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SWR2 Wort zum Tag

Die Frage nach Gott bewegt die Menschen. Immer schon und auch heute. Menschen bestreiten Gott, bezeichnen den Glauben als geistige Unreife, andere verteidigen ihn ebenso vehement.
Dabei zeigt sich aber auch deutlich, dass es eigentlich Bilder und Vorstellungen von Gott sind, die bestritten oder verteidigt werden. Bilder und Vorstellungen, die den einen als überholt gelten und die den anderen lieb geworden sind, weil ihr Glauben darin eine Heimat hat. Und vielleicht berührt der Streit um diese Gottesbilder den eigentlichen Kern der Gottesfrage gar nicht, weil er die tiefsten Fragen der Menschen nicht berührt: Wo erhält unser oft so verworrenes Leben einen letzten Sinn? Gibt es eine Kraft der Versöhnung bei allem, was zerrissen und heillos ist? Worauf dürfen wir hoffen – auch dann, wenn Tragik das letzte Wort zu haben scheint?
Wir suchen nach Antworten, und wir finden dafür nur unzureichende Bilder und Vorstellungen, die wir Gott nennen. Die Bibel verbietet uns, uns Bilder von Gott zu machen. Gott ist ganz anders und unendlich viel mehr als alle unsere Vorstellungen und Bilder von ihm. Und doch lebt unser Glaube von Gottesbildern, weil wir den unsichtbaren Gott nicht anders sehen können als in Bildern; und weil wir den unsagbaren Gott nicht anders als mit menschlichen Worten benennen können. Es sind Bilder, die uns gemeinsam sind: Gott der Vater, vielleicht auch die Mutter; Gott der Schöpfer. Es sind aber auch Bilder, die nur in uns selbst lebendig sind und die zutiefst mit unseren eigenen Lebenserfahrungen, Ängsten und Hoffnungen zu tun haben. Jeder und jede von uns hat eigene Bilder von Gott. Das ist auch gut so, wenn wir uns nur bewusst sind:,alle Bilder verbergen Gott mehr als sie ihn zeigen. Und doch hätten wir ohne diese Bilder nicht einmal eine Ahnung von ihm.
Mein Glaube lebt von Bildern Gottes, weil sie mir den fernen Gott nahe bringen können. In meinen Bildern kann ich Gott berühren und mich von ihm berühren lassen. Ich kann in ihnen Trost und Hoffnung finden. Der Dichter Rilke sagt einmal: Wie ein Glanz bricht sich unser Glaube auf den Bildern, die wie eine schmale Wand zwischen uns und ihm aufgebaut sind. Sie lassen Gottes Nähe ahnen. Und doch sind sie nicht Gott.
Aber es bleibt unsere Sehnsucht , das Trennende zwischen uns und Gott könnte sich öffnen, diese schmale Wand aus Bildern könnte einmal einbrechen, - „ganz ohne Lärm und Laut“, wie Rilke sagt. Doch ist auch dies ein Bild, ein schönes Bild – ein Bild für unsere unstillbare Hoffnung, dass wir Gott einmal ganz erkennen, so wie wir auch von ihm ganz erkannt werden (1 Kor 12, 12b).

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