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SWR2 Wort zum Tag

Als Junge habe ich fast alle Bücher von Karl May verschlungen. Viel später sah ich Verfilmungen der Abenteuerromane – und war enttäuscht. Beim Lesen hatte ich mir Vieles
so ganz anders vorgestellt; die Bilder in meiner jugendlichen Fan-tasie entsprachen nicht
den Bildern der Filme. Es geht einem ja ganz ähnlich mit den meisten Verfilmungen literarischer Werke. Selten entsprechen sie den Bildern, die beim Lesen entstehen. Diese sind vielfältiger, können sich auch verändern und werden hervorgerufen durch Worte, die ansprechen und Vorstellungen anregen. Bilder, die man sehen kann, bilden meist nur begrenzt ab, was sie ei-gentlich zeigen wollen.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. So heißt es in den 10 Geboten. Radikal werden hier Bilder für den Bereich des Glaubens verboten. Es ist an Götzenbilder gedacht. Mit ihnen wollten sich Menschen des Segens Gottes, seiner Hilfe versichern. Im Bild, so glaubten sie, ist Gott gegenwärtig.
Darum beteten sie es an. Dies will das Bilderverbot verhindern. Denn Gottesbilder sind gefährlich, - auch gedankliche. Sie können Gott zum Götzen machen. Sie legen Gott fest
und binden ihn an eigene Wünsche und Vorstellungen. So können sie zu einer falschen Sicherheit führen. Der Glaube, der von der Freiheit und Verborgenheit Gottes weiß und sich ihm dennoch anvertraut, wird dann unmöglich.

Der Glaube entsteht durch Hören, sagt Paulus. Durch Worte wird er geweckt. Durch Worte, die Menschen treffen und die aufdecken, wer sie sind. Durch Worte, die trösten und zum Vertrauen helfen. Durch Worte, die bewegen und das Tun bestimmen. Es sind immer wieder die Worte der Bibel, die das bewirken, vor allem, wenn sie zugesprochen werden
und man sie hört. Man kann es immer wieder erleben, dass sie in unterschiedlichen Lebenssituationen genau das sagen, was gerade jetzt notwendig ist und hilft. So erreichen
sie immer wieder Menschen, trösten und bewegen sie.

Aber braucht der Glaube nicht doch auch Bilder? Es gibt sie ja auch in den Kirchen und nicht nur dort. Es gibt „sprechende“, tief berührende Bilder, hinter denen Worte zurückbleiben und mit denen eingefangen ist, was man kaum ausdrücken kann. Diese Bilder legen nicht fest. Sie werden notwendige Ergänzung des Hörens. Sie bewegen, provozieren manchmal - und helfen, ganz neu zu hören, was Gott sagen will.
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