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SWR2 Wort zum Tag

Selig die Frieden stiften. Unter dieser Überschrift steht ein ökumenischer Gottesdienst heute abend in Baden-Baden. Er findet statt anlässlich des NATO-Gipfels. Zur selben Zeit treffen sich ganz in der Nähe im Kurhaus hochrangige Politiker und Militärs aus 26 Staaten zu einem Festbankett. Unter sich, ohne Bevölkerung. Sie feiern die Unterzeichnung des Nordatlantikpakts am 4. April 1949.
Zum Gottesdienst laden christlicher Gemeinden und Verbände ein. Sie bieten damit einen öffentlichen Raum für Menschen, die dieses Ereignis auf verschiedenste Weise bewegt. Viele werden da sein, weil sie militärische Gewalt und damit auch militärische Bündnisse ablehnen, andere auch, weil sie dankbar sind für den Schutz durch die NATO. Menschen werden kommen mit ihrer Ohnmacht und Verzweiflung, auch mit Zorn und mit Schuldgefühlen, weil Gewalt immer noch als ein Mittel der Politik gesehen wird. Alle verbindet die Sehnsucht nach Frieden, Frieden für alle Menschen.
Im Mittelpunkt ein Satz aus der Bibel: Selig die Frieden stiften. Worte Jesu aus der sogenannten Bergpredigt. Einer der Höhepunkte biblischen Sprechens vom Frieden. Er führt zu der kritischen Frage: Läßt sich Frieden erreichen durch ein Bündnis, durch Waffen, durch Abschreckung? Sicher hat es in der Geschichte der NATO auf allen Ebenen Menschen gegeben, die dies angestrebt haben, als Soldaten, Politiker und Befehlshaber. Aber die Bergpredigt stellt das Konzept „Frieden schaffen durch Waffen“ grundsätzlich in Frage. „Selig, die Frieden stiften“ meint mehr und meint anderes. Krieg verhindern ist viel, es rettet Menschenleben, vermeidet unsägliches Leid, und dennoch: wo kein Krieg tobt, da herrscht noch längst nicht Frieden. Frieden entsteht und besteht nicht, indem Nationen und Menschen voreinander Angst haben, sondern Friede ist, wenn sie keine Angst mehr voreinander haben müssen. Und wenn jede und jeder genug zum Leben hat. Wenn Geld nicht ausgegeben wird für Waffen, sondern für Brot und Reis und Hirse.
Selig, die Frieden stiften. In einer Welt voller Konflikte. In einer ungerechten Welt.
Es gibt Beispiele: Schüler, die sich ausbilden lassen zu Streitschlichtern in ihrer Klasse. Blumengeschäfte und Teppichhändler, die nur Waren aus fairem Handel verkaufen. Die Menschen im Rems-Murr-Kreis und darüber hinaus, die jetzt ihre privaten Waffen abgegeben haben.
Während des NATO-Gipfels feiern Menschen Gottesdienst. Und lassen sich hoffentlich auch stärken durch die Bergpredigt, die verspricht: Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.
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