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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Warum dauert „gleich“ immer so lange?“ hat mich kürzlich ein Kind gefragt.
Ich habe erst gar nicht verstanden, was es meint. „Gleich“ heißt zwar nicht „sofort“, aber eben noch „gleich“, sozusagen: als nächstes.
Aber dann ist mir eingefallen, wie oft ich sage: „Gleich komme ich! Gleich habe ich Zeit!“ Das dauert dann manchmal ziemlich lange.

„Warum dauert „gleich“ immer so lange?“ Hinter der Frage steckt so viel Ungeduld. Und auch so viel Erwartung und Hoffnung, dass bald etwas passiert.

So ähnlich ist es schon den Menschen vor 2000 Jahren gegangen.
Jesus hatte zu ihnen gesagt: „Gottes neue Welt ist angebrochen!“ (Mk 1,15) und sie haben gewartet und gedacht: Gleich wird sich alles verändern. Ganz bald schon wird alles gut werden. So wie Gott es will. Die Menschen waren gespannt und voller Erwartung, wie es wohl sein würde in dieser neuen Welt. Und sie haben alles getan, um gut vorbereitet zu sein.
Nach ein paar Jahren ist die Hoffnung dann kleiner geworden. Sie haben gemerkt, dass „gleich“ lange dauern kann. Und bis heute ist die neue Welt noch nicht vollendet.

Trotzdem glauben wir Christen daran, dass sie eines Tages da sein wird: Gottes neue Welt, in der es keine Tränen mehr gibt und keine Schmerzen, keine Trennung und keinen Tod. Wann, das wissen wir nicht. Und warum es so lange dauert, das kann auch niemand sagen.
So richtig vorstellen kann ich mir auch gar nicht, wie das dann sein wird. Ob dann das Leben hier einfach aufhört? Oder ob auf einmal alles anders ist?

Aber das ist auch nicht das entscheidende, glaube ich. Viel wichtiger als genau zu wissen, was dann passiert, ist es überhaupt zu glauben, dass sich etwas verändern wird. Und zwar zum Guten. Also daran festzuhalten, dass es noch ein „gleich“ gibt, auch wenn es lange dauert.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass immer mehr Menschen nur noch Schlechtes erwarten: Krisen und Katastrophen. Und das sie auch gar keine Lust mehr haben, etwas zu verändern. Bringt ja sowieso nichts, sagen sie.

Wenn ich damit rechne, dass sich etwas zum Guten verändert, dann ist das anders. Dann will ich, dass das Gute kommt. Am besten gleich. Und ich setze mich dafür ein. Das wirkt sich aus. So wird das Leben anders. Jetzt gleich schon ein bisschen. Und irgendwann ganz und gar.

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