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SWR2 Wort zum Tag

Als Alfred Delp vor dem Volksgerichtshof der Nazis angeklagt war, schrie ihm der unselige Vorsitzende Freisler ins Gesicht: „Sie Jämmerling, Sie pfäffisches Würstchen – und so was erdreistet sich, unserm geliebten Führer ans Leben zu wollen – eine Ratte – austreten, zertreten sollte man so was... Jetzt sagen Sie uns mal, was Sie als Priester dazu gebracht hat, die Kanzel zu verlassen und sich mit einem Umstürzler wie dem Graf Moltke und einem Querulanten wie diesem Protestanten Gerstenmeier in die deutsche Politik einzumischen. Los, antworten Sie!“
Delps Antwort ist bezeichnend für seine Arbeit überhaupt, für seinen Widerstand erst recht: „Ich kann predigen, so viel ich will, und Menschen geschickt oder ungeschickt behandeln nd wieder aufrichten, solange ich will. Solange der Mensch menschenunwürdig und unmenschlich leben muss, solange wird der Durchschnitt den Verhältnissen erliegen und weder beten noch denken. Es braucht die gründliche Änderung der Zustände des Lebens...“ Welch ein Programm: gerechte, menschenwürdige Verhältnisse! Maßstab der Menschlichkeit: „Beten und Denken“, also Gebrauch machen von der Freiheit eines Christenmenschen.
Sehr genau nimmt Freisler den Ball auf: „Wollen Sie damit sagen, dass der Staat geändert werden soll, damit Sie anfangen können, Zustände zu ändern, die das Volk aus den Kirchen fernhält?“ Antwort, ruhig und klar: „Ja, das will ich damit sagen...“. Das Bemühen von Delp und vielen anderen damals lässt sich also in dem einen Ziel zusammenfassen: betend und denkend die Verhältnisse ändern, betend und denkend sich in Unrechtsverhältnisse einmischen – selbst um den Preis des eigenen Lebens.
Kurz vor Gerichtsverhandlung und Todesurteil hatte Delp heimlich Eucharistie gefeiert. Heimlich hatte er ein Stück geweihten Brotes mit in die Verhandlung genommen. „Obwohl ich vom ersten Wort an wusste, ich falle, habe ich mich keine Minute unterlegen gefühlt. Das war jenseitige Kraft. Dafür hat das Leben dort auch ein Thema bekommen, eindeutig und klar, für das sich zu leben und zu sterben lohnt.“ (IV 239).
Menschen wie Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer und so viele andere sind christliche Gründungsväter unserer Republik. Beten, Denken und dann Handeln – das war ihr Motto. Die Freiheit, mit der ich heute Morgen meiner Wege gehen kann, ist absolut nicht selbstverständlich.
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