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SWR2 Wort zum Tag

Hass ist zerstörerisch. Ich habe das selbst einmal erlebt, eine Freundin hatte mich gekränkt, bei jeder passenden Gelegenheit verletzt, mein Vertrauen missbraucht. Viel zu spät hatte ich ihr Spiel durchschaut. Wie gut es tun würde, ihr weh zu tun! Heute bin ich froh, meiner hasserfüllten inneren Stimme nicht gehorcht zu haben. Ich hätte viel in mir zerstört. Rache lindert nicht, sie verletzt. Zuallererst den Rächenden selbst.

Hass ist zerstörerisch. In der letzten Woche erzählt mir ein junger Mann, wie er voller Rachegedanken war auf seinen Vorgesetzten. Der Hass verhinderte jeden klaren Gedanken, er war nicht mehr in der Lage, seine Arbeit sorgfältig auszuführen, fraß seine Verbitterung in sich hinein. Tatsächlich geholfen hat ihm erst der Hinweis einer Freundin auf den Satz Jesu: Liebt eure Feinde, bittet für die, die euch verfluchen. Er hielt sich damals für einen Atheisten, doch der Satz ließ ihn nicht mehr los: Liebt eure Feinde, bittet für die, die euch verfluchen Und irgendwann ahnte er: Das ist mehr als ein netter Rat, das ist meine Überlebenshilfe! Zunächst war es nicht leicht, den verabscheuten Vorgesetzten mit freundlichen Augen zu betrachten. Doch mit jedem wohlwollenden Gedanken fiel seine innere Blockade in sich zusammen, er konnte wieder frei atmen. Lieben kann er den Vorgesetzten bis heute nicht, aber doch achten, als Menschen.
Glücklicherweise gibt es ja häufiger einen segensreichen Umstand, der die Rache verhindert, oder einen Menschen, der einem die Augen öffnet. Dafür, dass die Wunden des Lebens, die andere Menschen geschlagen haben, durch Rache und Hass nicht heilen und ich mich so nur selbst verletze und in der Spirale des Bösen verfange.
Ich habe lange gebraucht, um mich vom Hass auf meine Freundin zu verabschieden. Dann erst habe ich entdeckt, dass kein Mensch die Macht hat, meine Würde zu verletzen, wenn ich diese Würde aus Gottes Hand empfange, so wie ich die Rache in seine Hände gebe. Ein heilsames Tauschgeschäft.
Das klingt vielleicht alles sehr klug, und ich weiß doch, wie schwer es ist.
„Ich habe es mühsam lernen müssen. Hass,“ so sagt es mir der junge Mann, „ist wie ein Feind, der nagelt dich fest. Gott dagegen setzt meine Füße auf weiten Raum.“ Das hat er sich dann auch als Taufspruch ausgesucht, Psalm 31, Vers 9: Du übergibst mich nicht in die Hände des Feindes, du stellst meine Füße auf weiten Raum. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6175