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SWR2 Wort zum Tag

Darwin: Evolution und Schöpfung
Kann man mit Darwin an die Schöpfung glauben?

Evolution und Schöpfungsglaube – wie geht das zusammen? Schließt das Eine nicht das Andere aus? Im Jahr, in dem des 200. Geburtstages von Charles Darwin gedacht wird, ist diese Frage wieder ganz aktuell geworden. Wir wissen durch Darwin, dass Pflanzen- und Tierarten nicht, wie es die Bibel erzählt, unabhängig voneinander geschaffen wurden. Sie haben sich aus einfachen Lebensformen in einem langen Prozess entwickelt und können sich ändern. Durch das Ringen ums Überleben, den „Kampf ums Dasein“, kommt es zu einer natürlichen Auswahl. Nur die Lebewesen, die sich am besten an ihre Umwelt anpassen, überleben. So entstehen dann immer neue Arten von Lebewesen. Auch der Mensch ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses und ist Abkömmling älterer und niederer Lebensformen. Zufall und die Notwendigkeit der Anpassung an die Umwelt bestimmen nach Darwin die Evolution. – Hat bei diesen Erkenntnissen der Glaube an die Schöpfung noch Platz?

Die Schöpfungsgeschichte ist dabei nicht das Problem. Längst ist erkannt, dass es sich bei ihr um eine Bildergeschichte handelt, die eindrucksvoll abbildet, was der Glaube über Gott und den Menschen zu sagen hat. Dieser Glaube hat seinen Grund in Erfahrungen mit Gott in der Geschichte. Aus ihnen ist die Gewissheit entstanden, dass Gott in der ganzen Welt wirkt, dass er sie geschaffen hat und auch erhält. - Wie lässt sich ein solcher Glaube mit der von Darwin entdeckten Evolution zusammenbringen?

Es sind offenbar zwei unterschiedliche Sichtweisen der Wirklichkeit: die des Glaubens und die der Naturwissenschaft. Die Ergebnisse der Naturwissenschaft müssen der Vernunft einleuchten und überprüfbar sein; für ihre Methoden kann der Glaube keine Voraussetzung sein. Der Glaube hat seinen Grund in geschichtlichen Erfahrungen und in Worten, die Menschen einander zusprechen; an alte Weltbilder darf er sich nicht binden, neue kann er nicht entwerfen. Gibt es eine Brücke zwischen beiden Sichtweisen - so, dass der Naturwissenschaftler auch glauben und der Gläubige Naturwissenschaftler sein kann? Die Brücke kann entstehen, wenn die Begrenztheit beider Sichtweisen erkannt ist und es zu einer Offenheit für die jeweils andere Sichtweise kommt. Es ist vielleicht ähn-lich wie bei der Betrachtung eines Gemäldes: Man kann es einer bestimmten Schule zuordnen und die Maltechnik beobachten. Man kann es aber auch auf sich wirken und sich von ihm ergreifen lassen. Es sind unterschiedliche Zugänge – zu demselben Bild. Die Erforschung der Evolution und der Schöpfungsglaube haben unterschiedliche Sichtweisen der einen Wirklichkeit. Aber sie schließen sich nicht aus. So ist beides möglich: Das Ja zur Schöpfung und das Ja zur Evo-lution! https://www.kirche-im-swr.de/?m=6297