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SWR2 Wort zum Tag

Im Russland der 1980er Jahre herrschte noch der Atheismus. Vor der Kirche traf ein kommunstischer Funktionär einen orthodoxen Priester, der gerade den Gottesdienst beendet hatte. Außer ihm hatte niemand daran teilgenommen.
"Na, fühlst du dich nicht ein wenig einsam da drin?" spottete der Funktionär.
Doch der Priester blieb gelassen: "Wenn ich Gottesdienst halte, dann tue ich es im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Also sind wir schon zu viert. Und wo der Allmächtige zugegen ist, werden seine himmlischen Heerscharen nicht weit sein. Ich habe manchmal Sorge, überhaupt noch einen freien Platz in meiner Kirche zu bekommen!"
Sprachs und ging davon.

Gottes Dreifaltigkeit gehört zu den großen Geheimnissen des Christlichen Glaubens, und auch zu den Denkaufgaben der Theologie. Dass Gott Einer ist, das haben Christen mit dem Judentum und dem Islam gemeinsam. Aber der eine Gott offenbart sich nach christlicher Auffassung in drei Personen - und diese Fülle macht unsere Religion anfechtbar. Drei Personen, meinen Kritiker, sind auch drei Götter.
Die Kirche sagt dazu: Gottes Personen sind eines Wesens. Und dieses eine Wesen ist so groß und vielfältig, dass es sich nicht in einem Bild, ja auch nicht mit einem Gesicht umschreiben und denken läßt. Also ist Gott immer
schon zu dritt. Er ist der Vater - für mich ist das wichtig, einen himmlischen Vater zu haben, der mich sein Kind nennt, der mich vorbehaltlos liebt - wie eben ein Vater sein Kind. Gott ist Jesus, der Sohn: er ist der Gott an
meiner Seite, der Freund, der sein Leben für mich läßt und der folglich auch Herr darüber sein darf.
Den Heiligen Geist stelle ich mir vor wie eine Quelle. Aus ihr sprudelt Kraft und Trost. Sie nährt und stärkt den Glauben an Gott, sie stiftet eine weltweite Gemeinschaft, alle Konfessionen übergreift sie.
Gott ist also nie mit sich allein, er lebt in Beziehung zu sich selbst. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind immer im Gespräch, liebevoll einander zugewandt, wie man es auf manchen Ikonen so wunderbar sehen kann. Und doch ist diese Gemeinschaft offen für jeden, der am Gespräch teilnehmen will. Wenn ich mit Gott rede, trete ich ein in
diesen Kreis, werde hineingezogen in das göttliche Geheimnis, umfangen von göttlicher Liebe.
So glaube ich an einen Gott, der nicht für sich bleibt und gerade darin ganz ER selber ist.
Gott ist nicht mit sich allein und läßt auch mich nicht mit mir allein. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6221