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SWR2 Wort zum Tag

Er war Sohn eines Zimmermanns – und wurde Papst: Adriaan Florisz, Niederländer, mit deutschem Namen Adrian von Utrecht, und bis zur Wahl von Johannes Paul II. der letzte nichtitalienische Papst. Heute vor 550 Jahren wurde er geboren.
Adriaan studierte Theologie, stieg zum Erzieher des späteren Kaisers Karl V. auf, wurde Bischof in Spanien und dann 1522 Papst. Eine steile Karriere für Hadrian VI., wie er sich nennt. Aber als Papst bleibt Adriaan glücklos. Mit den Römern kommt er nicht zu Rande, im Kampf gegen die Türken bleibt er erfolglos – und die Reformation in Deutschland rollt über ihn hinweg. Obwohl Adriaan weiß, dass Luther zu Recht den Zustand der Kirche kritisiert. In einem Brief an den Reichstag in Nürnberg schreibt der Papst: „Wir wissen wohl, dass auch bei diesem Heiligen Stuhl schon seit manchem Jahr viel Verabscheuungswürdiges vorgekommen: Missbräuche in geistlichen Dingen, Übertretungen der Gebote, ja, dass alles sich zum Ärgeren verkehrt hat. So ist es nicht zu verwundern, dass die Krankheit sich vom Haupt auf die Glieder, von den Päpsten auf die Prälaten verpflanzt hat. Wir alle, Prälaten und Geistliche, sind vom Weg des Rechtes abgewichen, und es gab schon lange keinen einzigen, der Gutes tat.“
Harsche, selbstkritische Worte, die allerdings ihren Zweck verfehlen. Denn Adriaans Gesandter wird in Nürnberg zwar gehört, bekommt aber seinerseits einen umfangreichen Katalog mit Reformwünschen überreicht. Nur Selbstkritik reicht jetzt nicht mehr. Die deutschen Christen wollen Taten sehen, wollen den Papst handeln sehen. Hadrian VI. hat das wohl auch vorgehabt. So schrieb er: „… ein jeder von uns soll betrachten, weshalb er gefallen, und sich lieber selbst richten, als dass er von Gott am Tage seines Zornes gerichtet werde.“ Hadrian macht auch bei sich keine Ausnahme, aber die Widerstände in Rom sind zu groß. Der Niederländer scheitert an der Reform seiner Kirche – und stirbt kaum anderthalb Jahre im Amt.
Trotzdem berühren mich die selbstkritischen Worte des Hadrian. Oft lässt sich der Eindruck nicht vermeiden, dass die Mächtigen – aber auch die ganz normalen Menschen – die Schuld gerne bei anderen suchen. Und kaum selbst einmal gerade stehen für das, was schief gegangen ist. Hadrian dagegen hat sich selbst in die Kritik einbezogen. Ein mutiges Beispiel – auch für heute.


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