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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Immer derselbe Trott: Morgens aufstehen, sich anziehen, frühstücken und zur Arbeit gehen - oder den Haushalt machen. Das ist manchmal ganz schön anstrengend finde ich. Vor allem gegen Ende der Woche, wenn die Kräfte nachlassen und trotzdem noch so viel Arbeit da ist. Da habe ich manchmal das Gefühl: es ist kein Ende abzusehen.

So ähnlich ist es vielleicht auch Simon und den anderen Fischern gegangen, von denen die Bibel erzählt (Lk 5,1-11).
Sie waren die ganze Nacht auf dem See gewesen und hatten gefischt. Aber der Fang war mager. Wie jeden Morgen mussten sie jetzt noch ihre Netze reinigen, obwohl sie eigentlich schon längst todmüde waren.
Auch hier jeden Tag derselbe Trott.

Aber da kommt einer, der ihren Trott unterbricht. Jesus steht plötzlich vor den Fischern und sagt zu Simon: „Fahr noch mal raus und wirf die Netze aus.“
Stellen Sie sich das mal vor: Da sind die Fischer nach einer langen Nacht enttäuscht vom schlechten Fang und erschöpft von den immer gleichen Arbeiten. Und dann kommt da einer und sagt: „Macht genau das gleiche noch mal, was ihr sowieso immer tut: Fahrt hinaus und werft eure Netz aus.“
Das ist doch verrückt, oder? Da hätten die Fischer Jesus auslachen können und sagen: „Du hast doch keine Ahnung von dem, was wir jeden Tag machen. Was willst du uns da Tipps geben?“

Aber das machen sie nicht. Simon sagt nur: „Wir waren schon draußen und haben nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin, also in deinem Auftrag fahren wir noch mal raus.“
Und dann fahren sie und werfen die Netzte aus. Und die werden so voll, dass sie sie kaum ins Boot ziehen können.

Das klingt wie ein Märchen. Aber ich glaube, die Geschichte erzählt etwas ganz Wahres: Der Auftrag, den Jesus den Fischer gibt, ist für sie einfach. Und er ist begrenzt. Sie sollen nur noch einmal das machen, was sie immer tun und gut können. Und genau das gibt den Fischern Mut und Kraft, glaube ich. Dass sie sich auf eins konzentrieren können. Und nicht nebenher noch überlegen müssen, ob der Fang jetzt reicht und was sie machen, wenn es zu wenig ist.

Vielleicht kann das auch uns helfen, am Ende einer Woche, wenn die Arbeit immer noch nicht aufhört und wir kaum mehr können.
All die Gedanken, wie ich das alles schaffen soll und was noch alles zu machen ist, abgeben. Mich nur auf das konzentrieren, was ich jetzt tue. Nicht mehr und nicht weniger. Dann muss ich das Ende auch gar nicht absehen.
Und der Fang? Der wird schon reichen. Auch in dieser Woche.
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