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SWR3 Worte

Ist der Kapitalismus eine Religion, so wäre ihr Gott das Geld. ... Geld ist allgegenwärtig und allmächtig, und es lässt die, die ausreichend über es verfügen, an diesen göttlichen Attributen teilhaben. Es gibt nichts, was von der Macht des Geldes unabhängig wäre. Alles ist für Geld zu haben. ... Auf das Geld richten sich die Haltungen, die sonst Gott galten: Vertrauen, Treue, Sicherheit, Geborgenheit, Mut zur Zukunft, Liebe, Hoffnung, unersättliches Begehren. Wo es aber fehlt, herrschen Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit. Geld ist, in den Begriffen der Theologie gesprochen, zum Sakrament der bürgerlichen Gesellschaft geworden: das sichtbare Zeichen der unsichtbaren Gnade. ... Geld ist die schlechthin alles bestimmende Wirklichkeit.

Thomas Ruster, Der verwechselbare Gott. Theologie nach der Entflechtung von Christentum und Religion, Freiburg: Herder 2000, 142fhttps://www.kirche-im-swr.de/?m=7093