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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Der Stapel auf meinem Schreibtisch ist doppelt so hoch und das Postfach quillt über.
Nach dem Urlaub stürze ich mich in die Arbeit und versuche möglichst viele Dinge auf einmal zu erledigen. Und doch: Es geht nur langsam voran. Ja, ich habe manchmal den Eindruck, da wachsen immer neue Stapel auf dem Schreibtisch nach.

In einer Geschichte kommt ein junger Mann zu seinem Vater. „Ich habe solchen Stress und kann kaum noch schlafen.“ Sagt er. „Wie machst du das nur? Du wirkst so ruhig und gelassen. Dabei hast du doch auch so viel zu tun. Was ist dein Geheimnis?“

Die Antwort des Vaters ist schlicht: „Wenn ich schlafe, schlafe ich, wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich schaffe, schaffe ich“. Der Sohn kann das nicht glauben. „Das mach ich doch auch, das ist nichts Besonderes!“ Der Vater widerspricht ihm: „Es sieht zwar genauso aus, aber du machst es ganz anders: Wenn Du schläfst, gehst Du schon, wenn du gehst, dann schaffst Du schon, wenn Du schaffst, dann schläfst Du schon“.

So ähnlich geht es mir im Grunde auch. Ich widme mich einer Sache nie ganz, weil ich schon voller Unruhe bin und an das Nächste denke oder gar das Übernächste plane.

Diese Unruhe - Jesus scheint sie zu kennen. In seiner berühmten Bergpredigt greift er sie auf, und sagt: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Mt 7,34).
Eins nach dem anderen tun. Dazu macht auch Jesus Mut. Gelassen bleiben, auch wenn morgen der Stress noch nicht vorbei ist. Es gibt eben Zeiten, da hat man viel zu tun. Es gibt Zeiten, da muss man einfach durch.

Aber das wird schon, meint Jesus. Nicht weil das irgendwie schon gut werden muss. Es wird schon, weil Gott es gut machen wird. Er ist wie ein guter Freund der sagt: Gemeinsam werden wir es schon schaffen.

Und was heute nicht fertig wird, darf auch mal liegen bleiben. Schließlich darf der nächste Tag auch seine Sorgen haben. Außerdem habe ich schon manchmal erlebt, dass sich über Nacht die Sorgen verändern. Auf einmal taucht da jemand auf, der mir hilft – wenn da nicht Gott manchmal seine Hand mit im Spiel hat.

Also ich werde heute Mittag gleich mal ein Päuschen einlegen und mir sagen: Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.
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