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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Werktag. Morgens früh mit dem Auto zur Arbeit fahren. An den Tag denken, der vor mir liegt. Vieles, was ich heute erledigen muss, weiß ich schon. Dann wird wieder allerlei unerwartet hinzukommen. Schaffe ich, was geschafft werden muss? Das liegt doch manchmal wie ein großer Berg vor mir. Dann ist Sonntag. Das Schwimmbad öffnet um 8.00 Uhr, gegen 8.10 bin ich drin. Auf der Treppe nicht zögern, weil das Wasser mal wieder kälter ist, als erwartet. Hinein ins Vergnügen und schon nach 10 Schwimmzügen wirkt das Wasser angenehm frisch. Kraftvoll die Fluten teilen, leicht sein, weil das Wasser trägt. Sich vergnügt um die eigene Achse drehen, lustvoll den Körper spüren, Lebensfreude macht sich breit.
Die Probleme und Sorgen der vergangenen Woche gleiten an mir vorbei – ich lasse sie hinter mir zurück. Was schwer war, scheint jetzt leicht. Wie kommt es, dass das Wasser mich trägt? Darüber könnte ich mir jetzt physikalische Erklärungen in Erinnerung rufen.
Ich lasse es lieber. Vielleicht hat Gott das so gemacht? Der Prophet Jesaja legt Gott die Worte in den Mund: „Bis ihr grau werdet, werde ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen.“ (Jes 46,4) Das spüre ich natürlich nicht immer so,
aber jetzt hier im Wasser steht es mir klar vor Augen. Mit jeder Faser des Körpers fühle ich es.
Was kann mir jetzt noch passieren? Bis ich grau werde, will er mich tragen. Grau bin ich eigentlich schon, na ja. Er hat mich getragen und er wird mich weiterhin tragen. Mit dem Gedanken werde ich in die neue Woche gehen. Vielleicht schaffe ich es, jeden morgen um 10 nach 8 an das Gefühl zu denken, wie ich als Landbewohnerin vom Boden über die Treppe in die Schwerelosigkeit des Wassers eintauche und wie dann alles leicht wird.
Jedenfalls für eine halbe Stunde.

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