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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Das Beste kommt zum Schluss“ ein interessanter Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. Zwei kranke alte Männer auf der Intensivstation, die sich übers Sterben unterhalten. Dabei kommt die so genannte Löffelliste ins Spiel: Bevor ich den Löffel abgebe, wollen noch ein paar Dinge erlebt werden. Mit einer wunderbaren Frau an der Seite Austern schlürfen, am Strand von Malibu sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, solche Sachen eben – im Film.
Haben Sie auch so eine Löffelliste? Ich schon. Ich möchte, dass mir der Fuß nicht mehr wehtut und ich wieder ein paar längere Wanderungen machen kann. Ich möchte noch mal mit meiner Schwester Sylvester auf dem Balkon stehen und lauthals „happy new year“ von Abba singen. Mit dem Postschiff zu den Lofoten reisen oder mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok wäre auch schön.
Wenn es aber dazu nicht mehr kommt? Wenn ich heute den Löffel abgeben müsste?
Einer meiner Lieblingssätze in der Bibel steht im Johannesevangelium. Jesus sagt:
„Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Leben in Fülle, das heißt für mich: alles, was ich zum Leben brauche – plus X. Dieses X kann dann eine Fahrt zu den Lofoten sein – oder ein Regenbogen im Sommerhimmel, ein netter Plausch in einem Straßencafe, oder ein paar richtig schicke neue Schuhe - wenn dieses X hier auf der Erde stattfindet.
Wahrscheinlich bezieht sich das aber auf den Himmel. Und da denke ich doch, dass alles für mich bereit ist - so wie für jeden anderen Menschen auch. Ich rechne fest damit, dass Gott es uns schön macht bei sich und ich mache mir selten Gedanken darüber, wie es sein wird. Das überlasse ich ihm. Er wird schon wissen, wie jeder den Himmel braucht.
Wenn ich also heute den Löffel abgeben müsste – was ich nicht möchte – dann hätte ich aber das Gefühl, in gute Hände zu fallen. Ich brauche nicht dafür zu sorgen, dass ich hier auf der Erde alle Punkte von der Löffelliste abhaken kann.
Vielleicht hat Gott eine Löffelliste unter meinem Namen im großen Himmelscomputer abgespeichert, wo er sich Notizen macht, wenn ich irgendwelche Wünsche spüre.
So gesehen brauche ich eigentlich keine Löffelliste, denn das Beste kommt zum Schluss!

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