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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Der November ist ein besonders anstrengender Monat, finde ich. Ich glaube, das liegt am Wetter. Und an den Feiertagen. Den ganzen Monat über gab es Feiertage, an denen wir an die Verstorbenen gedacht haben. Und an das, was in der Welt nicht so ist, wie es sein soll: Krieg und Gewalt zum Beispiel.
Gestern noch wurden in vielen evangelischen Kirchen die Namen von all denen vorgelesen, die im vergangenen Jahr gestorben sind.
Da wächst bei mir mit jedem Tag die Sehnsucht, dass das Leben anders sein soll. Heller und freundlicher.
Aber wann wird das so?

„Seid bereit und lasst eure Lichter brennen“ (Lk 12,35) hat Jesus einmal gesagt. Dieser Satz gehört in der evangelischen Kirche zu dieser letzten Woche im November. Und ich finde, er gibt einen guten Rat für diese Zeit:
„Seid bereit und lasst eure Lichter brennen!“ Das heißt für mich: Gebt eure Hoffnung nicht auf, dass es heller wird und das Leben wieder leichter. Denn schaut doch mal: Da brennen ja schon Lichter. Und an manchen Stellen ist es ja schon hell.

Das schöne daran finde ich, dass es nicht heißt: „Zündet alle Lichter an“, sondern „lasst eure Lichter brennen!“ Wir müssen also gar nichts Großartiges tun, sondern nur das, was hell ist, nicht auch noch schwarz malen. Sondern es so lassen wie es ist.

Ich denke, das kann man ganz wörtlich verstehen. Viele haben ja im November Kerzen angezündet - auf den Gräbern und in den Kirchen. Die sollen wir brennen lassen. Damit das Licht mitten im Dunkeln leuchtet. Wenigstens ein kleiner Schein. Wir sollen sie brennen lassen - als Erinnerung an die Verstorbenen und als Hoffnungszeichen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.

Und dann waren da im November ja auch die Kinder, die ihre Laternen angezündet haben und damit durch die Dunkelheit gelaufen sind. Sich daran zu erinnern und sich noch einmal zu freuen über die vielen Kleinen, die da durch die Nacht gestapft sind und ihre Lieder gesungen haben – das kann das Leben schon ein bisschen heller machen.

Als Jesus diesen Satz gesagt hat: „Seid bereit und lasst euer Lichter brennen“ da war er fest davon überzeugt, dass das Leben bald anders werden wird, dass sozusagen eine neue Zeit anbrechen wird. Bis heute warten wir noch darauf.
Aber die Hoffnung darauf, die haben die Christen auch heute noch. Darum feiern wir jedes Jahr nach dem November Advent und zünden dann ganz viele Kerzen an, um zu sagen: es ist schon hell für uns, trotz aller Dunkelheit.
Und bis dahin gilt: „Lasst eure Lichter brennen!“

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