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SWR2 Wort zum Sonntag

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
längst ist es Herbst geworden. Die Tage sind kurz und die Nächte lang. Das Wetter oft kalt und regnerisch. Wohl auch deshalb, weil der Herbst die Zeit des Sterbens und Sich-Zurückziehens in der Natur ist, ist der November der Monat mit den meisten Totengedenktagen: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag.
Die Menschen denken an ihre Verstorbenen: gute, vielleicht manchmal auch etwas melancholisch eingefärbte Erinnerungen steigen auf, Trauer über einen noch frischen Verlust, Dankbarkeit, jemanden gehabt zu haben. Für den einzelnen Menschen wie für eine Gesellschaft ist es wichtig, gerade im mitmenschlichen Bereich auch eine Kultur der Erinnerung zu pflegen. Ob eine Gesellschaft noch human denkt, sieht man auch an ihrem Umgang mit dem Tod und mit den Toten. Sind sie vergessen und abgeschrieben – oder gibt es eine Verbundenheit der Generationen auch über den Tod hinaus?
Das katholische Allerheiligenfest, das wir zu Beginn des November-Monats gefeiert haben, zeigt allerdings bereits, dass diese Kultur der Erinnerung und des Gedenkens nicht ein rein rückwärts gewandtes Denken ist. Wir schauen voraus auf das, worauf wir nach der Botschaft der Bibel hoffen dürfen.
Als Christen leben wir aus dem Glauben, dem Tod in unserem Leben nicht das letzte Wort überlassen zu müssen. Keine Frage, er ist mächtig und schneidet tief ein in unser Leben. Er beendet langjährige Verbindungen der Liebe und Zuneigung, manchmal unerwartet von einem Moment auf den anderen. Doch damit hat sich der Mensch von Anfang der Zeiten an nicht abfinden wollen. In seinem Buch „Personen“ hat der Philosoph Robert Spaemann daher die Unsterblichkeit des Menschen als ein Postulat, also eine Forderung der Liebe bezeichnet.
Der Glaube greift diese Forderung der Liebe auf. So hofft der Christ gegen die mächtige Erfahrung des Todes auf den je größeren Gott des Lebens. Er hofft darauf, dass der Tod nicht die Macht hat, die Existenz des Menschen ganz auszulöschen, sondern dass Gott den Menschen ins Leben hinüber rettet. Das wollen die Totengedenktage im November: Sie verweisen auf das Leben mit Gott. Sie sagen: Dein Leben geht nicht ins Leere. Es geht auf Gott zu.
Dies ist möglich, weil Gott auf uns Menschen zugekommen ist. Jetzt zum Jahresende hin werden die Tage immer noch kürzer, das Dunkel scheint immer noch mehr zuzunehmen. Doch dann, wenn das Licht am schwächsten erscheint, dann sagt uns die Kirche, dass die Rettung bereits gekommen ist, in Jesus Christus.
Immer wieder dürfen wir uns das sagen lassen, und wir dürfen es feiern:
Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. So sagt es der erste Johannesbrief. Wenn es dunkel, kalt und regnerisch ist, erscheint uns diese Aussage vielleicht noch einleuchtender und trostvoller als sonst. Durch Gott ist ein Licht aufgestrahlt im Dunkel der Welt, das nie mehr verlöschen wird. Es will auch denen leuchten, die einen lieben Menschen verloren haben. Was für ein großer Trost ist es, dass Gott uns nie allein lässt.
Ich wünsche Ihnen einen lichtvollen Sonntag. https://www.kirche-im-swr.de/?m=7207