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SWR2 Wort zum Tag

Ich komm’, weiß nit woher.
Ich geh, weiß nit wohin.
Mich wundert’ s, dass ich fröhlich bin.


Passt dieser Vers zum Aschermittwoch? Der heutige Tag ist doch nicht fröhlich, sondern ernst: „Bedenke, oh Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst”. So heißt es heute, und dabei wird Asche aufs Haupt gestreut oder ein Kreuz mit Asche auf die Stirn gezeichnet. Seit bald 1000 Jahren gibt es diesen Brauch. Nicht Fröhlichkeit ist heute das Thema, sondern Vergänglichkeit. Und beim Gedanken an den Tod,- den Tod geliebter Menschen und den eigenen - da kann ich nur sagen: Wen wundert`s, daß ich traurig bin!
Aber das ist nur die eine Seite dieses Tages. Die Liturgie kennt auch einen anderen Satz, der beim Austeilen der Asche gesprochen werden kann: „ Kehrt um und glaubt an die frohe Botschaft!” Gemeint ist die Botschaft von Ostern. Kehrt um und glaubt, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist und dass für keinen Menschen der Tod das Ende ist. Das ist der Inhalt des Aschermittwochs. Freude, die der Erfahrung des Todes standhält. Und der Appell dieses Tages heißt dann: aufmerksam werden auf die Erfahrungen, die bei mir unterbelichtet sind: ob ich nur das Feuer des Lebens sehe, oder nur die Asche, den Staub. Die Chance dieses Tages liegt dann darin, die Augen zu öffnen für das Leben in all seinen Facetten. Für die Fragen, die Widersprüche, die Zeichen des Vergehens - und für die Spuren von Freude, Hoffnung, Liebe und unzerstörbarem Leben.
Das geht nicht in einem Tag. Aber vielleicht kann sich in den nächsten 6 Wochen etwas bewegen. Die Fastenzeit ist ja nicht dazu da, sich das Leben zusätzlich schwer zu machen. Viele Menschen haben ohnehin genug zu tragen. Der Sinn ist, sich auf Ostern vorzubereiten, und das heißt, einen realistischen Glauben an das Leben zu finden. Einen Glauben an das Leben, der den Tod nicht verharmlost und auch nicht absolut setzt.
Der Aschermittwoch und die Fastenzeit sind ein Angebot aus der langen Glaubenstradition der christlichen Kirche, das Angebot, mit einer begründeten Hoffnung leben zu lernen.
Das Kreuz aus Asche sich auf der Stirn zeichnen zu lassen, um mit ihm auf die frohe Botschaft von Ostern zu schauen.
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