere Lager. Aber er konnte ihn irgendwann persönlich seinem Sohn in die Hand drücken. Das war anderen Häftlingen nicht vergönnt. Für ihre Kinder und Enkel ist der jetzt veröffentlichte Märchenband die einzige Erinnerung an ihre Väter und Großväter.
Ein Buch, das zum Heiligtum wird. Dadurch, wie es entstanden ist, was es mitgemacht hat und welche Geschichten es erzählt: Geschichten von der Liebe der Eltern, Geschichten von der Sehnsucht nach Frieden und einem Wiedersehen. Für die Nachkommen sicherlich so etwas wie eine Heilige Schrift.
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