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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Essen auf Rädern. Das kennen sie doch bestimmt.
Haben Sie gewusst, dass das Essen auf Rädern schon 2000 Jahre alt ist.
Also nicht das Essen, sondern die Idee meine ich, dass man den Leuten, die sich nicht mehr selbst versorgen können, was zu essen ins Haus bringt.
Das wurde tatsächlich schon vor 2000 Jahren ins Rollen gebracht.
Und zwar war das in der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem.
Ganz am Anfang also.
Damals ist alles noch neu und fremd. Niemand hat ein Konzept.
Die Hierarchie ist undurchsichtig, überall passieren wichtige Dinge
ohne dass jemand die Statistik bemüht.
oder eine Qualitätskontrolle über die Wichtigkeit der Sache einführt.
Es pulsiert einfach, das Leben in der Urgemeinde, eine ganz eigene Dynamik bringt alles in Schwung, die Gemeinde wächst, und es geht drunter und drüber.
Darüber muss man sich nicht ärgern, nur wundern, solange jedenfalls, wie alles einigermaßen gut geht.
In Jerusalem kommen täglich neue Leute zu der Gemeinde dazu.
Und es ist wie überall, wo was los ist, es passieren jede Menge Fehler mit bester Absicht natürlich.
Nur wo alles tot ist und sich nichts mehr tut, tut keiner was Falsches.
Also, wenn es in ihrer Familie, in ihrem Beruf, in ihrer Gemeinde richtig rund geht, dann seien sie froh.
Das ist ein gutes Chaos, das verspricht Leben pur.

In Jerusalem jedenfalls vibriert das Gemeindeleben und folgerichtig werden so richtig große und bedauernswerte Fehler gemacht.
Jedenfalls die griechischen Juden, die also von Auswärts sind und keine Einheimische, die fühlen sich übergangen, weil ausgerechnet im Eifer des Gefechtes die Witwen aus ihrer Großfamilie kein Essen auf Rädern kriegen.
Prost Mahlzeit!

Die Stimmung ist mies die Lage schwierig, aber daraus entsteht mit Gottes Hilfe meistens was Neues, was Kreatives.
Und siehe da:
In Jerusalem erfinden sie das Ehrenamt.
Sie suchen sieben Männer, die einen guten Ruf haben, geistvoll sind, und willig.
Und die beauftragen sie ab sofort diakonisch zu sein, das heißt: das Essen auf Rädern zu verteilen.
Und mit diesem klugen Krisenmanagement gelingt es schließlich, wieder Ruhe und Frieden her zu stellen.
Die Apostel predigen und versorgen die Seelen, die Diakone marschieren und versorgen den Leib.
Und schon ist das Problem gelöst und der Knoten geplatzt und der Wagen rollt wieder. Und die Gemeinde wächst weiter. Und wenn wir es richtig machen, dann tut sie es bis heute.
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