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SWR4 Sonntagsgedanken

Teil I
Der Glaube kann einem regelrecht Flügel verleihen! Wer Gott vertraut, kann manches schaffen. Mit Mut und Energie.
Wie jener Mann in der kleinen jüdischen Geschichte, die ich Ihnen heute Morgen erzählen will. Sie spielt in Polen, an der Weichsel, mitten im Winter.

Als Jiri Izrael, einer der Stillen im Getümmel der Welt, seinerzeit bei Torun über die gefrorene Weichsel ging, begann vor seinen Füßen plötzlich das Eis zu brechen.
Und Jiri Izrael sprang von Scholle zu Scholle und sang dabei den Psalm:
„Lobet im Himmel den Herrn, lobet ihn in der Höhe“, und sprang von Scholle zu Scholle, „lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn alle leuchtenden Sterne,“ und sprang von Scholle zu Scholle, „lobet den Namen des Herrn, denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht so weit Himmel und Erde ist!“. Und so gelangte Jiri Izrael, aus der Strömung des Flusses glücklich ans Ufer.

Als ich diese Geschichte zum ersten mal hörte, habe ich dieses schöne Bild vor mir gesehen: wie da einer losspringt von Eis-Scholle zu Eis-Scholle und gut ankommt. Es bleibt ihm zwar nichts anderes übrig als zu springen, wenn er nicht untergehen will. Aber er lässt sich von der Gefahr die droht oder von seiner Angst auch nicht lähmen. Sondern geht einfach los. Und dann erlebt er, dass es geht: Stück um Stück kommt er vorwärts. Er dankt Gott für jeden Schritt, der ihm gelungen ist und singt ihm ein Loblied aus den Psalmen, laut und voller Energie. Und so, singend und springend, gelangt er ans andere Ufer.

Für mich drückt sich darin eine Lebenshaltung aus: Gott dankbar sein für jeden Schritt, der mir gelingt. Und das gibt wieder neue Kraft zum Weitergehen, mir geht es so. Wenn ich bete, wenn ich Gott lobe und ihm danke für jedes Stück, das ich gut voran gekommen bin, dann fällt es mir auch leichter meine Ängste loszulassen und erneut den nächsten Schritt zu wagen. Weil ich mich einer größeren Kraft anvertraue und erlebe, dass diese Kraft mich trägt. Auch wenn mir der Boden unter den Füßen schwankt. Und dann wächst die Hoffnung, dass es gut ausgeht, auch wenn es manchmal nicht gut aussieht. Und dass ein langer oder schwieriger Weg zu schaffen ist. Mit Gottes Hilfe.

Teil II

Da springt einer von Eis-Scholle zu Eis-Scholle und singt dabei einen Psalm aus der Bibel. Er bezwingt seine Ängste und bannt die Gefahr, dass er untergeht und gelangt singend und springend ans andere Ufer des Flusses. Eine echte „Mut-mach-Geschichte“!

Manchmal ist man ja nicht weit davon entfernt, den Mut zu verlieren. Da fällt es einem schwer weiterzugehen, denn so vieles liegt an: ein Berg voller Arbeit oder Probleme, die angepackt werden müssen in der Familie oder am Arbeitsplatz.
Da tut es gut innezuhalten und neue Kraft zu schöpfen. Das kann man heute, am Sonntag, tun. Eine Ruhepause einlegen, zurückblicken auf die vergangene Woche und Gott für manches danken, was gelungen ist. Mit Dank auf das schauen, was ich schon geschafft habe und nicht an dem hängen bleiben, was nicht fertig geworden oder gar misslungen ist. Einmal schätzen, dass man Stück um Stück vorwärts kommt, von Tag zu Tag und von Woche zu Woche, und auf diese Art und Weise am besten das Ziel erreicht. Wie der Mann, der Gott lobt, jedes Mal wenn er die nächste Eis-Scholle erreicht hat. Er denkt nicht an den ganzen Weg, die vielen Abgründe, die er vor sich hat. Er ist dankbar für jeden Schritt, der gelungen ist. Genauso kann und muss auch ich nicht alles auf einmal schaffen.

Ich glaube, es hilft, wenn man sich das ganz bewusst vornimmt: für jeden gelungenen Schritt dankbar zu sein. So wie der Mann auf dem Weg über die Eis-Schollen seine Seele regelrecht ermuntert und auffordert, Gott zu loben.
Das tun ja viel Psalmgebete, sie fordern meine Seele auf, Gott zu loben und ihm zu danken: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Schau mal zurück, meine Seele, auf die vergangenen Tage: da war soviel Gutes und Vieles ist doch gelungen!
Ich bin manchmal auf das Negative fixiert, auf das, was nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Oder ich starre auf meine Angst vor dem, was noch alles kommt. Und Angst lähmt. Aber loben ist gut gegen die Angst. Darum haben zu allen Zeiten Menschen sich anstecken lassen von der Aufforderung, Gott zu vertrauen und Gott zu loben. Einmal hinzuschauen, was Gott mir alles schenkt in meinem Leben, Tag für Tag, auch in der zurückliegenden Woche: „Danke für das Stück, das ich schon geschafft habe. Jetzt geht es auch mit deiner Hilfe, Gott, weiter. Schritt für Schritt.“
Der Sonntag ist eine gute Gelegenheit auf diese Art innezuhalten und neue Kraft zu schöpfen. Versuchen Sie es mal! Sie werden sehen wie gut das tut. Und wie viel leichter es dann weiter geht in die neue Woche. https://www.kirche-im-swr.de/?m=704